Lichtjahr, Emissionsnebel, Seeing oder Stacking: Wer sich mit dem Sternenhimmel und mit Astrofotografie beschäftigt, stößt schnell auf viele Fachbegriffe. In diesem Astronomie-Glossar erkläre ich dir die wichtigsten davon von A bis Z, und zwar so einfach wie möglich.

Jeder Begriff hat drei Teile: Kurz gesagt für den schnellen Überblick, einen Vergleich aus dem Alltag und Genauer für alle, die tiefer einsteigen wollen. Über die Buchstaben springst du direkt zum gesuchten Wort.

Das Glossar auf einen Blick

Astronomie einfach erklärt

327

Begriffe

von A bis Z erklärt

11

Themen

von Sternen bis Raumfahrt

3

Stufen

kurz, Vergleich, genauer

1

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Themen

Die Themen im Glossar

Jeder Begriff trägt ein Themen-Schild. So siehst du sofort, ob es um Sterne, das Sonnensystem, das Beobachten oder die Astrofotografie geht.

Nebel, Gas & Staub

22 Begriffe

Akkretionsscheibe, Bok-Globule, Dunkelnebel, Dunkle Globule …

Sternhaufen & Galaxien

29 Begriffe

Aktive Galaxie, Balkenspiralgalaxie, Blazar, Bulge …

Sonnensystem

40 Begriffe

Asteroid, Asteroidengürtel, Chromosphäre, Eisriese …

Licht & Strahlung

34 Begriffe

Absorptionslinie, Atom, Blauverschiebung, Doppler-Effekt …

Entfernung & Helligkeit

19 Begriffe

Absolute Helligkeit, Albedo, Astronomische Einheit, Beobachtbares Universum …

Himmel & Bewegung

34 Begriffe

Aphel, Apogäum, Asterismus, Aufgang und Untergang …

Ereignisse

25 Begriffe

Airglow, Bedeckung, Blaue Stunde, Blutmond …

Raumfahrt & Forschung

15 Begriffe

Astronomie vs. Astrologie, Astrophysik, Hubble-Teleskop, ISS …

A

22 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit A

Absolute Helligkeit

Entfernung & Helligkeitauch: absolute Größe, M

Kurz gesagt: Wie hell ein Stern wäre, wenn er genau 10 Parsec (32,6 Lichtjahre) entfernt stünde. So lassen sich Sterne fair vergleichen.

Wie im Alltag: Wie wenn man alle Lampen in denselben Abstand stellt, bevor man sie vergleicht.

Genauer: Die Sonne hat scheinbar etwa −26,7 mag, aus 10 Parsec wäre sie mit etwa +4,8 mag nur ein unauffälliges Sternchen. Kennt man scheinbare und absolute Helligkeit, kann man die Entfernung berechnen. Darauf beruhen viele Entfernungsmessungen im All.

Siehe auch: Scheinbare Helligkeit · Magnitude · Parsec

Absorptionslinie

Licht & Strahlungauch: Fraunhofer-Linie, Absorption

Kurz gesagt: Eine dunkle Linie im Spektrum. Sie entsteht, wenn kühleres Gas bestimmte Wellenlängen aus dem Licht dahinter herausschluckt.

Wie im Alltag: Wie ein Sieb, das aus dem Licht nur ganz bestimmte Farben herausfischt.

Genauer: Im Sonnenspektrum sind Tausende solcher dunklen Linien zu sehen; sie heißen nach ihrem Entdecker Fraunhofer-Linien. Sie zeigen, welche Elemente in der äußeren Sonnenatmosphäre vorkommen. Auch Gas zwischen den Sternen hinterlässt Absorptionslinien im Licht ferner Objekte.

Siehe auch: Emissionslinie · Spektrallinie · Spektrum · Spektroskopie

Airglow

Ereignisseauch: Nachthimmelsleuchten, Luftleuchten

Kurz gesagt: Ein schwaches Eigenleuchten der hohen Atmosphäre, das den Nachthimmel nie ganz schwarz werden lässt.

Genauer: Tagsüber regt das Sonnenlicht Atome und Moleküle in der oberen Luft an, nachts geben sie die Energie als Licht ab. Am auffälligsten ist ein grünes Leuchten von Sauerstoffatomen in etwa 90 bis 100 km Höhe. Mit bloßem Auge ist es kaum zu sehen, auf Langzeitbelichtungen unter dunklem Himmel erscheinen aber grüne und rote Bänder.

Siehe auch: Leuchtende Nachtwolken · Polarlicht · Lichtverschmutzung

Akkretionsscheibe

Nebel, Gas & Staub

Kurz gesagt: Eine Scheibe aus Materie, die um einen schweren Körper kreist und langsam auf ihn fällt.

Wie im Alltag: Wie Wasser, das im Strudel um den Abfluss kreist, bevor es verschwindet.

Genauer: „Akkretion“ heißt „Anlagerung“. Gas fällt nicht direkt auf einen Stern oder ein Schwarzes Loch, sondern kreist erst in einer Scheibe. Durch Reibung wird es dabei sehr heiß und strahlt. Bei Schwarzen Löchern können solche Scheiben heller leuchten als ganze Galaxien – so entstehen Quasare.

Siehe auch: Schwarzes Loch · Quasar · Protostern · Jet · Protoplanetare Scheibe

Aktive Galaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: AGN, Aktiver Galaxienkern

Kurz gesagt: Eine Galaxie, deren Kern extrem hell leuchtet, weil ihr zentrales Schwarzes Loch Materie verschlingt.

Wie im Alltag: Wie ein Kamin, in den gerade viel Holz nachgelegt wird.

Genauer: Bei aktiven Galaxien stammt ein großer Teil der Strahlung nicht von Sternen, sondern aus der Umgebung des Schwarzen Lochs. Die einfallende Materie bildet eine heiße Akkretionsscheibe, oft entstehen auch Jets. Je nach Blickwinkel und Stärke spricht man von Seyfert-Galaxien, Radiogalaxien, Quasaren oder Blazaren.

Siehe auch: Quasar · Blazar · Galaktischer Kern · Akkretionsscheibe · Jet

Albedo

Entfernung & Helligkeitauch: Rückstrahlvermögen

Kurz gesagt: Wie viel Licht eine Oberfläche zurückwirft, von 0 (schluckt alles) bis 1 (wirft alles zurück).

Wie im Alltag: Frischer Schnee hat eine hohe Albedo, frischer Asphalt eine sehr niedrige.

Genauer: Der Mond wirkt hell, hat aber eine geringe Albedo von etwa 0,12 – sein Gestein ist eher dunkelgrau. Venus mit ihren dichten Wolken wirft dagegen einen Großteil des Lichts zurück. Die Albedo hilft, aus der Helligkeit eines Asteroiden auf seine Größe zu schließen.

Siehe auch: Scheinbare Helligkeit · Erdschein

Aphel

Himmel & Bewegungauch: Sonnenferne

Kurz gesagt: Der Punkt einer Bahn um die Sonne, an dem der Körper am weitesten von ihr entfernt ist.

Genauer: Die Erde erreicht ihr Aphel Anfang Juli mit gut 152 Millionen km Abstand – also mitten im Sommer der Nordhalbkugel. Der Unterschied zum Perihel beträgt nur etwa 3 Prozent.

Siehe auch: Perihel · Ellipse · Apogäum

Apochromat

Beobachtenauch: Apo, APO-Refraktor

Kurz gesagt: Ein hochwertiger Linsenteleskop-Typ, der Farben fast ohne Farbsäume an einem Punkt sammelt.

Wie im Alltag: Wie eine Brille mit besonders gutem Glas: Ränder bleiben scharf und ohne bunte Kanten.

Genauer: Ein Apochromat (kurz „Apo“) nutzt mehrere Linsen, oft mit Spezialglas, damit rotes, grünes und blaues Licht fast im selben Brennpunkt landen. Hellen Sternen fehlen dadurch die violetten Höfe, die einfache Linsenteleskope zeigen. Apos sind teurer, gelten aber für Astrofotografie als besonders saubere Optik.

Siehe auch: Refraktor · Chromatische Aberration

Apogäum

Himmel & Bewegungauch: Erdferne

Kurz gesagt: Der erdfernste Punkt auf der Bahn des Mondes oder eines Satelliten.

Genauer: Im Apogäum ist der Mond etwa 404.000 bis 407.000 km entfernt. Er erscheint dann etwas kleiner. Fällt eine zentrale Sonnenfinsternis in diese Zeit, reicht der Mond nicht ganz aus, um die Sonne zu verdecken: Es entsteht eine ringförmige Finsternis.

Siehe auch: Perigäum · Aphel · Totale / Partielle / Ringförmige Finsternis

Asterismus

Himmel & Bewegungauch: Sternfigur

Kurz gesagt: Eine auffällige Sternfigur, die kein offizielles Sternbild ist, zum Beispiel der Große Wagen.

Genauer: Der Große Wagen ist nur ein Teil des Sternbilds Großer Bär. Das Sommerdreieck aus Wega, Deneb und Atair verbindet sogar drei Sternbilder. Asterismen sind beliebte Wegweiser, um sich am Himmel zurechtzufinden.

Siehe auch: Sternbild · Polarstern

Asteroid

Sonnensystemauch: Kleinplanet, Planetoid

Kurz gesagt: Ein kleiner Gesteins- oder Metallkörper, der die Sonne umkreist und zu klein ist, um ein Planet zu sein.

Wie im Alltag: Asteroiden sind die Bauschutt-Reste aus der Zeit, als die Planeten entstanden.

Genauer: Die meisten Asteroiden kreisen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Ihre Größe reicht von wenigen Metern bis zu mehreren Hundert Kilometern. Bekannt sind über eine Million Asteroiden. Einige kreuzen die Erdbahn und werden deshalb genau überwacht.

Siehe auch: Asteroidengürtel · Meteoroid · Zwergplanet · Komet

Asteroidengürtel

Sonnensystemauch: Hauptgürtel

Kurz gesagt: Ein breiter Ring zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter, in dem die meisten Asteroiden kreisen.

Wie im Alltag: Anders als in Filmen ist der Gürtel kein dichtes Gedränge: Die Brocken sind im Schnitt so weit voneinander entfernt, dass Raumsonden ihn problemlos durchfliegen.

Genauer: Der Asteroidengürtel liegt etwa 2,2 bis 3,2 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt. Größter Körper ist der Zwergplanet Ceres. Die gesamte Masse aller Asteroiden im Gürtel ist kleiner als die unseres Mondes.

Siehe auch: Asteroid · Zwergplanet

Astro-modifizierte Kamera

Astrofotografieauch: Astromodifikation, Modifizierte DSLR, Vollspektrum-Kamera

Kurz gesagt: Eine normale Systemkamera, bei der ein Filter vor dem Sensor getauscht wurde, damit sie mehr rotes Nebellicht sieht.

Wie im Alltag: Wie eine Sonnenbrille, die man abnimmt, um mehr zu sehen.

Genauer: Ab Werk sitzt vor dem Sensor ein Filter, der einen Großteil des tiefroten Lichts abschwächt, damit Hauttöne natürlich wirken. Genau dort liegt aber das Leuchten des Wasserstoffs (H-Alpha bei 656 nm). Nach dem Umbau zeigt die Kamera rote Emissionsnebel viel kräftiger; für normale Fotos braucht sie dann einen Weißabgleich oder Zusatzfilter.

Siehe auch: H-Alpha · Emissionsnebel · Astrokamera

Astrofotografie

Astrofotografieauch: Astrofoto, Astrophotography

Kurz gesagt: Das Fotografieren von Himmelsobjekten – vom Mond über die Milchstraße bis zu fernen Galaxien.

Wie im Alltag: Wie Nachtfotografie, nur dass das Motiv Millionen Lichtjahre entfernt sein kann.

Genauer: Die meisten Himmelsobjekte sind so schwach, dass man viel Licht sammeln muss: mit langen Belichtungen, vielen Einzelbildern und einer Nachführung, die die Erddrehung ausgleicht. Danach werden die Bilder am Computer kombiniert und bearbeitet. Die Bandbreite reicht vom Smartphone auf dem Stativ bis zur gekühlten Spezialkamera am Teleskop.

Siehe auch: Weitwinkel-Astrofotografie · Deep-Sky-Fotografie · Stacking · Nachführung

Astrokamera

Astrofotografieauch: Astro-Kamera, Planetenkamera

Kurz gesagt: Eine spezielle Kamera ohne Display und Bedienelemente, die am Teleskop über einen Computer gesteuert wird.

Wie im Alltag: Wie eine Webcam, die für den Nachthimmel gebaut wurde.

Genauer: Astrokameras sind auf hohe Empfindlichkeit und geringes Rauschen ausgelegt und haben meist keinen Infrarot-Sperrfilter vor dem Sensor. Es gibt schnelle Modelle für Mond und Planeten (viele Bilder pro Sekunde) und gekühlte Modelle für Deep-Sky. Es gibt sie als Farb- und als Monochromkamera.

Siehe auch: Gekühlte Kamera · Monochromkamera · ISO

Astronomie vs. Astrologie

Raumfahrt & Forschungauch: Astronomie, Astrologie, Sterndeutung

Kurz gesagt: Astronomie ist die Naturwissenschaft vom Himmel; Astrologie ist ein Glaube, dass Sterne unser Schicksal beeinflussen.

Wie im Alltag: Wie Chemie und Alchemie: ähnlicher Name, aber nur eines davon ist Wissenschaft.

Genauer: Die Astronomie misst, beobachtet und überprüft ihre Aussagen mit Experimenten. Die Astrologie deutet Stellungen von Sonne, Mond und Planeten in Tierkreiszeichen, ohne dass Studien einen Einfluss auf Charakter oder Schicksal belegen konnten. Durch die Präzession stimmen die astrologischen Zeichen außerdem nicht mehr mit den Sternbildern überein, in denen die Sonne tatsächlich steht.

Siehe auch: Tierkreis · Sternbild · Präzession · Ekliptik

Astronomische Einheit

Entfernung & Helligkeitauch: AE, au, AU

Kurz gesagt: Der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne, festgelegt auf 149.597.870.700 Meter – also rund 150 Millionen Kilometer.

Wie im Alltag: Würde die Sonne zu einem Fußball schrumpfen, stünde die Erde etwa 25 Meter entfernt.

Genauer: Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat die AE 2012 auf genau 149.597.870.700 m festgelegt. Sie ist praktisch für Abstände im Sonnensystem: Jupiter kreist in etwa 5,2 AE, Neptun in etwa 30 AE um die Sonne. Auch das Parsec baut auf der AE auf.

Siehe auch: Parsec · Lichtminute · Perihel · Aphel

Astrophysik

Raumfahrt & Forschung

Kurz gesagt: Der Teil der Astronomie, der mit den Gesetzen der Physik erklärt, wie Himmelskörper funktionieren.

Wie im Alltag: Wie ein Mechaniker, der nicht nur weiß, wo das Auto steht, sondern auch, wie der Motor läuft.

Genauer: Astrophysiker untersuchen etwa, warum Sterne leuchten, wie sie sterben oder was in Schwarzen Löchern passiert. Grundlage sind Messungen von Licht und anderer Strahlung, vor allem mit der Spektroskopie. Heute sind Astronomie und Astrophysik praktisch nicht mehr zu trennen.

Siehe auch: Kosmologie · Spektroskopie · Kernfusion

Atom

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Der kleinste Baustein eines chemischen Elements. Er besteht aus einem winzigen Kern und einer Hülle aus Elektronen.

Wie im Alltag: Wäre der Atomkern so groß wie eine Erbse in der Mitte eines Fußballstadions, reichte die Elektronenhülle bis zu den Rängen.

Genauer: Der Kern enthält positiv geladene Protonen und ungeladene Neutronen; die Zahl der Protonen bestimmt das Element. Die Elektronen können nur bestimmte Energiestufen einnehmen. Springen sie zwischen diesen Stufen, nehmen sie Licht auf oder geben es ab. Daher stammen die Spektrallinien.

Siehe auch: Element · Ion · Molekül · Spektrallinie

Aufgang und Untergang

Himmel & Bewegungauch: Sonnenaufgang, Monduntergang

Kurz gesagt: Die Zeitpunkte, an denen ein Gestirn über den Horizont steigt oder darunter verschwindet. Grund ist die Drehung der Erde.

Genauer: Bei Sonne und Mond zählt meist der obere Rand. Die Luft knickt das Licht am Horizont, deshalb siehst du die Sonne schon, bevor sie geometrisch aufgegangen ist. Der Mond geht im Schnitt jeden Tag etwa 50 Minuten später auf als am Vortag.

Siehe auch: Horizont · Rotation · Zirkumpolarstern · Dämmerung

Azimut

Himmel & Bewegungauch: Az

Kurz gesagt: Die Himmelsrichtung eines Objekts in Grad, im Uhrzeigersinn gemessen: Norden 0°, Osten 90°, Süden 180°, Westen 270°.

Wie im Alltag: Wie die Gradzahl auf einem Kompass.

Genauer: Zusammen mit der Höhe bildet der Azimut das Horizontsystem. Es ist einfach und anschaulich, aber die Werte eines Sterns ändern sich ständig, weil sich der Himmel dreht. Fotografen nutzen den Azimut, um etwa einen Mondaufgang hinter einem Gebäude zu planen.

Siehe auch: Höhe · Horizont · Koordinatensystem

Azimutale Montierung

Beobachtenauch: Alt-Az-Montierung, Alt/Az

Kurz gesagt: Eine Montierung, die sich nach links-rechts und hoch-runter bewegt – wie ein Fotostativ.

Wie im Alltag: Wie ein Schwenkkopf: drehen und neigen, sonst nichts.

Genauer: Azimutale Montierungen sind einfach und schnell aufgebaut. Weil sich der Himmel aber schräg um den Himmelspol dreht, müssen beide Achsen gleichzeitig nachgeführt werden, und das Bildfeld dreht sich bei langen Belichtungen langsam (Bildfelddrehung). Viele Smart-Teleskope arbeiten azimutal und gleichen das mit vielen kurzen Einzelbildern und Software aus. Manche, wie das DWARF 3, haben zusätzlich einen EQ-Modus: Das Gerät wird nach Norden ausgerichtet und um den Breitengrad des Standorts schräg gestellt, danach richtet es sich per App selbst fein aus.

Siehe auch: Montierung · Parallaktische (äquatoriale) Montierung · Azimut · Stacking

B

20 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit B

Bahnneigung

Himmel & Bewegungauch: Inklination

Kurz gesagt: Der Winkel, um den eine Umlaufbahn gegen eine Bezugsebene gekippt ist, meist gegen die Erdbahn.

Genauer: Die Mondbahn ist etwa 5° gegen die Erdbahn geneigt. Deshalb gibt es nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis und nicht bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis: Meist zieht der Mond knapp über oder unter der Sonne bzw. dem Erdschatten vorbei.

Siehe auch: Ekliptik · Umlaufbahn · Sonnenfinsternis · Mondfinsternis

Bahtinov-Maske

Astrofotografieauch: Bahtinovmaske, Fokussiermaske

Kurz gesagt: Eine Schlitzmaske vor der Optik, die an einem hellen Stern ein Strahlenmuster erzeugt, an dem man den Fokus ablesen kann.

Wie im Alltag: Wie eine Wasserwaage fürs Scharfstellen: Steht die Mittellinie genau mittig, passt es.

Genauer: Die Maske besitzt Schlitze in drei Richtungen und erzeugt drei Lichtstrahlen um den Stern. Liegt der mittlere Strahl genau zwischen den beiden anderen, sitzt der Fokus. Sie ist nach dem russischen Amateurastronomen Pavel Bahtinov benannt und wird vor der Aufnahme wieder abgenommen.

Siehe auch: Fokussierung

Balkenspiralgalaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: Balkengalaxie

Kurz gesagt: Eine Spiralgalaxie, deren Arme an den Enden eines geraden Balkens aus Sternen beginnen.

Wie im Alltag: Wie ein Rasensprenger: ein gerader Arm in der Mitte, die Wasserbögen kommen aus den Enden.

Genauer: Ein großer Teil aller Spiralgalaxien hat einen solchen Balken im Zentrum. Er lenkt Gas nach innen und beeinflusst so, wo Sterne entstehen. Auch die Milchstraße ist eine Balkenspiralgalaxie. Ein schönes Beispiel am Himmel ist NGC 1300 im Eridanus.

Siehe auch: Spiralgalaxie · Milchstraße · Bulge · Galaxie

Bedeckung

Ereignisseauch: Sternbedeckung, Okkultation

Kurz gesagt: Ein Himmelskörper schiebt sich vor einen anderen und verdeckt ihn, etwa der Mond vor einen Stern oder Planeten.

Genauer: Weil der Mond keine Luft hat, verschwindet ein Stern an seinem Rand schlagartig. Bedeckungen von Planeten wie Saturn sind seltene Höhepunkte. Aus genau gemessenen Bedeckungen von Sternen durch Asteroiden lassen sich deren Form und Größe bestimmen.

Siehe auch: Transit · Konjunktion · Sonnenfinsternis

Bedeckungsveränderlicher

Sterneauch: Bedeckungsveränderlicher Stern, Algol-Stern

Kurz gesagt: Ein Doppelstern, bei dem sich die beiden Sterne aus unserer Sicht regelmäßig gegenseitig verdecken.

Wie im Alltag: Wie zwei Lampen auf einem Karussell, die sich beim Drehen immer wieder hintereinander schieben.

Genauer: Wir blicken fast genau auf die Kante der Umlaufbahn. Schiebt sich ein Stern vor den anderen, sinkt die Gesamthelligkeit kurz ab. Aus der Lichtkurve lassen sich Größe und Masse der Sterne sehr genau bestimmen. Das bekannteste Beispiel ist Algol im Perseus, der etwa alle 2,87 Tage deutlich dunkler wird.

Siehe auch: Doppelstern · Veränderlicher Stern · Lichtkurve · Transit

Belichtungszeit

Astrofotografieauch: Verschlusszeit, Belichtungsdauer

Kurz gesagt: Wie lange der Sensor bei einer Aufnahme Licht sammelt.

Wie im Alltag: Wie lange du einen Eimer in den Regen hältst.

Genauer: In der Astrofotografie reichen die Zeiten von Sekundenbruchteilen bei Mond und Planeten bis zu vielen Minuten bei Nebeln. Wichtig ist der Unterschied zwischen der Belichtungszeit eines Einzelbildes und der Integrationszeit, also der Summe aller Bilder. Smart-Teleskope arbeiten oft mit kurzen Einzelbildern von einigen Sekunden, die sie laufend zusammenrechnen.

Siehe auch: Integrationszeit · Blende · ISO · 500er-Regel / NPF-Regel

Beobachtbares Universum

Entfernung & Helligkeitauch: sichtbares Universum

Kurz gesagt: Der Teil des Universums, aus dem uns seit dem Urknall Licht erreichen konnte. Was dahinter liegt, können wir grundsätzlich nicht sehen.

Wie im Alltag: Wie auf dem Meer: Der Horizont begrenzt deine Sicht, nicht das Wasser.

Genauer: Das Universum ist etwa 13,8 Milliarden Jahre alt. Weil sich der Raum seitdem ausgedehnt hat, liegen die fernsten Regionen, deren Licht wir heute empfangen, inzwischen rund 46 Milliarden Lichtjahre entfernt. Wie groß das ganze Universum ist, weiß niemand.

Siehe auch: Hubble-Konstante · Lichtjahr · Kosmische Hintergrundstrahlung

Bias Frame

Astrofotografieauch: Bias, Offset-Frame

Kurz gesagt: Eine Aufnahme mit kürzest möglicher Belichtung und abgedeckter Optik, die das Grundsignal der Kamera zeigt.

Wie im Alltag: Wie das Nullstellen einer Küchenwaage, bevor du etwas darauf legst.

Genauer: Jeder Sensor liefert schon ohne Licht einen Grundwert und ein Ausleserauschen. Bias Frames erfassen genau das. Sie werden vor allem gebraucht, um Flats richtig zu kalibrieren. Bei manchen Kameras ersetzt man sie durch „Dark Flats“ mit derselben Zeit wie die Flats.

Siehe auch: Dark Frame · Flat Frame · Kalibrierung

Blaue Stunde

Ereignisseauch: blue hour

Kurz gesagt: Die Zeit in der Dämmerung, in der der Himmel tiefblau leuchtet – bei Fotografen besonders beliebt.

Genauer: Sie liegt etwa in der späten bürgerlichen und frühen nautischen Dämmerung. Trotz des Namens dauert sie je nach Jahreszeit und Breitengrad oft nur 20 bis 40 Minuten. Das Blau entsteht unter anderem, weil Ozon in der hohen Atmosphäre rotes Licht schluckt. Für Nachtlandschaften mit Mond oder Planeten ist sie ideal.

Siehe auch: Dämmerung · Bürgerliche / Nautische / Astronomische Dämmerung

Blauverschiebung

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Die Verschiebung des Lichts zu kürzeren, also blaueren Wellenlängen, wenn sich ein Objekt auf uns zubewegt.

Wie im Alltag: Wie eine Sirene, die höher klingt, solange der Krankenwagen auf dich zufährt.

Genauer: Blauverschiebung kommt seltener vor als Rotverschiebung. Ein bekanntes Beispiel ist die Andromedagalaxie, die sich der Milchstraße mit gut 100 km/s nähert. Auch bei Doppelsternen wechseln Rot- und Blauverschiebung, während die Sterne einander umkreisen.

Siehe auch: Rotverschiebung · Doppler-Effekt · Doppelstern · Lokale Gruppe

Blazar

Sternhaufen & Galaxien

Kurz gesagt: Eine aktive Galaxie, deren Jet fast genau auf die Erde zeigt.

Wie im Alltag: Wie wenn du direkt in eine Taschenlampe schaust statt von der Seite.

Genauer: Weil der Jet auf uns gerichtet ist, wird seine Strahlung stark verstärkt. Blazare schwanken deshalb oft innerhalb von Tagen oder sogar Stunden in ihrer Helligkeit. Sie strahlen in allen Wellenbereichen bis zur Gammastrahlung. Im Grunde ist ein Blazar ein Quasar oder eine Radiogalaxie aus einem besonderen Blickwinkel.

Siehe auch: Quasar · Aktive Galaxie · Jet · Gammastrahlung

Blende

Astrofotografieauch: Blendenzahl, f-Zahl, Apertur

Kurz gesagt: Die Öffnung im Objektiv, die bestimmt, wie viel Licht durchkommt; angegeben als f-Zahl.

Wie im Alltag: Wie die Pupille im Auge, die sich im Dunkeln weit öffnet.

Genauer: Eine kleine f-Zahl wie f/1,8 bedeutet eine große Öffnung und viel Licht. Für Sternenfotos wählt man oft die größte Blende oder schließt leicht ab, um Sterne am Bildrand runder zu bekommen. Bei Teleskopen spricht man statt von Blende vom Öffnungsverhältnis, die Idee ist dieselbe.

Siehe auch: Lichtstärke · Belichtungszeit · ISO

Blutmond

Ereignisseauch: Kupfermond

Kurz gesagt: Die rötliche Färbung des Mondes während einer totalen Mondfinsternis.

Wie im Alltag: Es ist dasselbe Rot, das du bei Sonnenuntergang siehst – nur auf den Mond geworfen.

Genauer: Die Erdatmosphäre lenkt Sonnenlicht in den Erdschatten. Blaues Licht wird dabei stärker gestreut, rotes kommt durch. Wie dunkel und rot der Mond wird, hängt vom Zustand der Atmosphäre ab, zum Beispiel von Staub nach Vulkanausbrüchen.

Siehe auch: Mondfinsternis · Vollmond

Bogenminute

Entfernung & Helligkeitauch: ′, arcmin

Kurz gesagt: Ein sechzigstel Grad. Der Vollmond ist etwa 30 Bogenminuten groß.

Genauer: Ein Grad hat 60 Bogenminuten, geschrieben 60′. Das gesunde Auge trennt unter guten Bedingungen Punkte, die etwa eine Bogenminute auseinander liegen. Viele Nebel und Galaxien haben Größen von einigen Bogenminuten.

Siehe auch: Bogensekunde · Winkelgröße

Bogensekunde

Entfernung & Helligkeitauch: ″, arcsec

Kurz gesagt: Ein sechzigstel Bogenminute, also ein 3.600stel Grad. Damit misst man winzige Winkel wie Sternparallaxen.

Wie im Alltag: Eine Ein-Euro-Münze aus rund 5 Kilometern Entfernung erscheint etwa eine Bogensekunde groß.

Genauer: Geschrieben 1″. Die Luftunruhe (Seeing) verschmiert Sterne in Mitteleuropa meist auf etwa 2 bis 4 Bogensekunden. Auch das Parsec ist über die Bogensekunde definiert.

Siehe auch: Bogenminute · Parsec · Parallaxe · Seeing (Luftunruhe)

Bok-Globule

Nebel, Gas & Staubauch: Bok-Globulen

Kurz gesagt: Eine kleine, sehr dichte, dunkle Wolke, in der oft ein oder wenige Sterne entstehen.

Genauer: Bok-Globulen sind nach dem Astronomen Bart Bok benannt, der sie in den 1940er-Jahren beschrieb. Sie sind typisch etwa ein Lichtjahr groß und haben einige bis rund 50 Sonnenmassen. Vor leuchtenden Nebeln wie dem Lagunennebel oder IC 2944 erscheinen sie als schwarze Flecken. In vielen hat man mit Infrarot-Teleskopen junge Sterne entdeckt.

Siehe auch: Dunkle Globule · Dunkelnebel · Protostern · Sternentstehung

Bortle-Skala

Beobachtenauch: Bortle-Klasse, Bortle Scale

Kurz gesagt: Eine Skala von 1 bis 9, die angibt, wie dunkel der Himmel an einem Ort ist.

Wie im Alltag: Wie eine Schulnote für den Nachthimmel – nur dass 1 hier ein perfekter, dunkler Himmel ist.

Genauer: Der Amateurastronom John Bortle hat die Skala 2001 in der Zeitschrift Sky & Telescope vorgestellt. Klasse 1 steht für einen ausgezeichnet dunklen Himmel, Klasse 9 für den Himmel einer Innenstadt. Bewertet wird nach dem, was man mit bloßem Auge sieht, etwa ob die Milchstraße Struktur zeigt oder das Zodiakallicht sichtbar ist.

Die Bortle-Skala als Farbleiste von Klasse 1, exzellenter dunkler Himmel mit Grenzgröße 7,6 bis 8,0, bis Klasse 9, Innenstadthimmel mit Grenzgröße 4,0

Siehe auch: Lichtverschmutzung · Grenzgröße · Sternenpark

Brauner Zwerg

Sterne

Kurz gesagt: Ein „gescheiterter Stern“: zu schwer für einen Planeten, zu leicht für dauerhafte Kernfusion.

Wie im Alltag: Wie ein Ofen, der nie richtig anspringt und nur noch nachglüht.

Genauer: Braune Zwerge haben etwa 13 bis 80 Jupitermassen. Das reicht nicht, um im Kern dauerhaft Wasserstoff zu verschmelzen. Sie glühen vor allem durch Restwärme aus ihrer Entstehung und kühlen langsam ab. Deshalb leuchten sie hauptsächlich im Infrarot.

Siehe auch: Stern · Roter Zwerg · Infrarot · Kernfusion

Bulge

Sternhaufen & Galaxienauch: Zentralverdickung

Kurz gesagt: Die helle, verdickte Mitte einer Spiralgalaxie.

Wie im Alltag: Wie das Eigelb in einem Spiegelei.

Genauer: Das englische Wort heißt „Wölbung“. Im Bulge stehen viele ältere Sterne dicht beieinander, er ragt über die flache Scheibe hinaus. Bei der Milchstraße sieht man ihn im Sommer als helle Verdickung der Milchstraße Richtung Schütze. Bei Galaxien von der Seite ist er besonders gut erkennbar.

Siehe auch: Spiralgalaxie · Galaktischer Kern · Galaktisches Zentrum · Halo (Galaxie)

Bürgerliche / Nautische / Astronomische Dämmerung

Ereignisseauch: bürgerliche Dämmerung, nautische Dämmerung, astronomische Dämmerung

Kurz gesagt: Die drei Stufen der Dämmerung, festgelegt danach, wie tief die Sonne unter dem Horizont steht: bis 6°, bis 12° und bis 18°.

Genauer: Während der bürgerlichen Dämmerung kann man draußen noch ohne Lampe lesen. In der nautischen Dämmerung sind Horizont und helle Sterne gleichzeitig zu sehen, früher wichtig für die Navigation auf See. Erst nach dem Ende der astronomischen Dämmerung ist der Himmel ganz dunkel – das zählt für Deep-Sky-Fotos.

Siehe auch: Dämmerung · Blaue Stunde

C

3 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit C

Cepheide

Sterneauch: Delta-Cephei-Stern

Kurz gesagt: Ein pulsierender Riesenstern, dessen Helligkeitsrhythmus seine wahre Leuchtkraft verrät.

Wie im Alltag: Wie eine Glühbirne, deren Blinktakt verrät, wie viel Watt sie hat.

Genauer: Cepheiden blähen sich regelmäßig auf und ziehen sich wieder zusammen, mit Perioden von etwa 1 bis über 100 Tagen. Henrietta Leavitt entdeckte 1912: Je länger die Periode, desto heller ist der Stern wirklich. Vergleicht man das mit der gemessenen Helligkeit, ergibt sich die Entfernung. So bewies Edwin Hubble, dass der Andromedanebel eine eigene Galaxie ist.

Siehe auch: Veränderlicher Stern · Leuchtkraft · Absolute Helligkeit · Galaxie

Chromatische Aberration

Astrofotografieauch: Farbfehler, Farbsaum, CA

Kurz gesagt: Farbsäume um helle Objekte, weil eine Linse die Farben unterschiedlich stark bricht.

Wie im Alltag: Wie ein Prisma, das weißes Licht in einen Regenbogen zerlegt – nur ungewollt.

Genauer: Blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes, deshalb liegen die Brennpunkte nicht genau gleich. Helle Sterne bekommen dann violette oder blaue Höfe. Apochromatische Linsen, Spezialgläser oder Spiegeloptiken vermeiden diesen Fehler weitgehend.

Siehe auch: Apochromat · Refraktor · Koma (Optik)

Chromosphäre

Sonnensystem

Kurz gesagt: Eine dünne Schicht der Sonnenatmosphäre direkt über der sichtbaren Oberfläche. Sie leuchtet rötlich.

Genauer: Der Name bedeutet „Farbschicht“: Bei einer totalen Sonnenfinsternis blitzt sie kurz als rötlicher Saum auf. Die rote Farbe kommt vom Licht des Wasserstoffs (H-Alpha). Mit speziellen H-Alpha-Filtern kannst du die Chromosphäre mit ihren Strukturen auch ohne Finsternis beobachten.

Siehe auch: Photosphäre · Korona · H-Alpha · Protuberanz

D

15 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit D

Dämmerung

Ereignisseauch: Abenddämmerung, Morgendämmerung

Kurz gesagt: Die Übergangszeit zwischen Tag und Nacht, in der die Sonne schon unter dem Horizont steht, der Himmel aber noch hell ist.

Genauer: Die Sonne beleuchtet dann noch die hohen Luftschichten, die das Licht zu uns streuen. Je nach Sonnenstand unterscheidet man bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung. In Deutschland wird es im Hochsommer zeitweise gar nicht richtig dunkel.

Siehe auch: Bürgerliche / Nautische / Astronomische Dämmerung · Blaue Stunde · Leuchtende Nachtwolken

Dark Frame

Astrofotografieauch: Dark, Darks, Dunkelbild

Kurz gesagt: Eine Aufnahme mit abgedeckter Optik, die nur das Eigenrauschen des Sensors zeigt.

Wie im Alltag: Wie ein Foto mit aufgesetztem Objektivdeckel, um zu sehen, was die Kamera „von selbst“ erzeugt.

Genauer: Dark Frames werden mit derselben Belichtungszeit, ISO bzw. Gain und möglichst derselben Temperatur aufgenommen wie die Lights. So erfassen sie Wärmerauschen und warme, helle Pixel. Die Software zieht sie von den Lights ab. Bei gekühlten Kameras lassen sich Darks gut vorab als Bibliothek anlegen.

Siehe auch: Light Frame · Kalibrierung · Rauschen · Gekühlte Kamera

Deep-Sky-Fotografie

Astrofotografieauch: Deep-Sky-Astrofotografie, DSO-Fotografie

Kurz gesagt: Das Fotografieren von lichtschwachen Nebeln, Sternhaufen und Galaxien.

Wie im Alltag: Wie Langzeitbelichtung im Dunkeln, nur über Stunden statt Sekunden.

Genauer: Deep-Sky-Fotos entstehen meist aus vielen Einzelbildern, die zusammen mehrere Stunden Belichtung ergeben. Dafür braucht man eine genaue Nachführung, Kalibrierbilder und eine sorgfältige Bearbeitung. Smart-Teleskope wie das DWARF 3 nehmen diese Schritte stark ab, indem sie Ausrichtung, Nachführung und Stacking automatisch erledigen.

Siehe auch: Deep-Sky-Objekt · Stacking · Integrationszeit · Nachführung

Deep-Sky-Objekt

Beobachtenauch: DSO, Deep Sky

Kurz gesagt: Ein Objekt außerhalb des Sonnensystems, das kein einzelner Stern ist: Nebel, Sternhaufen und Galaxien.

Wie im Alltag: Wie die Fernziele am Himmel, im Gegensatz zu den „Nachbarn“ Mond und Planeten.

Genauer: Deep-Sky-Objekte sind meist flächig und lichtschwach, deshalb braucht man dunklen Himmel, viel Öffnung oder lange Belichtungszeiten. Sie werden oft nach Katalogen wie Messier, NGC oder IC benannt. Für die Fotografie ist das Sammeln von viel Licht über Stunden typisch.

Siehe auch: Deep-Sky-Fotografie · Messier-Katalog · Nebel · Galaxie

Deklination

Himmel & Bewegungauch: Dekl., Dec, δ

Kurz gesagt: Die „Breitengrad“-Angabe am Himmel: wie weit ein Objekt nördlich (+) oder südlich (−) des Himmelsäquators steht.

Genauer: Die Deklination reicht von +90° am Himmelsnordpol bis −90° am Himmelssüdpol. Von Mitteldeutschland aus (gut 50° Nord) siehst du Objekte bis etwa −40° Deklination zumindest knapp über dem Horizont.

Siehe auch: Rektaszension · Himmelsäquator · Koordinatensystem

Dew Heater

Astrofotografieauch: Taukappenheizung, Heizmanschette, Taubeheizung

Kurz gesagt: Ein Heizband um Objektiv oder Teleskop, das das Beschlagen mit Tau verhindert.

Wie im Alltag: Wie die Heckscheibenheizung im Auto.

Genauer: Das Band hält die Optik wenige Grad über der Lufttemperatur, sodass sich kein Wasser darauf niederschlägt. Es wird meist über USB oder 12 Volt versorgt und oft geregelt, um Strom zu sparen. Zu viel Wärme kann dagegen Luftschlieren direkt vor der Optik erzeugen.

Siehe auch: Taukappe

Diamantring

Ereignisseauch: Diamantringeffekt, Perlschnurphänomen

Kurz gesagt: Ein heller Lichtpunkt am Mondrand kurz vor oder nach der totalen Phase einer Sonnenfinsternis, der zusammen mit dem Lichtkranz wie ein Ring mit Edelstein aussieht.

Genauer: In diesen Sekunden leuchtet nur noch ein kleiner Rest der Sonnenoberfläche. Kurz davor zerfällt er oft in einzelne Lichtpunkte, die durch Täler am Mondrand scheinen („Baily’s Beads“). Der Diamantring ist ein beliebtes Fotomotiv – und das Zeichen, den Filter wieder aufzusetzen.

Siehe auch: Sonnenfinsternis · Totale / Partielle / Ringförmige Finsternis · Korona

Doppelstern

Sterneauch: Doppelsternsystem

Kurz gesagt: Zwei Sterne, die sich gegenseitig umkreisen.

Wie im Alltag: Wie zwei Tänzer, die sich an den Händen halten und umeinander drehen.

Genauer: Ein großer Teil der Sterne lebt nicht allein, sondern in Doppel- oder Mehrfachsystemen. Beide Sterne kreisen um einen gemeinsamen Schwerpunkt. Manche lassen sich im Teleskop getrennt sehen, bei anderen verrät nur das Licht, dass es zwei sind. Davon zu unterscheiden sind optische Doppelsterne, die nur zufällig in derselben Blickrichtung liegen.

Siehe auch: Dreifachstern · Mehrfachstern · Bedeckungsveränderlicher · Sternmasse

Doppler-Effekt

Licht & Strahlungauch: Dopplereffekt

Kurz gesagt: Die Änderung der Wellenlänge von Schall oder Licht, wenn sich Quelle und Beobachter aufeinander zu oder voneinander weg bewegen.

Wie im Alltag: Ein vorbeifahrendes Auto klingt erst hoch, dann tief: Das ist der Doppler-Effekt beim Schall.

Genauer: Benannt ist er nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler, der ihn 1842 beschrieb. In der Astronomie misst man damit, wie schnell sich Sterne bewegen. Auch viele Exoplaneten wurden so entdeckt: Der Planet zieht seinen Stern leicht hin und her, und dessen Spektrallinien pendeln mit.

Siehe auch: Rotverschiebung · Blauverschiebung · Exoplanet · Spektroskopie

Dreifachstern

Sterneauch: Dreifachsystem

Kurz gesagt: Drei Sterne, die durch ihre Schwerkraft ein gemeinsames System bilden.

Genauer: Meist umkreisen sich zwei Sterne eng, und ein dritter umrundet das Paar in größerem Abstand. Nur so bleibt das System auf Dauer stabil. Unser nächster Nachbar ist ein Dreifachsystem: Alpha Centauri A und B bilden ein Paar, Proxima Centauri kreist weit draußen um beide.

Siehe auch: Doppelstern · Mehrfachstern

Dunkeladaption

Beobachtenauch: Dunkelanpassung, Dunkeladaptation

Kurz gesagt: Die Gewöhnung deiner Augen an die Dunkelheit; nach etwa einer halben Stunde siehst du viel mehr Sterne.

Wie im Alltag: Wie wenn du nachts ins Schlafzimmer kommst und nach einer Weile die Möbel erkennst.

Genauer: Die Pupille öffnet sich in Sekunden, die eigentliche Empfindlichkeit kommt aber langsam: Die Stäbchen in der Netzhaut brauchen rund 20 bis 30 Minuten und mehr. Ein kurzer Blick in weißes Licht macht viel davon zunichte. Rotes, schwaches Licht stört am wenigsten, deshalb nutzen Beobachter Rotlichtlampen und Apps mit Nachtmodus.

Siehe auch: Indirektes Sehen · Lichtverschmutzung

Dunkelnebel

Nebel, Gas & Staubauch: Dunkelwolke, Barnard-Objekt

Kurz gesagt: Eine dichte Staubwolke, die das Licht dahinterliegender Sterne verdeckt.

Wie im Alltag: Wie eine Silhouette vor einem hell erleuchteten Fenster.

Genauer: Dunkelnebel sieht man nur, weil sie sich vor einem hellen Hintergrund abheben – vor Sternfeldern oder leuchtenden Nebeln. Es sind kalte, dichte Teile von Molekülwolken. Im Infrarotlicht kann man hineinsehen und findet darin oft junge Sterne. Berühmt ist der Pferdekopfnebel (Barnard 33) im Orion.

Siehe auch: Molekülwolke · Dunkle Globule · Bok-Globule · Interstellarer Staub

Dunkle Energie

Sternhaufen & Galaxien

Kurz gesagt: Eine rätselhafte Größe, die das Universum immer schneller auseinandertreibt.

Genauer: 1998 zeigten Messungen an fernen Supernovae, dass sich das Universum beschleunigt ausdehnt. Dafür wurde 2011 der Physik-Nobelpreis vergeben. Was diese Beschleunigung antreibt, nennt man Dunkle Energie. Sie macht nach heutigen Messungen rund 68 % des Energiegehalts des Universums aus. Ihre Natur ist eines der größten offenen Rätsel der Physik.

Siehe auch: Dunkle Materie · Kosmologie · Hubble-Konstante · Supernova

Dunkle Globule

Nebel, Gas & Staubauch: Globule

Kurz gesagt: Ein kleiner, kompakter dunkler Fleck aus Gas und Staub.

Wie im Alltag: Wie ein Tintenklecks auf einem leuchtenden Hintergrund.

Genauer: „Globule“ heißt „Kügelchen“. Gemeint sind kleine, abgegrenzte Dunkelwolken. Die bekannteste Sorte sind die Bok-Globulen. Manche haben einen hellen Rand, weil heiße Sterne in der Nähe sie von außen anstrahlen und langsam abtragen.

Siehe auch: Bok-Globule · Dunkelnebel · Sternentstehung

Dunkle Materie

Sternhaufen & Galaxien

Kurz gesagt: Unsichtbare Materie, die kein Licht aussendet, sich aber durch ihre Schwerkraft verrät.

Wie im Alltag: Wie unsichtbarer Wind, den du nur daran erkennst, dass sich die Bäume biegen.

Genauer: Galaxien drehen sich außen so schnell, dass die sichtbare Masse sie gar nicht zusammenhalten könnte. Auch Gravitationslinsen und die kosmische Hintergrundstrahlung zeigen: Es muss viel mehr Masse geben, als wir sehen. Nach heutigen Messungen macht Dunkle Materie rund 27 % des Energiegehalts des Universums aus, normale Materie nur etwa 5 %. Woraus sie besteht, ist bis heute unbekannt.

Siehe auch: Dunkle Energie · Gravitationslinse · Halo (Galaxie) · Kosmologie

E

14 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit E

Eigenbewegung

Himmel & Bewegung

Kurz gesagt: Die winzige Bewegung eines Sterns über den Himmel, weil er sich selbst durch die Milchstraße bewegt.

Genauer: Die Eigenbewegung ist so klein, dass sich Sternbilder in Menschenleben nicht sichtbar verändern. Über Zehntausende Jahre verformen sie sich aber deutlich. Rekordhalter ist Barnards Pfeilstern mit gut 10 Bogensekunden pro Jahr. Die Raumsonde Gaia hat Eigenbewegungen von über einer Milliarde Sternen gemessen.

Siehe auch: Parallaxe · Bogensekunde · Sternbild

Einnorden (Polausrichtung)

Beobachtenauch: Polausrichtung, Polar Alignment, Einsüden

Kurz gesagt: Das genaue Ausrichten einer parallaktischen Montierung auf den Himmelspol.

Wie im Alltag: Wie das Ausrichten einer Satellitenschüssel: Ein paar Grad daneben, und das Bild ist schlecht.

Genauer: Auf der Nordhalbkugel steht der Himmelsnordpol knapp neben dem Polarstern, daher der Name. Man nutzt ein Polsucherfernrohr oder Software, die anhand von Kamerabildern den Fehler misst. Je genauer die Ausrichtung, desto länger kann man belichten, ohne dass Sterne zu Strichen werden.

Siehe auch: Parallaktische (äquatoriale) Montierung · Polarstern · Himmelspol

Eisriese

Sonnensystem

Kurz gesagt: Ein großer, kalter Planet, der neben Wasserstoff und Helium viel Wasser, Methan und Ammoniak enthält: Uranus und Neptun.

Genauer: Die Bezeichnung „Eis“ meint in der Planetenkunde Stoffe wie Wasser, Methan und Ammoniak, nicht unbedingt gefrorenes Eis. Uranus und Neptun sind kleiner als Jupiter und Saturn, aber etwa viermal so groß im Durchmesser wie die Erde. Ihre blaue Farbe kommt vom Methan in der Atmosphäre, das rotes Licht verschluckt.

Siehe auch: Gasplanet · Planet · Absorptionslinie

Ekliptik

Himmel & Bewegungauch: Sonnenbahn

Kurz gesagt: Die Bahn, auf der die Sonne im Lauf eines Jahres scheinbar über den Himmel wandert. Auch Mond und Planeten findest du immer in ihrer Nähe.

Wie im Alltag: Wie eine Autobahn am Himmel, auf der Sonne, Mond und Planeten fahren.

Genauer: Die Ekliptik ist das Abbild der Erdbahn an der Himmelskugel. Sie ist um etwa 23,4° gegen den Himmelsäquator geneigt, weil die Erdachse schräg steht. Finsternisse gibt es nur, wenn der Mond nahe der Ekliptik steht – daher der Name.

Siehe auch: Tierkreis · Himmelsäquator · Bahnneigung · Sonnenfinsternis

Elefantenrüssel (Säule)

Nebel, Gas & Staubauch: Elefantenrüsselnebel, Säule, Pillar

Kurz gesagt: Eine lange, dunkle Säule aus Gas und Staub, die in einen leuchtenden Nebel hineinragt.

Wie im Alltag: Wie ein Sandhaufen, an dem der Wind alles wegbläst außer dem, was hinter einem Stein liegt.

Genauer: Heiße junge Sterne tragen das Gas um sich herum mit Strahlung und Wind ab. Dichtere Klumpen halten länger stand und schützen das Gas dahinter – so entstehen Säulen. In ihren Spitzen bilden sich oft neue Sterne. Berühmt sind die „Säulen der Schöpfung“ im Adlernebel (M 16) und der Elefantenrüssel in IC 1396 im Sternbild Kepheus.

Siehe auch: Dunkelnebel · Emissionsnebel · Sternentstehungsgebiet · Ionisation

Elektromagnetisches Spektrum

Licht & Strahlungauch: EM-Spektrum

Kurz gesagt: Die gesamte Bandbreite elektromagnetischer Strahlung, von langen Radiowellen bis zur sehr kurzwelligen Gammastrahlung.

Wie im Alltag: Wie eine riesige Klaviatur, von der unsere Augen nur eine einzige Oktave hören können.

Genauer: Nach abnehmender Wellenlänge geordnet: Radiowellen, Mikrowellen, Infrarot, sichtbares Licht, Ultraviolett, Röntgen- und Gammastrahlung. Alle Arten sind im Grunde dasselbe und bewegen sich gleich schnell, sie unterscheiden sich nur in Wellenlänge und Energie. Viele Bereiche erreichen den Boden nicht, weil die Atmosphäre sie verschluckt. Deshalb gibt es Weltraumteleskope.

Grafik des elektromagnetischen Spektrums von Gammastrahlung über Röntgen, UV, sichtbares Licht und Infrarot bis zu Mikrowellen und Radiowellen, darunter das sichtbare Licht von 380 bis 780 nm vergrößert mit den Linien H-Beta 486,1 nm, O III 500,7 nm und H-Alpha 656,3 nm

Siehe auch: Wellenlänge · Frequenz · Sichtbares Licht · Radiowellen · Gammastrahlung · Weltraumteleskop

Element

Licht & Strahlungauch: Chemisches Element, Metalle (Astronomie)

Kurz gesagt: Ein Grundstoff, der sich chemisch nicht weiter zerlegen lässt, etwa Wasserstoff, Sauerstoff oder Eisen.

Wie im Alltag: Wir sind aus Sternenstaub: Der Kohlenstoff in dir und das Eisen in deinem Blut wurden einst in Sternen erzeugt.

Genauer: Jedes Element ist durch die Zahl der Protonen in seinem Atomkern festgelegt. Wasserstoff, Helium und etwas Lithium entstanden beim Urknall. Fast alle schwereren Elemente bildeten sich später in Sternen, bei Supernovae und bei Verschmelzungen von Neutronensternen. Astronomen nennen alle Elemente schwerer als Helium vereinfacht „Metalle“.

Siehe auch: Atom · Kernfusion · Supernova · Kilonova · Wasserstoff

Ellipse

Himmel & Bewegungauch: Exzentrizität

Kurz gesagt: Ein gestreckter Kreis. Alle Planeten, Monde und Kometen bewegen sich auf Ellipsen.

Wie im Alltag: Wie ein Kreis, auf den sich jemand gesetzt hat.

Genauer: Eine Ellipse hat zwei Brennpunkte; die Sonne sitzt in einem davon, nicht in der Mitte. Wie stark eine Bahn gestreckt ist, gibt die Exzentrizität an: 0 ist ein Kreis, Werte nahe 1 sind sehr lang gezogen. Die Erdbahn ist fast kreisrund, viele Kometenbahnen dagegen extrem gestreckt.

Siehe auch: Umlaufbahn · Perihel · Aphel

Elliptische Galaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: E-Galaxie

Kurz gesagt: Eine rundliche bis ovale Galaxie ohne Spiralarme, meist aus alten, rötlichen Sternen.

Wie im Alltag: Wie ein Wattebausch: ohne innere Struktur, zum Rand hin immer dünner.

Genauer: In elliptischen Galaxien gibt es kaum noch Gas, deshalb entstehen dort fast keine neuen Sterne mehr. Ihre Sterne bewegen sich kreuz und quer statt in einer Scheibe. Zu ihnen gehören die größten Galaxien überhaupt, oft im Zentrum von Galaxienhaufen. Viele sind vermutlich durch das Verschmelzen anderer Galaxien entstanden. Ein bekanntes Beispiel ist M 87 im Virgo-Haufen.

Siehe auch: Galaxie · Wechselwirkende Galaxien · Galaxienhaufen · Linsenförmige Galaxie

Emissionslinie

Licht & Strahlungauch: Emission

Kurz gesagt: Eine helle Linie im Spektrum. Sie entsteht, wenn angeregtes Gas Licht bei einer ganz bestimmten Wellenlänge aussendet.

Wie im Alltag: Wie eine Neonreklame, die immer nur in ihrer ganz eigenen Farbe leuchtet.

Genauer: Emissionsnebel leuchten fast nur in wenigen Emissionslinien, vor allem Wasserstoff (H-Alpha), Sauerstoff (O-III) und Schwefel (S-II). Genau darauf beruhen Schmalbandfilter in der Astrofotografie: Sie lassen nur diese Linien durch und blocken störendes Licht.

Siehe auch: Absorptionslinie · H-Alpha · Sauerstoff (O-III) · Schwefel (S-II) · Schmalbandfilter · Emissionsnebel

Emissionsnebel

Nebel, Gas & Staub

Kurz gesagt: Eine Gaswolke, die selbst leuchtet, weil heiße Sterne sie anregen.

Wie im Alltag: Wie eine Leuchtstoffröhre: Energie bringt das Gas zum Glühen.

Genauer: Die UV-Strahlung junger, heißer Sterne reißt Elektronen von den Atomen ab. Wenn sich Elektronen und Atome wieder verbinden, wird Licht in ganz bestimmten Farben frei. Wasserstoff leuchtet dabei typisch rot (H-Alpha), Sauerstoff grünblau (O-III). Bekannte Beispiele sind der Orionnebel (M 42) und der Lagunennebel (M 8).

Siehe auch: H-II-Region · Ionisation · H-Alpha · Sauerstoff (O-III) · Schmalbandfilter

Erdschein

Ereignisseauch: aschgraues Mondlicht

Kurz gesagt: Das schwache Leuchten der eigentlich dunklen Mondseite. Es ist Sonnenlicht, das von der Erde zum Mond gespiegelt wird.

Wie im Alltag: Wie ein Raum, der nachts vom Licht aus dem Nachbarhaus schwach erhellt wird.

Genauer: Von der Mondoberfläche aus gesehen steht die Erde bei schmaler Mondsichel fast „voll“ am Himmel und beleuchtet die Mondnacht. Schon Leonardo da Vinci hat das Phänomen erklärt. Auf Fotos mit längerer Belichtung wird der Erdschein besonders schön sichtbar.

Siehe auch: Sichel · Albedo · Mondphase

Ereignishorizont

Sterne

Kurz gesagt: Die unsichtbare Grenze um ein Schwarzes Loch, ab der nichts mehr zurückkommt.

Wie im Alltag: Wie ein Punkt ohne Wiederkehr – danach geht es nur noch in eine Richtung.

Genauer: Der Ereignishorizont ist keine feste Oberfläche, sondern eine Grenze im Raum. Innerhalb davon müsste etwas schneller als das Licht sein, um zu entkommen – das ist unmöglich. Sein Radius wächst mit der Masse: Bei einem Schwarzen Loch mit der Masse der Sonne wären es etwa 3 km.

Siehe auch: Schwarzes Loch · Lichtgeschwindigkeit · Gravitationslinse

Exoplanet

Sonnensystemauch: Extrasolarer Planet

Kurz gesagt: Ein Planet, der nicht unsere Sonne, sondern einen anderen Stern umkreist.

Wie im Alltag: Andere Sterne haben auch „Familien“, wir sehen ihre Kinder nur fast nie direkt.

Genauer: Der erste Exoplanet um einen sonnenähnlichen Stern wurde 1995 entdeckt (51 Pegasi b). Bis heute sind über 6.000 Exoplaneten bestätigt. Die meisten wurden indirekt gefunden: etwa durch das winzige Verdunkeln des Sterns, wenn der Planet vor ihm vorbeizieht, oder durch das leichte Wackeln des Sterns.

Siehe auch: Planet · Habitable Zone · Transit · Lichtkurve · Doppler-Effekt

F

6 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit F

Fernglas

Beobachtenauch: Feldstecher, Binokular

Kurz gesagt: Zwei kleine Fernrohre nebeneinander – ideal für den Einstieg in die Himmelsbeobachtung.

Wie im Alltag: Wie ein Teleskop für beide Augen, das in die Jackentasche passt.

Genauer: Die Bezeichnung 10×50 bedeutet 10-fache Vergrößerung und 50 mm Objektivdurchmesser. Ferngläser zeigen ein großes Himmelsfeld und eignen sich für Milchstraße, Sternhaufen, Mond und helle Kometen. Ab etwa 10-fach wird ein Stativ hilfreich, weil sonst das Zittern der Hände stört.

Siehe auch: Öffnung · Vergrößerung · Offener Sternhaufen

Feuerkugel (Bolide)

Sonnensystemauch: Bolide, Feuerball

Kurz gesagt: Ein besonders heller Meteor, heller als die Venus. Manchmal zerplatzt er mit einem Lichtblitz.

Wie im Alltag: Eine Sternschnuppe im XXL-Format, die für einen Moment die Landschaft erhellen kann.

Genauer: Als Feuerkugel gilt meist ein Meteor heller als −4 mag, also heller als der Planet Venus. Der Begriff Bolide wird oft für Feuerkugeln verwendet, die explodieren. Feuerkugeln stammen von größeren Brocken; manchmal erreichen Reste als Meteorite den Boden.

Siehe auch: Meteor · Meteorit

Flächenhelligkeit

Entfernung & Helligkeitauch: Oberflächenhelligkeit

Kurz gesagt: Wie hell ein ausgedehntes Objekt (Nebel, Galaxie) pro Flächenstück ist. Entscheidend dafür, ob du es wirklich siehst.

Wie im Alltag: Ein Glas Saft wirkt kräftig, derselbe Saft auf einen ganzen Tisch verschüttet nur noch blass.

Genauer: Eine Galaxie mit 9 mag Gesamthelligkeit kann schwer zu sehen sein, wenn sich ihr Licht über eine große Fläche verteilt. Angegeben wird die Flächenhelligkeit meist in Magnituden pro Quadratbogensekunde. Auch der Himmelshintergrund wird so gemessen, etwa mit einem Sky Quality Meter.

Siehe auch: Magnitude · Grenzgröße · Winkelgröße

Flat Frame

Astrofotografieauch: Flat, Flats, Hellfeldbild

Kurz gesagt: Eine Aufnahme einer gleichmäßig hellen Fläche, um Staubflecken und dunkle Ränder zu korrigieren.

Wie im Alltag: Wie ein Foto einer weißen Wand, das zeigt, wo die Linse schmutzig ist.

Genauer: Flats entstehen mit derselben Optik, Fokussierung und Kameraposition wie die Lights, zum Beispiel vor einer Leuchtfolie oder dem Dämmerungshimmel. Sie zeigen Vignettierung und Schatten von Staubkörnern. Die Software teilt die Lights durch das Flat und gleicht so diese Helligkeitsunterschiede aus.

Siehe auch: Vignettierung · Kalibrierung · Light Frame

Fokussierung

Astrofotografieauch: Fokus, Scharfstellen

Kurz gesagt: Das genaue Scharfstellen auf die Sterne – nachts schwierig und besonders wichtig.

Wie im Alltag: Wie das Scharfstellen eines Fernglases, nur viel feiner.

Genauer: Autofokus funktioniert nachts mit normalen Kameras oft nicht zuverlässig. Man stellt deshalb mit vergrößerter Live-Ansicht auf einen hellen Stern scharf, bis er möglichst klein ist. Hilfsmittel sind die Bahtinov-Maske oder Software, die die Sterngröße misst. Weil sich Optiken mit der Temperatur verändern, muss man im Laufe der Nacht oft nachfokussieren.

Siehe auch: Bahtinov-Maske

Frequenz

Licht & Strahlungauch: Hertz (Hz)

Kurz gesagt: Wie viele Wellen pro Sekunde an einem Punkt vorbeikommen. Je höher die Frequenz, desto kürzer die Wellenlänge und desto mehr Energie.

Wie im Alltag: Wie beim Seilschwingen: Schwingst du schneller, werden die Wellen im Seil kürzer.

Genauer: Die Frequenz wird in Hertz gemessen, also Schwingungen pro Sekunde. Frequenz mal Wellenlänge ergibt immer die Lichtgeschwindigkeit. Radioastronomen geben ihre Messungen meist als Frequenz an, Optik-Astronomen eher als Wellenlänge.

Siehe auch: Wellenlänge · Photon · Radiowellen

G

18 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit G

Galaktischer Kern

Sternhaufen & Galaxienauch: Galaxienkern

Kurz gesagt: Der innerste, dichteste Bereich einer Galaxie mit einem supermassereichen Schwarzen Loch.

Genauer: In Galaxienkernen stehen die Sterne viel dichter als in den Außenbereichen. Fast jede große Galaxie hat dort ein Schwarzes Loch mit Millionen bis Milliarden Sonnenmassen. Fällt viel Gas hinein, leuchtet der Kern sehr hell – dann spricht man von einem aktiven Galaxienkern.

Siehe auch: Galaktisches Zentrum · Schwarzes Loch · Aktive Galaxie · Bulge

Galaktisches Zentrum

Sternhaufen & Galaxienauch: Milchstraßenzentrum, Sagittarius A*

Kurz gesagt: Der Mittelpunkt unserer Milchstraße, um den alle ihre Sterne kreisen.

Genauer: Das Zentrum liegt von uns aus im Sternbild Schütze, rund 26.000 Lichtjahre entfernt. Im sichtbaren Licht ist es hinter dichten Staubwolken verborgen, im Infrarot- und Radiolicht aber gut zu erforschen. Dort sitzt das Schwarze Loch Sagittarius A*. Für die Erforschung der Sterne, die es umkreisen, gab es 2020 den Physik-Nobelpreis (Reinhard Genzel und Andrea Ghez).

Siehe auch: Milchstraße · Schwarzes Loch · Galaktischer Kern · Bulge

Galaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: Sterneninsel, Welteninsel

Kurz gesagt: Ein riesiges System aus Milliarden Sternen, Gas, Staub und Dunkler Materie, das durch die Schwerkraft zusammenhält.

Wie im Alltag: Wie eine Stadt aus Sternen, und das Universum ist voller solcher Städte.

Genauer: Galaxien gibt es in vielen Formen: Spiralen, Ellipsen, unregelmäßige Wolken. Die kleinsten haben einige Millionen Sterne, die größten Billionen. Im beobachtbaren Universum gibt es nach heutigen Schätzungen mindestens hunderte Milliarden Galaxien. Unsere eigene ist die Milchstraße, die nächste große ist die Andromedagalaxie.

Siehe auch: Milchstraße · Spiralgalaxie · Elliptische Galaxie · Galaxienhaufen · Dunkle Materie

Galaxienhaufen

Sternhaufen & Galaxienauch: Galaxiencluster

Kurz gesagt: Eine Ansammlung von Hunderten bis Tausenden Galaxien, die durch die Schwerkraft verbunden sind.

Wie im Alltag: Wie eine Großstadt aus Sternenstädten.

Genauer: Galaxienhaufen gehören zu den größten durch Schwerkraft gebundenen Strukturen. Zwischen den Galaxien liegt sehr heißes, dünnes Gas, das im Röntgenlicht leuchtet. Den größten Teil ihrer Masse macht Dunkle Materie aus. Der nächste große Haufen ist der Virgo-Haufen in rund 50 bis 60 Millionen Lichtjahren Entfernung.

Siehe auch: Superhaufen · Lokale Gruppe · Dunkle Materie · Gravitationslinse · Röntgenstrahlung

Gammastrahlung

Licht & Strahlungauch: γ-Strahlung, Gammablitz

Kurz gesagt: Die energiereichste Form elektromagnetischer Strahlung, mit den kürzesten Wellenlängen.

Wie im Alltag: Wenn sichtbares Licht ein Tennisball wäre, wäre ein Gamma-Photon eine Kanonenkugel.

Genauer: Gammastrahlung entsteht bei Kernprozessen und den heftigsten Ereignissen im All, etwa bei Supernovae, verschmelzenden Neutronensternen und an aktiven Galaxienkernen. Die stärksten Ausbrüche heißen Gammablitze. Wie Röntgenstrahlung wird sie von der Atmosphäre abgeschirmt.

Siehe auch: Röntgenstrahlung · Supernova · Kilonova · Elektromagnetisches Spektrum

Gasplanet

Sonnensystemauch: Gasriese, Jupiterartiger Planet

Kurz gesagt: Ein sehr großer Planet, der hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium besteht und keine feste Oberfläche hat.

Wie im Alltag: Würdest du auf einem Gasplaneten „landen“, sänkest du immer tiefer in immer dichteres Gas, ohne je Boden zu finden.

Genauer: Jupiter und Saturn sind die beiden Gasriesen des Sonnensystems. Jupiter ist der größte Planet: Er hat mehr als die doppelte Masse aller anderen Planeten zusammen. Saturn hat eine so geringe mittlere Dichte, dass sie unter der von Wasser liegt.

Siehe auch: Planet · Eisriese · Wasserstoff · Helium · Ringsystem

Gaswolke

Nebel, Gas & Staubauch: Gasnebel

Kurz gesagt: Eine Ansammlung von Gas zwischen den Sternen – meist vor allem Wasserstoff.

Genauer: Gaswolken sind die Rohstofflager der Galaxien. Sie sind trotz ihrer Größe extrem dünn: dünner als das beste Vakuum, das man auf der Erde herstellen kann. Je nach Temperatur und Dichte ist das Gas atomar, molekular oder ionisiert. Kalte, dichte Wolken können zu Geburtsstätten neuer Sterne werden.

Siehe auch: Molekülwolke · Interstellares Medium · Nebel · Wasserstoff

Gegenschein

Sonnensystem

Kurz gesagt: Ein sehr schwacher, ovaler Lichtfleck am Nachthimmel, genau gegenüber der Sonne.

Wie im Alltag: Ähnlich wie Katzenaugen am Fahrrad, die das Licht dorthin zurückwerfen, woher es kommt.

Genauer: Der Gegenschein entsteht wie das Zodiakallicht durch Sonnenlicht an Staub im Sonnensystem. Gegenüber der Sonne werfen die Staubteilchen das Licht besonders stark zurück. Er ist so lichtschwach, dass du ihn nur unter einem sehr dunklen Himmel ohne Mond erkennst.

Siehe auch: Zodiakallicht · Ekliptik · Bortle-Skala

Gekühlte Kamera

Astrofotografieauch: Gekühlte Astrokamera, Cooled Camera

Kurz gesagt: Eine Astrokamera, die ihren Sensor aktiv herunterkühlt, um Wärmerauschen zu verringern.

Wie im Alltag: Wie ein Kühlschrank für den Sensor.

Genauer: Ein Peltier-Element kühlt den Sensor auf einen festen Wert, oft deutlich unter die Umgebungstemperatur. Weniger Wärme bedeutet weniger Rauschen bei langen Belichtungen. Weil die Temperatur immer gleich ist, passen einmal aufgenommene Dark Frames auch für andere Nächte.

Siehe auch: Astrokamera · Dark Frame · Rauschen

Gesteinsplanet

Sonnensystemauch: Terrestrischer Planet, Erdähnlicher Planet

Kurz gesagt: Ein Planet mit fester Oberfläche aus Gestein und Metall, wie die Erde.

Wie im Alltag: Ein Gesteinsplanet ist wie eine Steinkugel mit Metallkern, ein Gasplanet eher wie ein riesiger Wattebausch aus Gas.

Genauer: Im Sonnensystem gibt es vier Gesteinsplaneten: Merkur, Venus, Erde und Mars. Sie liegen nahe an der Sonne, sind vergleichsweise klein und haben einen Kern aus Eisen und Nickel. Wegen ihrer Ähnlichkeit zur Erde heißen sie auch erdähnliche oder terrestrische Planeten.

Siehe auch: Planet · Gasplanet · Exoplanet

Gezeitenkraft

Himmel & Bewegungauch: Gezeiten, Tidenkraft

Kurz gesagt: Entsteht, weil die Schwerkraft auf der nahen Seite eines Körpers stärker zieht als auf der fernen. Sie verursacht Ebbe und Flut.

Genauer: Der Mond zieht an der ihm zugewandten Seite der Erde stärker als an der abgewandten. Dadurch entstehen zwei Flutberge, und an den Küsten kommt es meist zweimal täglich zu Flut. Gezeitenkräfte haben auch dafür gesorgt, dass der Mond uns immer dieselbe Seite zeigt. Bei Galaxien reißen sie lange Gezeitenschweife heraus.

Siehe auch: Schwerkraft · Gezeitenschweif · Rotation

Gezeitenschweif

Sternhaufen & Galaxienauch: Tidal Tail

Kurz gesagt: Ein langer Ausläufer aus Sternen und Gas, den die Schwerkraft einer anderen Galaxie herauszieht.

Wie im Alltag: Wie Kaugummi, das sich in Fäden zieht, wenn man zwei Hälften auseinanderzieht.

Genauer: Kommen sich zwei Galaxien nahe, zerren ihre Gezeitenkräfte an den Rändern. Sterne und Gas werden dabei in langen, gebogenen Bändern herausgezogen. Diese Schweife können über hunderttausend Lichtjahre lang werden. Gut zu sehen sind sie bei den Antennen-Galaxien und der Mäuse-Galaxie (NGC 4676).

Siehe auch: Wechselwirkende Galaxien · Gezeitenkraft · Galaxie

GoTo

Beobachtenauch: Go-To, GOTO

Kurz gesagt: Eine Steuerung, die das Teleskop nach Knopfdruck selbst auf ein gewähltes Himmelsobjekt fährt.

Wie im Alltag: Wie ein Navi für den Sternenhimmel.

Genauer: Nach einer kurzen Ausrichtung kennt die Steuerung Ort, Zeit und Lage des Teleskops und berechnet daraus, wohin es zeigen muss. Eine Datenbank enthält oft tausende Objekte. Smart-Teleskope erledigen die Ausrichtung meist selbst, indem sie ein Bild des Himmels aufnehmen und auswerten.

Siehe auch: Montierung · Plate Solving · Messier-Katalog

Gradient

Astrofotografieauch: Helligkeitsverlauf, Farbverlauf

Kurz gesagt: Ein ungleichmäßig heller Bildhintergrund, oft durch Lichtverschmutzung oder Mondlicht.

Wie im Alltag: Wie ein Foto, bei dem eine Ecke von einer Lampe angeleuchtet wird.

Genauer: Gradienten entstehen vor allem durch Lichtglocken am Horizont, den Mond oder Airglow. Sie werden in der Bildbearbeitung mit Werkzeugen entfernt, die den Hintergrund modellieren und abziehen. Wichtig ist, dabei keine echten schwachen Nebel mit wegzurechnen.

Siehe auch: Lichtglocke · Lichtverschmutzung · Stretching · Vignettierung

Gravitationslinse

Sternhaufen & Galaxienauch: Gravitationslinseneffekt, Einsteinring

Kurz gesagt: Eine große Masse, die das Licht dahinterliegender Objekte ablenkt und verzerrt wie eine Lupe.

Wie im Alltag: Wie der Fuß eines Weinglases, durch den eine Kerze dahinter verzogen aussieht.

Genauer: Nach Einsteins Relativitätstheorie krümmt Masse den Raum, und Licht folgt dieser Krümmung. Ein Galaxienhaufen kann so ferne Galaxien verstärken, vervielfachen oder zu Bögen und Ringen verziehen. Astronomen nutzen das als natürliches Teleskop. Aus der Stärke der Verzerrung lässt sich auch die Masse der Linse bestimmen – einschließlich Dunkler Materie.

Siehe auch: Dunkle Materie · Galaxienhaufen · James-Webb-Teleskop

Grenzgröße

Entfernung & Helligkeitauch: Grenzhelligkeit, visuelle Grenzgröße

Kurz gesagt: Die Helligkeit der schwächsten Sterne, die du gerade noch siehst – mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop.

Wie im Alltag: Wie die unterste Zeile, die du beim Sehtest noch lesen kannst.

Genauer: Unter sehr dunklem Himmel erreicht das bloße Auge etwa 6 bis 6,5 mag, in der Stadt oft nur 3 bis 4 mag. Ein Teleskop mit größerer Öffnung sammelt mehr Licht und verschiebt die Grenze deutlich nach oben. Die Grenzgröße ist ein guter Maßstab für die Himmelsqualität.

Siehe auch: Magnitude · Lichtverschmutzung · Flächenhelligkeit

Größte Elongation

Ereignisseauch: Elongation, Abendstern, Morgenstern

Kurz gesagt: Der Moment, in dem Merkur oder Venus am Himmel den größten Abstand zur Sonne erreichen. Dann sind sie am besten zu sehen.

Genauer: Merkur und Venus kreisen innerhalb der Erdbahn und bleiben deshalb immer in Sonnennähe. Venus erreicht bis etwa 47° Abstand und strahlt dann als „Abendstern“ oder „Morgenstern“. Merkur kommt höchstens auf etwa 28° und ist daher schwer zu finden.

Siehe auch: Opposition · Konjunktion · Dämmerung

Guiding (Autoguiding)

Astrofotografieauch: Autoguiding, Nachführkontrolle, Guider

Kurz gesagt: Eine automatische Feinkorrektur der Nachführung mit einer zweiten kleinen Kamera.

Wie im Alltag: Wie ein Spurhalteassistent im Auto, der ständig kleine Lenkkorrekturen macht.

Genauer: Keine Montierung läuft perfekt; kleine Fehler im Getriebe oder ein ungenaues Einnorden lassen Sterne langsam wandern. Beim Autoguiding beobachtet eine Leitkamera einen Stern und meldet Abweichungen an die Montierung, die sofort gegensteuert. So werden Einzelbelichtungen von vielen Minuten bei längeren Brennweiten möglich.

Siehe auch: Nachführung · Montierung · Einnorden (Polausrichtung)

H

20 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit H

H-Alpha

Licht & Strahlungauch: Hα, Ha

Kurz gesagt: Die kräftige rote Spektrallinie des Wasserstoffs bei 656,3 Nanometern. Sie lässt viele Nebel auf Astrofotos rot leuchten.

Wie im Alltag: Das typische Nebel-Rot auf Astrofotos ist im Grunde die Lieblingsfarbe des Wasserstoffs.

Genauer: H-Alpha-Licht entsteht, wenn das Elektron im Wasserstoffatom von der dritten auf die zweite Energiestufe fällt. Normale Digitalkameras lassen davon nur wenig durch, deshalb werden sie für Astrofotos oft umgebaut. Mit H-Alpha-Schmalbandfiltern kannst du Nebel sogar in Städten mit viel Lichtverschmutzung fotografieren.

Siehe auch: Wasserstoff · Emissionslinie · Schmalbandfilter · Astro-modifizierte Kamera · Emissionsnebel

H-II-Region

Nebel, Gas & Staubauch: HII-Gebiet

Kurz gesagt: Eine Wolke aus ionisiertem Wasserstoff um junge, heiße Sterne – meist rot leuchtend.

Genauer: „H II“ ist die Schreibweise für Wasserstoff, dem ein Elektron fehlt. Solche Regionen entstehen, wo frisch geborene O- und B-Sterne ihre Umgebung mit UV-Licht aufheizen. Sie zeigen deshalb an, wo gerade Sterne entstehen. In Galaxienbildern markieren sie die Spiralarme als rote Perlenketten.

Siehe auch: Emissionsnebel · Ionisation · Wasserstoff · Sternentstehungsgebiet · Spiralarm

Habitable Zone

Sonnensystemauch: Lebenszone, Goldlöckchen-Zone

Kurz gesagt: Der Abstandsbereich um einen Stern, in dem es auf einem Planeten weder zu heiß noch zu kalt für flüssiges Wasser wäre.

Wie im Alltag: Wie beim Lagerfeuer: Zu nah wird es zu heiß, zu weit weg zu kalt, dazwischen ist es angenehm.

Genauer: Wo die habitable Zone liegt, hängt davon ab, wie hell der Stern ist. Bei heißen Sternen liegt sie weiter außen, bei kühlen roten Zwergen sehr nah am Stern. Ein Planet in dieser Zone ist nicht automatisch bewohnbar; auch Atmosphäre, Größe und andere Bedingungen spielen eine Rolle.

Siehe auch: Exoplanet · Roter Zwerg · Leuchtkraft

Halo (Atmosphäre)

Ereignisseauch: 22°-Ring, Nebensonne

Kurz gesagt: Ein Lichtring um Sonne oder Mond, der entsteht, wenn Licht durch Eiskristalle in dünnen, hohen Wolken fällt.

Wie im Alltag: Die Eiskristalle wirken wie Millionen winziger Prismen.

Genauer: Am häufigsten ist der Ring mit etwa 22° Abstand um Sonne oder Mond. Daneben gibt es Nebensonnen, Lichtsäulen und Bögen. Halos haben nichts mit dem Halo von Galaxien zu tun – das ist eine ganz andere Bedeutung des Wortes.

Siehe auch: Leuchtende Nachtwolken

Halo (Galaxie)

Sternhaufen & Galaxienauch: Galaktischer Halo, Galaxienhalo

Kurz gesagt: Eine riesige, dünne, kugelförmige Hülle um eine Galaxie aus alten Sternen, Kugelsternhaufen und Dunkler Materie.

Wie im Alltag: Wie die Wolke aus Zuckerwatte um den Stab.

Genauer: Der Halo umgibt die sichtbare Scheibe einer Galaxie und reicht weit über sie hinaus. Er enthält nur wenige Sterne, aber viele alte Kugelsternhaufen. Den Großteil seiner Masse macht vermutlich Dunkle Materie aus. Nicht zu verwechseln mit dem Halo um Sonne oder Mond, einer Lichterscheinung in unserer Atmosphäre.

Siehe auch: Kugelsternhaufen · Dunkle Materie · Milchstraße · Bulge

Hauptreihenstern

Sterneauch: Hauptreihe

Kurz gesagt: Ein Stern in seiner langen, ruhigen „Lebensmitte“, in der er im Kern Wasserstoff zu Helium verschmilzt.

Wie im Alltag: Wie das Erwachsenenalter eines Menschen – die längste und stabilste Zeit.

Genauer: Rund 90 % ihres Lebens verbringen Sterne auf der sogenannten Hauptreihe. Der Name kommt aus dem Hertzsprung-Russell-Diagramm, wo diese Sterne ein langes Band bilden. Massereiche Hauptreihensterne sind heiß, blau und kurzlebig, massearme kühl, rot und sehr langlebig. Die Sonne ist seit rund 4,6 Milliarden Jahren ein Hauptreihenstern.

Siehe auch: Hertzsprung-Russell-Diagramm · Sonne · Sternentwicklung · Kernfusion

Helium

Licht & Strahlungauch: He

Kurz gesagt: Das zweitleichteste und zweithäufigste Element im Universum. Es entsteht in Sternen, wenn Wasserstoff verschmilzt.

Wie im Alltag: Es ist dasselbe Gas, mit dem Luftballons gefüllt werden, nur dass Sterne es in gigantischen Mengen herstellen.

Genauer: Rund ein Viertel der normalen Materie im Universum (nach Masse) ist Helium. Das meiste davon entstand schon in den ersten Minuten nach dem Urknall. Entdeckt wurde Helium 1868 im Licht der Sonne, daher sein Name nach dem griechischen Wort für Sonne, Helios.

Siehe auch: Wasserstoff · Kernfusion · Spektroskopie · Urknall

Herbig-Haro-Objekt

Nebel, Gas & Staubauch: HH-Objekt

Kurz gesagt: Ein kleiner leuchtender Fleck, wo der Jet eines jungen Sterns auf Gas trifft.

Wie im Alltag: Wie die Bugwelle eines schnellen Bootes.

Genauer: Junge Sterne schleudern an ihren Polen schmale Gasstrahlen ins All. Wo diese mit hoher Geschwindigkeit auf ruhigeres Gas prallen, heizt es sich auf und leuchtet. Diese Flecken verändern sich innerhalb weniger Jahre sichtbar. Benannt sind sie nach George Herbig und Guillermo Haro.

Siehe auch: Jet · Protostern · Stoßfront · T-Tauri-Stern

Hertzsprung-Russell-Diagramm

Sterneauch: HRD, HR-Diagramm

Kurz gesagt: Ein Diagramm, das Sterne nach Temperatur und Leuchtkraft ordnet – die „Landkarte“ der Sternentwicklung.

Wie im Alltag: Wie ein Klassenfoto, auf dem man an der Position sieht, wie alt jemand ist.

Genauer: Waagerecht steht die Temperatur (links heiß, rechts kühl), senkrecht die Leuchtkraft. Die meisten Sterne liegen auf einem Band, der Hauptreihe. Riesen stehen oben rechts, Weiße Zwerge unten links. Es wurde um 1910 unabhängig von Ejnar Hertzsprung und Henry Norris Russell entwickelt.

Siehe auch: Hauptreihenstern · Spektralklasse · Leuchtkraft · Sternentwicklung

Himmelsäquator

Himmel & Bewegungauch: Äquator (Himmel)

Kurz gesagt: Die Verlängerung des Erdäquators an den Himmel. Er teilt die Himmelskugel in eine Nord- und eine Südhälfte.

Genauer: Sterne auf dem Himmelsäquator haben die Deklination 0°. Sie gehen überall auf der Erde genau im Osten auf und im Westen unter. Von Deutschland aus verläuft der Himmelsäquator als Bogen tief über dem Südhimmel.

Siehe auch: Deklination · Himmelspol · Ekliptik · Tagundnachtgleiche

Himmelskugel

Himmel & Bewegungauch: Himmelssphäre, Sphäre

Kurz gesagt: Die gedachte Kugel, auf der alle Sterne zu sitzen scheinen – mit dir in der Mitte. Ein Hilfsmittel, um Positionen am Himmel anzugeben.

Wie im Alltag: Wie die Kuppel eines Planetariums, nur rundherum und auch unter deinen Füßen.

Genauer: In Wirklichkeit sind die Sterne sehr unterschiedlich weit weg, aber für Richtungsangaben spielt das keine Rolle. Auf die Himmelskugel überträgt man Erdäquator und Erdpole als Himmelsäquator und Himmelspole. Durch die Erddrehung scheint sich die Kugel einmal am Tag um uns zu drehen.

Zeichnung der Himmelskugel für einen Beobachter bei 50 Grad nördlicher Breite mit Horizont, Zenit, Meridian, Himmelsnordpol, Himmelsäquator und Ekliptik

Siehe auch: Himmelsäquator · Himmelspol · Koordinatensystem · Horizont

Himmelspol

Himmel & Bewegungauch: Himmelsnordpol, Himmelssüdpol

Kurz gesagt: Die beiden Punkte am Himmel, um die sich scheinbar alle Sterne drehen. Sie liegen genau über Nord- und Südpol der Erde.

Wie im Alltag: Wie die Nabe eines Rades, um die sich die Speichen drehen.

Genauer: Der Himmelsnordpol steht so hoch über dem Horizont, wie dein Breitengrad angibt – in Mitteldeutschland also gut 50°. Nahe dem Nordpol steht der Polarstern. Einen hellen „Südstern“ gibt es nicht. Durch die Präzession wandern die Pole langsam über den Himmel.

Siehe auch: Polarstern · Zirkumpolarstern · Präzession · Himmelsäquator

Histogramm

Astrofotografieauch: Helligkeitsverteilung

Kurz gesagt: Eine Grafik, die zeigt, wie viele Bildpunkte welche Helligkeit haben.

Wie im Alltag: Wie ein Balkendiagramm, das zählt, wie viele Pixel dunkel, mittel oder hell sind.

Genauer: Links ist Schwarz, rechts Weiß. Bei Astrofotos sollte der Berg im Histogramm etwas vom linken Rand abgerückt sein, damit keine Informationen im Schwarz verloren gehen. Beim Stretching beobachtet man das Histogramm, um nicht zu viel aufzuhellen oder abzuschneiden.

Siehe auch: Stretching · Belichtungszeit

Höhe

Himmel & Bewegungauch: Elevation, Höhenwinkel

Kurz gesagt: Wie hoch ein Objekt über dem Horizont steht, in Grad: 0° am Horizont, 90° im Zenit.

Wie im Alltag: Eine Faust am ausgestreckten Arm deckt etwa 10° ab.

Genauer: Die Höhe gehört zum Horizontsystem und hängt von Ort und Uhrzeit ab. Je tiefer ein Objekt steht, desto mehr Luft liegt dazwischen: Es wird dunkler, rötlicher und unschärfer. Für Beobachtungen und Fotos gilt daher: möglichst hoch.

Siehe auch: Azimut · Zenit · Horizont · Kulmination

HOO

Astrofotografieauch: HOO-Palette, Bicolor

Kurz gesagt: Eine Farbzuordnung, bei der Wasserstoff rot und Sauerstoff blaugrün dargestellt wird – typisch für Duo-Band-Filter.

Wie im Alltag: Wie ein Zweifarbendruck aus Rot und Türkis.

Genauer: H-Alpha landet im roten Kanal, O-III im grünen und blauen Kanal. Das Ergebnis wirkt dem natürlichen Aussehen vieler Emissionsnebel recht ähnlich. Mit einer Farbkamera und einem Duo-Band-Filter, wie beim DWARF 3, entsteht HOO besonders einfach in einer einzigen Aufnahmeserie.

Siehe auch: Schmalbandfilter · Hubble-Palette (SHO) · H-Alpha · Sauerstoff (O-III)

Horizont

Himmel & Bewegungauch: Gesichtskreis

Kurz gesagt: Die Linie, an der Himmel und Erde scheinbar zusammenstoßen. Alles darüber kannst du sehen, alles darunter nicht.

Genauer: Astronomen unterscheiden den mathematischen Horizont, eine gedachte waagerechte Ebene durch den Beobachter, vom natürlichen Horizont mit Bäumen, Häusern und Bergen. Für Beobachtungen tief am Himmel, etwa bei einem Mondaufgang, ist ein freier Horizont wichtig. Höhenangaben am Himmel beziehen sich auf den Horizont.

Siehe auch: Zenit · Azimut · Höhe · Aufgang und Untergang

Hubble-Konstante

Entfernung & Helligkeitauch: H0, Hubble-Lemaître-Konstante

Kurz gesagt: Gibt an, wie schnell sich das Universum ausdehnt: Je weiter eine Galaxie weg ist, desto schneller entfernt sie sich.

Wie im Alltag: Wie Rosinen in einem aufgehenden Hefeteig: Je weiter zwei voneinander entfernt sind, desto schneller rücken sie auseinander.

Genauer: Der Wert liegt bei rund 67 bis 73 Kilometer pro Sekunde je Megaparsec. Messungen am kosmischen Mikrowellenhintergrund (Planck) ergeben etwa 67, Messungen an nahen Sternexplosionen und Cepheiden (SH0ES) etwa 73. Dieser Widerspruch heißt „Hubble-Spannung“ und ist bis heute ungeklärt.

Siehe auch: Megaparsec · Beobachtbares Universum · Rotverschiebung · Dunkle Energie

Hubble-Palette (SHO)

Astrofotografieauch: SHO, Hubble Palette

Kurz gesagt: Eine Farbzuordnung für Schmalbandbilder: Schwefel wird rot, Wasserstoff grün und Sauerstoff blau dargestellt.

Wie im Alltag: Wie eine Landkarte, bei der jedes Gas eine eigene Farbe bekommt, damit man es unterscheiden kann.

Genauer: Die drei Linien S-II, H-Alpha und O-III werden einzeln aufgenommen und den Farbkanälen Rot, Grün und Blau zugeordnet – daher die Abkürzung SHO. Bekannt wurde diese Darstellung durch Bilder des Hubble-Weltraumteleskops, etwa die „Säulen der Schöpfung“. Die Farben sind nicht natürlich, zeigen aber gut, wo welches Gas leuchtet.

Siehe auch: Schmalbandfilter · HOO · Hubble-Teleskop · Schwefel (S-II)

Hubble-Teleskop

Raumfahrt & Forschungauch: Hubble, Hubble Space Telescope, HST

Kurz gesagt: Das bekannteste Weltraumteleskop, seit 1990 in einer Erdumlaufbahn.

Wie im Alltag: Wie ein Fotoapparat im Orbit, der seit über drei Jahrzehnten Bilder liefert.

Genauer: Hubble ist ein Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA und wurde am 24. April 1990 gestartet. Sein Hauptspiegel misst 2,4 Meter. Ein Schliff-Fehler des Spiegels wurde 1993 bei einer Reparaturmission von Astronauten korrigiert; insgesamt gab es fünf Servicemissionen. Hubble beobachtet im ultravioletten, sichtbaren und nahen Infrarotlicht.

Siehe auch: Weltraumteleskop · James-Webb-Teleskop · Hubble-Palette (SHO)

Hyperriese

Sterne

Kurz gesagt: Die größten und hellsten Sterne überhaupt – selten und kurzlebig.

Genauer: Hyperriesen sind noch massereicher und leuchtkräftiger als Überriesen, oft hunderttausend- bis millionenfach heller als die Sonne. Sie verlieren durch starke Sternwinde viel Masse und sind oft instabil. Sie leben nur wenige Millionen Jahre. Ein Beispiel ist Eta Carinae am Südhimmel.

Siehe auch: Überriese · Sternwind · Leuchtkraft · Supernova

I

10 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit I

Indirektes Sehen

Beobachtenauch: Averted Vision

Kurz gesagt: Ein Trick: Schau knapp neben ein schwaches Objekt, dann siehst du es besser.

Wie im Alltag: Wie ein schwacher Stern, der verschwindet, wenn du ihn direkt anstarrst, und wieder auftaucht, wenn du daneben schaust.

Genauer: In der Mitte der Netzhaut sitzen vor allem Zapfen für Farben und Schärfe, die bei wenig Licht schlecht arbeiten. Etwas weiter außen gibt es viele lichtempfindliche Stäbchen. Wer den Blick leicht zur Seite richtet, nutzt diese Stäbchen und erkennt schwache Nebel und Galaxien deutlich besser.

Siehe auch: Dunkeladaption · Deep-Sky-Objekt

Infrarot

Licht & Strahlungauch: IR, Infrarotstrahlung, Wärmestrahlung

Kurz gesagt: Strahlung mit etwas längerer Wellenlänge als rotes Licht. Wir spüren sie als Wärme, sehen sie aber nicht.

Wie im Alltag: Die Wärme, die du an einer heißen Herdplatte spürst, bevor sie glüht, ist Infrarotstrahlung.

Genauer: Infrarot durchdringt Staubwolken viel besser als sichtbares Licht. Deshalb sehen Infrarotteleskope wie das James-Webb-Teleskop in Sternentstehungsgebiete hinein und zu sehr fernen Galaxien, deren Licht durch die Rotverschiebung ins Infrarote gerutscht ist. Viele Digitalkameras haben einen Filter, der Infrarot und tiefes Rot abblockt.

Siehe auch: James-Webb-Teleskop · Rotverschiebung · Interstellarer Staub · Astro-modifizierte Kamera

Integrationszeit

Astrofotografieauch: Gesamtbelichtungszeit, Integration

Kurz gesagt: Die gesamte Belichtungszeit aller gestackten Einzelbilder zusammen.

Wie im Alltag: Wie die Gesamtzeit beim Training: Viele kurze Einheiten summieren sich.

Genauer: 120 Bilder mit je 30 Sekunden ergeben eine Stunde Integrationszeit. Sie bestimmt maßgeblich, wie viel schwaches Signal und wie wenig Rauschen ein Deep-Sky-Bild hat. Bei schwachen Nebeln, besonders mit Schmalbandfiltern, sind mehrere Stunden üblich, oft über mehrere Nächte verteilt.

Siehe auch: Stacking · Belichtungszeit · Schmalbandfilter

Interstellarer Staub

Nebel, Gas & Staubauch: Kosmischer Staub

Kurz gesagt: Winzige feste Körnchen zwischen den Sternen, die Licht dämpfen und röten.

Wie im Alltag: Wie Rauch, durch den die Sonne beim Sonnenuntergang rötlich wirkt.

Genauer: Die Staubkörnchen sind meist kleiner als ein Mikrometer und bestehen aus Silikaten, Kohlenstoff und Eis. Sie schlucken vor allem blaues Licht, Sterne dahinter erscheinen dadurch dunkler und röter. Infrarotlicht kommt besser durch – darum blicken Infrarot-Teleskope in Staubwolken hinein. Staub ist auch das Baumaterial für Planeten.

Siehe auch: Interstellares Medium · Dunkelnebel · Reflexionsnebel · Infrarot

Interstellares Medium

Nebel, Gas & Staubauch: ISM

Kurz gesagt: Alles Gas und aller Staub im Raum zwischen den Sternen.

Genauer: Der Raum zwischen den Sternen ist nicht völlig leer. Im Mittel kommt etwa ein Atom auf einen Kubikzentimeter. Das Medium besteht zu rund 99 % aus Gas und zu etwa 1 % aus Staub. Sterne entstehen daraus und geben am Lebensende angereichertes Material wieder ab – ein ewiger Kreislauf.

Siehe auch: Interstellarer Staub · Gaswolke · Molekülwolke · Nebel

Ion

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Ein Atom oder Molekül, das Elektronen verloren oder zusätzliche bekommen hat und dadurch elektrisch geladen ist.

Wie im Alltag: Wie ein Fahrrad, dem man ein Teil abgeschraubt hat: Es ist noch dasselbe Rad, verhält sich aber anders.

Genauer: Im All werden Atome meist durch energiereiches Licht heißer Sterne oder durch Zusammenstöße ionisiert. Die römische Zahl hinter einem Element zeigt den Zustand: O-I ist neutraler Sauerstoff, O-III hat zwei Elektronen verloren. Ionisierter Wasserstoff heißt H-II.

Siehe auch: Ionisation · Plasma · Sauerstoff (O-III) · H-II-Region

Ionisation

Nebel, Gas & Staubauch: Ionisierung

Kurz gesagt: Wenn ein Atom ein oder mehrere Elektronen verliert und dadurch elektrisch geladen wird.

Wie im Alltag: Wie ein Ball, von dem ein Stück abgeschlagen wird – er ist danach nicht mehr „vollständig“.

Genauer: Energiereiche Strahlung, etwa UV-Licht heißer Sterne, kann Elektronen aus Atomen herausschlagen. Übrig bleibt ein positiv geladenes Ion. Fängt es wieder ein Elektron ein, wird Licht in einer ganz bestimmten Farbe frei. Das ist der Grund, warum Emissionsnebel in typischen Farben leuchten.

Siehe auch: Ion · Emissionsnebel · H-II-Region · Plasma · Ultraviolettes Licht

Irreguläre Galaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: Unregelmäßige Galaxie

Kurz gesagt: Eine Galaxie ohne klare Form – weder Spirale noch Ellipse.

Genauer: Irreguläre Galaxien sind oft klein und reich an Gas, in ihnen entstehen viele neue Sterne. Ihre Form ist häufig durch die Schwerkraft benachbarter Galaxien gestört. Die bekanntesten sind die Große und die Kleine Magellansche Wolke, Begleiter der Milchstraße am Südhimmel.

Siehe auch: Galaxie · Zwerggalaxie · Wechselwirkende Galaxien

ISO

Astrofotografieauch: Gain, Empfindlichkeit

Kurz gesagt: Die Verstärkung des Sensorsignals; höhere ISO macht das Bild heller, aber auch rauschiger.

Wie im Alltag: Wie der Lautstärkeregler bei einem leisen Radio: Musik und Rauschen werden gleichzeitig lauter.

Genauer: ISO erzeugt kein zusätzliches Licht, sondern verstärkt nur das gesammelte Signal. Viele moderne Kameras haben eine ISO-Stufe, ab der das Ausleserauschen kaum noch sinkt; darüber bringt mehr ISO wenig. Bei Astrokameras heißt der entsprechende Wert meist „Gain“.

Siehe auch: Rauschen · Belichtungszeit · Astrokamera

ISS

Raumfahrt & Forschungauch: Internationale Raumstation, International Space Station

Kurz gesagt: Die Internationale Raumstation: ein bewohntes Forschungslabor, das die Erde in rund 400 km Höhe umkreist.

Wie im Alltag: Wie ein fliegendes Haus mit Labor, das in anderthalb Stunden einmal um die Welt reist.

Genauer: Die ISS ist seit November 2000 ständig bewohnt und wird von den Raumfahrtagenturen der USA, Russlands, Europas, Japans und Kanadas betrieben. Sie umrundet die Erde in rund 90 Minuten. Am Himmel ist sie das hellste künstliche Objekt und zieht ohne Blinken in wenigen Minuten über den Himmel; Überflugzeiten zeigen Apps und Webseiten an.

Siehe auch: Satellit · Umlaufbahn · Raumsonde

J

2 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit J

James-Webb-Teleskop

Raumfahrt & Forschungauch: JWST, Webb, James Webb Space Telescope

Kurz gesagt: Das größte Weltraumteleskop, seit Ende 2021 im All; es beobachtet vor allem im Infrarot.

Wie im Alltag: Wie eine Wärmebildkamera, die durch Staubwolken bis zu den ersten Galaxien schaut.

Genauer: Webb wurde am 25. Dezember 2021 gestartet und ist ein Projekt von NASA, ESA und der kanadischen Raumfahrtagentur. Sein Hauptspiegel aus 18 sechseckigen Segmenten misst 6,5 Meter. Es steht rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt am Lagrange-Punkt L2. Ein Sonnenschild, groß wie ein Tennisplatz, hält die Instrumente sehr kalt.

Siehe auch: Weltraumteleskop · Hubble-Teleskop · Infrarot

Jet

Nebel, Gas & Staub

Kurz gesagt: Ein schmaler, sehr schneller Materiestrahl, der von einem Stern oder Schwarzen Loch ausgeht.

Wie im Alltag: Wie der Strahl eines Gartenschlauchs mit Düse.

Genauer: Jets entstehen, wenn Materie auf ein Objekt fällt und Magnetfelder einen Teil davon entlang der Drehachse nach außen lenken. Junge Sterne erzeugen Jets über einige Lichtjahre. Supermassereiche Schwarze Löcher schleudern Jets mit fast Lichtgeschwindigkeit über hunderttausende Lichtjahre. Ein bekanntes Beispiel ist der Jet der Galaxie M 87.

Siehe auch: Akkretionsscheibe · Herbig-Haro-Objekt · Aktive Galaxie · Blazar

K

20 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit K

Kalibrierung

Astrofotografieauch: Bildkalibrierung

Kurz gesagt: Das Herausrechnen von Kamera- und Optikfehlern aus den Rohbildern mit Darks, Flats und Bias.

Wie im Alltag: Wie das Putzen der Brille, bevor du genau hinschaust.

Genauer: Vor dem Stacking werden von jedem Light die Darks bzw. Bias abgezogen und das Ergebnis durch das Flat geteilt. Danach sind Wärmerauschen, warme Pixel, Staubflecken und Randabdunklung weitgehend verschwunden. Gute Kalibrierung macht spätere Bildbearbeitung deutlich einfacher.

Siehe auch: Dark Frame · Flat Frame · Bias Frame · Stacking

Kernfusion

Licht & Strahlungauch: Fusion, Wasserstoffbrennen

Kurz gesagt: Das Verschmelzen leichter Atomkerne zu schwereren. Dabei wird enorm viel Energie frei. So leuchten die Sterne.

Wie im Alltag: Die Sonne ist ein gigantisches Kraftwerk, das Wasserstoff verschmilzt und daraus Licht und Wärme macht.

Genauer: Im Kern der Sonne herrschen etwa 15 Millionen Grad. Dort verschmelzen pro Sekunde rund 600 Millionen Tonnen Wasserstoff zu Helium. Dabei gehen etwa vier Millionen Tonnen Masse verloren, die als Energie abgestrahlt werden. In massereichen Sternen entstehen später auch schwerere Elemente bis hin zum Eisen.

Siehe auch: Wasserstoff · Helium · Sonne · Hauptreihenstern · Sternentwicklung

Kilonova

Sterne

Kurz gesagt: Ein Lichtblitz, der entsteht, wenn zwei Neutronensterne zusammenstoßen.

Genauer: Beim Verschmelzen zweier Neutronensterne werden große Mengen sehr neutronenreicher Materie herausgeschleudert. Darin entstehen schwere Elemente wie Gold und Platin. 2017 wurde ein solches Ereignis (GW170817) erstmals gleichzeitig als Gravitationswelle und als Licht beobachtet. Der Name sagt, dass sie etwa tausendmal heller ist als eine Nova.

Siehe auch: Neutronenstern · Supernova · Nova · Element

Kiloparsec

Entfernung & Helligkeitauch: kpc

Kurz gesagt: 1.000 Parsec, also rund 3.260 Lichtjahre. Passend für Abstände innerhalb einer Galaxie.

Genauer: Das Zentrum der Milchstraße liegt etwa 8 Kiloparsec von uns entfernt, das sind rund 26.000 Lichtjahre. Kiloparsec nutzt man für Größen und Abstände innerhalb von Galaxien.

Siehe auch: Parsec · Megaparsec · Galaktisches Zentrum

Kohlenstoffstern

Sterneauch: C-Stern

Kurz gesagt: Ein später Roter Riese mit viel Kohlenstoff in der Hülle, der tiefrot leuchtet.

Wie im Alltag: Wie ein Kohleofen, dessen Rauch das Licht rot färbt.

Genauer: Im Inneren dieser Sterne entsteht Kohlenstoff, der nach außen gemischt wird. In der kühlen Atmosphäre bilden sich Kohlenstoffverbindungen, die blaues Licht schlucken. Deshalb gehören sie zu den rötesten Sternen am Himmel. Sie geben Kohlenstoffstaub ins All ab – Baumaterial für spätere Planeten. Ein bekanntes Beispiel ist R Leporis, „Hinds Karmesinstern“.

Siehe auch: Roter Riese · Interstellarer Staub · Spektralklasse

Koma

Sonnensystemauch: Kometenkoma

Kurz gesagt: Die neblige, leuchtende Hülle aus Gas und Staub, die sich um den Kern eines Kometen bildet, wenn er sich der Sonne nähert.

Wie im Alltag: Wie eine Dampfwolke um einen Topf, der langsam zu kochen beginnt.

Genauer: Die Koma entsteht, wenn Eis auf der Kometenoberfläche durch die Sonnenwärme direkt zu Gas wird und Staub mitreißt. Sie kann größer werden als die Erde oder sogar Jupiter. Auf Fotos erscheint sie oft grünlich. Das kommt von Kohlenstoffmolekülen, die im Sonnenlicht leuchten. Nicht zu verwechseln mit dem Bildfehler Koma in der Optik.

Siehe auch: Komet · Kometenschweif · Koma (Optik)

Koma (Optik)

Astrofotografieauch: Komafehler, Coma

Kurz gesagt: Ein Abbildungsfehler, durch den Sterne am Bildrand wie kleine Kometen oder Möwen aussehen.

Wie im Alltag: Wie ein Punkt, der am Rand der Lupe zu einem kleinen Tropfen verzogen wird.

Genauer: Koma tritt vor allem bei Newton-Teleskopen und lichtstarken Fotoobjektiven bei offener Blende auf. Die Sterne in der Bildmitte sind rund, nach außen ziehen sie sich zu Schweifen. Ein Komakorrektor oder etwas Abblenden hilft. Nicht zu verwechseln mit der Koma eines Kometen.

Siehe auch: Newton-Teleskop · Koma · Chromatische Aberration

Komet

Sonnensystemauch: Schweifstern

Kurz gesagt: Ein Brocken aus Eis, Staub und Gestein, der bei Annäherung an die Sonne eine leuchtende Hülle und oft einen langen Schweif bildet.

Wie im Alltag: Ein Komet ist wie ein „schmutziger Schneeball“, der in der Sonnenwärme zu dampfen beginnt.

Genauer: Der feste Kern eines Kometen ist meist nur einige Kilometer groß. Kommt er der Sonne nahe, verdampft Eis und reißt Staub mit: Es entstehen Koma und Schweif, die Millionen Kilometer lang werden können. Kurzperiodische Kometen kommen meist aus dem Kuipergürtel, langperiodische aus der Oortschen Wolke.

Siehe auch: Koma · Kometenschweif · Kuipergürtel · Oortsche Wolke · Meteorstrom

Kometenschweif

Sonnensystemauch: Ionenschweif, Staubschweif, Gasschweif

Kurz gesagt: Der lange, leuchtende Streifen, den ein Komet in Sonnennähe ausbildet. Er zeigt immer von der Sonne weg.

Wie im Alltag: Wie lange Haare im Gegenwind: Sie wehen nicht nach hinten, sondern immer vom Wind weg, egal in welche Richtung du läufst.

Genauer: Viele Kometen haben zwei Schweife. Der bläuliche Gas- oder Ionenschweif wird vom Sonnenwind geradlinig von der Sonne weggeblasen. Der gelblich-weiße Staubschweif ist breiter und gekrümmt, weil der Staub vom Strahlungsdruck des Sonnenlichts weggedrückt wird. Schweife können über 100 Millionen Kilometer lang werden.

Siehe auch: Komet · Koma · Sonnenwind · Strahlungsdruck · Ion

Konjunktion

Ereignisseauch: Begegnung, Planetenparade

Kurz gesagt: Zwei Himmelskörper stehen von der Erde aus gesehen eng beieinander, zum Beispiel Mond und Venus.

Genauer: In Wirklichkeit liegen sie meist sehr weit auseinander; sie stehen nur in fast derselben Richtung. Enge Begegnungen von Mond und Planeten in der Dämmerung sind schöne Fotomotive. Steht ein Planet in Konjunktion mit der Sonne, ist er unsichtbar, weil er im Sonnenlicht untergeht.

Siehe auch: Opposition · Bedeckung · Ekliptik

Koordinatensystem

Himmel & Bewegungauch: Himmelskoordinaten

Kurz gesagt: Ein Raster, um die Position eines Himmelsobjekts genau anzugeben – ähnlich wie Längen- und Breitengrade auf der Erde.

Genauer: Das Horizontsystem (Azimut und Höhe) gilt nur für deinen Ort und Zeitpunkt. Das äquatoriale System (Rektaszension und Deklination) dreht sich mit dem Himmel mit, deshalb bleiben die Werte eines Sterns fast gleich. Es gibt weitere Systeme, etwa bezogen auf die Ekliptik oder die Milchstraße.

Siehe auch: Rektaszension · Deklination · Azimut · Höhe

Korona

Sonnensystemauch: Sonnenkorona

Kurz gesagt: Die äußerste, sehr dünne Gashülle der Sonne. Sie ist Millionen Grad heiß und nur bei einer totalen Sonnenfinsternis mit bloßem Auge zu sehen.

Wie im Alltag: Wie ein zarter, weißer Strahlenkranz, der sich um die verdeckte Sonne legt.

Genauer: Die Korona ist mit über einer Million Grad viel heißer als die Sonnenoberfläche mit etwa 5.500 Grad. Warum das so ist, wird noch erforscht. Aus der Korona strömt ständig der Sonnenwind ins All. Weil sie viel schwächer leuchtet als die Sonnenscheibe, wird sie nur sichtbar, wenn der Mond die Sonne ganz verdeckt.

Siehe auch: Chromosphäre · Photosphäre · Sonnenwind · Sonnenfinsternis · Koronaler Massenauswurf

Koronaler Massenauswurf

Sonnensystemauch: CME, Coronal Mass Ejection

Kurz gesagt: Eine gewaltige Wolke aus Plasma, die die Sonne ins All schleudert. Trifft sie die Erde, gibt es oft Polarlichter.

Wie im Alltag: Ein Flare ist der Blitz, ein koronaler Massenauswurf eher die Druckwelle, die hinterherrollt.

Genauer: Bei einem koronalen Massenauswurf werden Milliarden Tonnen geladener Teilchen ins All geschleudert. Bis zur Erde braucht die Wolke meist einen bis mehrere Tage. Trifft sie auf das Erdmagnetfeld, kann sie einen geomagnetischen Sturm auslösen, Polarlichter bis nach Mitteleuropa bringen und Satelliten oder Stromnetze stören.

Siehe auch: Polarlicht · Magnetosphäre · Sonnen-Eruption (Flare) · Sonnenwind · Plasma

Kosmische Hintergrundstrahlung

Licht & Strahlungauch: CMB, Mikrowellenhintergrund, 3-Kelvin-Strahlung

Kurz gesagt: Ein schwaches Mikrowellen-Leuchten, das aus allen Richtungen kommt: das älteste Licht im Universum, ein Nachglühen des Urknalls.

Wie im Alltag: Wie die Restwärme eines Ofens, der vor sehr langer Zeit ausgeschaltet wurde.

Genauer: Die Strahlung wurde etwa 380.000 Jahre nach dem Urknall frei, als das Universum so weit abgekühlt war, dass Licht sich ungehindert ausbreiten konnte. Durch die Ausdehnung des Alls ist sie heute bis auf rund 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt. Sie wurde 1965 zufällig entdeckt und ist einer der wichtigsten Belege für den Urknall.

Siehe auch: Urknall · Mikrowellen · Rotverschiebung · Kosmologie

Kosmische Strahlung

Licht & Strahlungauch: Höhenstrahlung

Kurz gesagt: Sehr schnelle, energiereiche Teilchen aus dem All, vor allem Atomkerne, die ständig auf die Erde treffen.

Wie im Alltag: Kein Licht, sondern ein unsichtbarer Hagel aus winzigen Geschossen.

Genauer: Trotz des Namens ist kosmische Strahlung keine elektromagnetische Strahlung, sondern besteht überwiegend aus Protonen und Heliumkernen. Sie stammt von der Sonne, aus Supernova-Überresten in der Milchstraße und teils von fernen Galaxien. Treffen die Teilchen auf die Atmosphäre, lösen sie Schauer weiterer Teilchen aus. Auf Kamerasensoren erscheinen sie manchmal als einzelne helle Punkte oder Striche.

Siehe auch: Magnetosphäre · Van-Allen-Gürtel · Supernova-Überrest · Dark Frame

Kosmisches Netz

Sternhaufen & Galaxienauch: Filamente, Voids

Kurz gesagt: Die größte Struktur im Universum: Fäden und Knoten aus Galaxien, dazwischen riesige leere Räume.

Wie im Alltag: Wie ein Schaum aus Seifenblasen: Galaxien sitzen auf den Häuten, innen ist fast nichts.

Genauer: Auf den größten Maßstäben sind Galaxien nicht gleichmäßig verteilt. Sie reihen sich entlang langer Fäden (Filamente) auf, wo sich Fäden kreuzen, sitzen Galaxienhaufen. Dazwischen liegen Leerräume (Voids) mit über hundert Millionen Lichtjahren Durchmesser. Das Gerüst des Netzes bildet vermutlich die Dunkle Materie.

Siehe auch: Superhaufen · Galaxienhaufen · Dunkle Materie · Kosmologie

Kosmologie

Raumfahrt & Forschung

Kurz gesagt: Die Wissenschaft vom Universum als Ganzes: Entstehung, Aufbau, Entwicklung und Zukunft.

Wie im Alltag: Wie die Familiengeschichte, nur für das gesamte Universum.

Genauer: Kosmologen untersuchen, wie das Universum mit dem Urknall begann, wie Galaxien entstanden und wie schnell sich der Raum ausdehnt. Dabei spielen Dunkle Materie und Dunkle Energie eine große Rolle, deren Natur noch unbekannt ist. Wichtige Werkzeuge sind Weltraumteleskope und die Vermessung der Hintergrundstrahlung.

Siehe auch: Urknall · Dunkle Materie · Dunkle Energie · Astrophysik

Kugelsternhaufen

Sternhaufen & Galaxienauch: Globular Cluster

Kurz gesagt: Eine dichte, kugelförmige Ansammlung aus Hunderttausenden sehr alten Sternen.

Wie im Alltag: Wie ein Bienenschwarm, der zur Mitte hin immer dichter wird.

Genauer: Kugelsternhaufen gehören zu den ältesten Objekten der Milchstraße, viele sind über 10 Milliarden Jahre alt. Sie umkreisen die Galaxie im Halo, oft weit außerhalb der Scheibe. Die Milchstraße hat rund 150 bekannte Kugelsternhaufen. Der hellste am Nordhimmel ist M 13 im Herkules, der größte überhaupt Omega Centauri am Südhimmel.

Siehe auch: Sternhaufen · Offener Sternhaufen · Halo (Galaxie) · Milchstraße

Kuipergürtel

Sonnensystemauch: Kuiper-Gürtel, Edgeworth-Kuiper-Gürtel

Kurz gesagt: Ein riesiger Ring aus eisigen Kleinkörpern jenseits der Neptunbahn, zu dem auch Pluto gehört.

Wie im Alltag: Eine Art Asteroidengürtel, nur viel weiter draußen, größer und aus Eis statt aus Gestein.

Genauer: Der Kuipergürtel beginnt etwa bei der Neptunbahn, rund 30 Astronomische Einheiten von der Sonne, und reicht bis etwa 50 Astronomische Einheiten. Dort kreisen Zwergplaneten wie Pluto, Haumea und Makemake. Viele kurzperiodische Kometen stammen aus dieser Gegend.

Siehe auch: Zwergplanet · Komet · Oortsche Wolke

Kulmination

Himmel & Bewegungauch: Höchststand, Meridiandurchgang

Kurz gesagt: Der Moment, in dem ein Himmelsobjekt am höchsten steht. Dann überquert es den Meridian im Süden.

Genauer: Zirkumpolarsterne kulminieren zweimal am Tag: einmal oben über dem Pol und einmal unten darunter. Für Astrofotos ist die Zeit um die Kulmination ideal, weil das Licht dann den kürzesten Weg durch die Luft nimmt.

Siehe auch: Meridian · Höhe · Zirkumpolarstern

L

15 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit L

Leuchtende Nachtwolken

Ereignisseauch: NLC, noctilucent clouds

Kurz gesagt: Silbrig-blaue Wolken, die in Sommernächten tief am Nordhimmel leuchten, obwohl die Sonne längst untergegangen ist.

Genauer: Sie schweben in etwa 76 bis 85 km Höhe, viel höher als normale Wolken, und bestehen aus Eiskristallen. Wegen ihrer Höhe werden sie noch von der Sonne angestrahlt, wenn es am Boden schon dunkel ist. In Mitteleuropa sieht man sie vor allem von Ende Mai bis Anfang August.

Siehe auch: Dämmerung · Airglow · Halo (Atmosphäre)

Leuchtkraft

Sterne

Kurz gesagt: Die gesamte Energie, die ein Stern pro Sekunde abstrahlt – seine echte Helligkeit.

Wie im Alltag: Wie die Wattzahl einer Lampe, egal wie weit du von ihr weg stehst.

Genauer: Die Leuchtkraft hängt von der Größe und der Temperatur eines Sterns ab. Sie wird oft im Vergleich zur Sonne angegeben. Wie hell ein Stern bei uns am Himmel aussieht, hängt zusätzlich von seiner Entfernung ab. Deshalb unterscheidet man scheinbare und absolute Helligkeit.

Siehe auch: Absolute Helligkeit · Scheinbare Helligkeit · Hertzsprung-Russell-Diagramm

Libration

Himmel & Bewegungauch: Librationen

Kurz gesagt: Ein leichtes Schaukeln des Mondes, durch das wir mit der Zeit etwas mehr als die Hälfte seiner Oberfläche sehen.

Wie im Alltag: Wie wenn du durch ein Schlüsselloch schaust und den Kopf leicht hin und her bewegst.

Genauer: Weil die Mondbahn eine Ellipse ist und geneigt ist, sehen wir mal etwas über den Ost- oder Westrand, mal über den Nord- oder Südrand. Insgesamt sind von der Erde aus etwa 59 Prozent der Mondoberfläche sichtbar.

Siehe auch: Rotation · Bahnneigung · Ellipse

Licht

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Elektromagnetische Strahlung, die unsere Augen sehen können. Im weiteren Sinn meinen Astronomen damit oft alle Arten solcher Strahlung.

Wie im Alltag: Licht ist der Bote aus dem All: Fast alles, was wir über Sterne wissen, haben wir aus ihrem Licht gelernt.

Genauer: Licht breitet sich im Vakuum mit rund 300.000 km/s aus und braucht von der Sonne zur Erde gut acht Minuten. Es verhält sich mal wie eine Welle, mal wie ein Strom einzelner Teilchen, der Photonen. Weil Licht Zeit braucht, sehen wir ferne Objekte immer so, wie sie früher waren.

Siehe auch: Sichtbares Licht · Elektromagnetisches Spektrum · Photon · Lichtgeschwindigkeit · Lichtjahr

Lichtgeschwindigkeit

Entfernung & Helligkeitauch: c

Kurz gesagt: Die Geschwindigkeit des Lichts im leeren Raum: knapp 300.000 Kilometer pro Sekunde. Schneller geht es im Universum nicht.

Wie im Alltag: In einer Sekunde könnte Licht rund siebeneinhalb Mal um die Erde laufen.

Genauer: Der genaue Wert ist festgelegt: 299.792.458 Meter pro Sekunde. Seit 1983 ist sogar der Meter über diese Zahl definiert. Nach der Relativitätstheorie kann sich keine Information und kein Körper schneller bewegen. In Glas oder Wasser ist Licht etwas langsamer.

Siehe auch: Lichtjahr · Lichtminute

Lichtglocke

Beobachtenauch: Lichtdom

Kurz gesagt: Der helle Schein über einer Stadt, den man auch aus vielen Kilometern Entfernung am Horizont sieht.

Wie im Alltag: Wie eine leuchtende Käseglocke, die über dem Ort liegt.

Genauer: Das nach oben abgestrahlte Licht wird an Luftteilchen und Wolken gestreut und kehrt als Aufhellung des Himmels zurück. Selbst an dunklen Orten verraten Lichtglocken am Horizont die Lage der nächsten Städte. Für Fotos lohnt es sich, Objekte zu wählen, die in der Gegenrichtung stehen oder hoch am Himmel.

Siehe auch: Lichtverschmutzung · Gradient

Lichtjahr

Entfernung & Helligkeitauch: Lj, ly

Kurz gesagt: Die Strecke, die Licht in einem Jahr zurücklegt – rund 9,46 Billionen Kilometer. Ein Maß für Entfernung, nicht für Zeit.

Wie im Alltag: Mit dem Auto bei Tempo 100 bräuchtest du für ein Lichtjahr über 10 Millionen Jahre.

Genauer: Licht ist im leeren Raum knapp 300.000 km pro Sekunde schnell. Multipliziert mit den Sekunden eines Jahres ergibt das etwa 9,46 Billionen km. Der nächste Stern nach der Sonne, Proxima Centauri, ist gut 4,2 Lichtjahre entfernt. Wer einen Stern in 100 Lichtjahren Entfernung sieht, sieht Licht, das vor 100 Jahren losgeschickt wurde.

Vergleich der Entfernungsmaße: 1 Astronomische Einheit sind etwa 150 Millionen km, 1 Lichtjahr etwa 9,46 Billionen km oder 63.241 AE, 1 Parsec etwa 3,26 Lichtjahre

Siehe auch: Lichtgeschwindigkeit · Parsec · Lichtminute · Astronomische Einheit

Lichtkurve

Raumfahrt & Forschungauch: Helligkeitskurve

Kurz gesagt: Eine Kurve, die zeigt, wie sich die Helligkeit eines Objekts im Lauf der Zeit verändert.

Wie im Alltag: Wie ein Fieberthermometer-Verlauf, nur für die Helligkeit eines Sterns.

Genauer: Lichtkurven verraten viel: Veränderliche Sterne pulsieren regelmäßig, Bedeckungsveränderliche zeigen Einbrüche, wenn ein Stern den anderen verdeckt. Zieht ein Planet vor seinem Stern vorbei, sinkt die Helligkeit ganz leicht – so wurden viele Exoplaneten entdeckt. Auch Amateure können mit Kamera und Software Lichtkurven messen.

Siehe auch: Veränderlicher Stern · Bedeckungsveränderlicher · Transit · Exoplanet

Lichtminute

Entfernung & Helligkeitauch: Lichtsekunde

Kurz gesagt: Die Strecke, die Licht in einer Minute schafft – knapp 18 Millionen Kilometer.

Wie im Alltag: Das Sonnenlicht, das gerade auf dein Gesicht fällt, ist gut 8 Minuten alt.

Genauer: Eine Lichtminute sind rund 18 Millionen km, eine Lichtsekunde knapp 300.000 km. Der Mond ist gut eine Lichtsekunde entfernt, die Sonne im Mittel etwa 8,3 Lichtminuten. Solche Einheiten zeigen anschaulich, wie lange Funksignale zu Raumsonden unterwegs sind.

Siehe auch: Lichtgeschwindigkeit · Lichtjahr · Astronomische Einheit

Lichtstärke

Beobachtenauch: Öffnungsverhältnis, f-Zahl, Blendenzahl

Kurz gesagt: Das Verhältnis von Brennweite zu Öffnung (Öffnungsverhältnis, z. B. f/5); je kleiner die Zahl, desto „schneller“ die Optik.

Wie im Alltag: Wie die Blende beim Fotoapparat: f/2 sammelt in kurzer Zeit mehr Licht als f/8.

Genauer: Man teilt die Brennweite durch die Öffnung: 500 mm Brennweite bei 100 mm Öffnung ergibt f/5. Für flächige Objekte wie Nebel bestimmt diese Zahl, wie schnell sich das Bild auf dem Sensor aufbaut. Eine lichtstarke Optik braucht für dasselbe Ergebnis weniger Belichtungszeit, hat aber meist ein größeres Bildfeld und weniger Vergrößerung.

Siehe auch: Blende · Öffnung · Belichtungszeit

Lichtverschmutzung

Beobachtenauch: Light Pollution, Lichtsmog

Kurz gesagt: Künstliches Licht, das den Nachthimmel aufhellt und schwache Sterne verschluckt.

Wie im Alltag: Wie wenn du versuchst, Glühwürmchen neben einem Flutlicht zu sehen.

Genauer: Straßenlampen, Werbung und beleuchtete Gebäude strahlen auch nach oben; die Luft streut dieses Licht zurück. In Städten sind deshalb nur wenige Dutzend Sterne sichtbar, auf dem Land tausende. Lichtverschmutzung stört auch Tiere und den Schlafrhythmus. Gegenmittel: abgeschirmte, warmweiße Lampen und Licht nur dann, wenn es gebraucht wird.

Siehe auch: Bortle-Skala · Lichtglocke · Sternenpark · Lichtverschmutzungsfilter

Lichtverschmutzungsfilter

Astrofotografieauch: LP-Filter, CLS-Filter, UHC-Filter

Kurz gesagt: Ein Filter, der typische Wellenlängen künstlicher Beleuchtung abschwächt und so den Himmelshintergrund dunkler macht.

Wie im Alltag: Wie Ohrstöpsel, die Straßenlärm dämpfen, aber Stimmen noch durchlassen.

Genauer: Solche Breitbandfilter blocken Bereiche, in denen ältere Natrium- und Quecksilberlampen leuchten. Gegen moderne LED-Beleuchtung, die über ein breites Spektrum strahlt, wirken sie deutlich schwächer. Bei Emissionsnebeln sind Schmalband- oder Duo-Band-Filter meist wirksamer; für Galaxien und Sternhaufen gibt es keinen echten Ersatz für einen dunklen Himmel.

Siehe auch: Lichtverschmutzung · Schmalbandfilter · Gradient

Light Frame

Astrofotografieauch: Light, Lights, Rohbild

Kurz gesagt: Eine ganz normale Aufnahme des Himmelsobjekts – das eigentliche Foto.

Wie im Alltag: Wie die eigentlichen Urlaubsfotos, während die anderen Frames nur zum Aufräumen dienen.

Genauer: Light Frames enthalten das gewünschte Signal, aber auch Rauschen, Staubflecken und Randabdunklung. Mit Dark, Flat und Bias Frames werden diese Fehler herausgerechnet, bevor die Lights gestackt werden. Für ein Deep-Sky-Bild nimmt man oft Dutzende bis Hunderte Lights auf.

Siehe auch: Dark Frame · Flat Frame · Bias Frame · Stacking

Linsenförmige Galaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: Lentikuläre Galaxie, S0-Galaxie

Kurz gesagt: Eine Galaxie mit Scheibe und hellem Kern, aber ohne Spiralarme – eine Zwischenform.

Wie im Alltag: Von der Seite sieht sie aus wie eine Linse oder ein Ufo.

Genauer: Linsenförmige Galaxien haben wie Spiralgalaxien eine Scheibe, aber kaum noch Gas und daher wenig Sternentstehung. Sie liegen damit zwischen Spiralen und Ellipsen. In der Einteilung nach Hubble tragen sie das Kürzel S0. Ein bekanntes Beispiel ist die Spindelgalaxie NGC 5866.

Siehe auch: Spiralgalaxie · Elliptische Galaxie · Galaxie · Bulge

Lokale Gruppe

Sternhaufen & Galaxien

Kurz gesagt: Die kleine Galaxiengruppe, zu der die Milchstraße gehört.

Wie im Alltag: Wie unsere kosmische Nachbarschaft.

Genauer: Die Lokale Gruppe ist rund 10 Millionen Lichtjahre groß. Die größten Mitglieder sind die Andromedagalaxie, die Milchstraße und die Dreiecksgalaxie (M 33). Dazu kommen viele Dutzend Zwerggalaxien. Andromeda ist rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt und kommt uns entgegen.

Siehe auch: Milchstraße · Zwerggalaxie · Galaxienhaufen · Superhaufen

M

22 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit M

Magnetar

Sterne

Kurz gesagt: Ein Neutronenstern mit dem stärksten bekannten Magnetfeld im Universum.

Wie im Alltag: Sein Magnetfeld ist billiardenfach stärker als das der Erde.

Genauer: Magnetare sind eine seltene Art von Neutronenstern. Ihr Magnetfeld ist so stark, dass es die Kruste des Sterns verformen kann. Dabei entstehen gewaltige Ausbrüche von Röntgen- und Gammastrahlung. Ihre starke Aktivität hält vermutlich nur einige tausend bis zehntausend Jahre an.

Siehe auch: Neutronenstern · Pulsar · Gammastrahlung · Röntgenstrahlung

Magnetosphäre

Sonnensystem

Kurz gesagt: Der Raum um die Erde, in dem ihr Magnetfeld bestimmt, wie sich geladene Teilchen bewegen. Er schützt uns vor dem Sonnenwind.

Wie im Alltag: Wie ein unsichtbarer Regenschirm, an dem der Teilchenregen von der Sonne größtenteils abperlt.

Genauer: Der Sonnenwind drückt die Magnetosphäre auf der Tagseite auf etwa zehn Erdradien zusammen und zieht sie auf der Nachtseite zu einem langen Schweif aus. Ein Teil der Teilchen gelangt entlang der Feldlinien zu den Polen und erzeugt dort Polarlichter. Auch Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun haben Magnetosphären.

Siehe auch: Van-Allen-Gürtel · Polarlicht · Sonnenwind

Magnitude

Entfernung & Helligkeitauch: Größenklasse, mag

Kurz gesagt: Die Skala für Helligkeit am Himmel. Je kleiner die Zahl, desto heller das Objekt – sehr helle haben sogar Minuswerte.

Wie im Alltag: Wie beim Golf: Weniger ist besser.

Genauer: Die Skala geht auf antike Größenklassen zurück: Die hellsten Sterne waren „erster Größe“, die schwächsten „sechster Größe“. Heute ist sie mathematisch festgelegt: 5 Magnituden Unterschied entsprechen genau dem Faktor 100 in der Helligkeit, eine Magnitude etwa dem Faktor 2,5.

Siehe auch: Scheinbare Helligkeit · Absolute Helligkeit · Grenzgröße

Megaparsec

Entfernung & Helligkeitauch: Mpc

Kurz gesagt: Eine Million Parsec, also rund 3,26 Millionen Lichtjahre. Das Maß für Abstände zwischen Galaxien.

Wie im Alltag: Die Andromeda-Galaxie ist knapp ein Megaparsec von uns entfernt.

Genauer: Megaparsec ist die übliche Einheit für Entfernungen im großen Maßstab, zum Beispiel zu Galaxienhaufen. Auch die Hubble-Konstante wird in Kilometer pro Sekunde je Megaparsec angegeben.

Siehe auch: Parsec · Kiloparsec · Hubble-Konstante · Galaxienhaufen

Mehrfachstern

Sterneauch: Mehrfachsystem

Kurz gesagt: Ein System aus drei oder mehr Sternen, die durch die Schwerkraft verbunden sind.

Wie im Alltag: Wie eine Familie, deren Mitglieder in verschiedenen Kreisen umeinander laufen.

Genauer: Mehrfachsysteme sind meist hierarchisch aufgebaut: enge Paare, die sich wieder gegenseitig umkreisen. Ein bekanntes Beispiel ist Mizar im Großen Wagen, dessen Komponenten selbst wieder Doppelsterne sind. Kastor in den Zwillingen besteht sogar aus sechs Sternen.

Siehe auch: Doppelstern · Dreifachstern · Sternhaufen

Meridian

Himmel & Bewegungauch: Himmelsmeridian, Mittagslinie

Kurz gesagt: Die gedachte Linie am Himmel von Nord über den Zenit nach Süd. Dort steht jeder Stern am höchsten.

Genauer: Der Himmelsmeridian verläuft durch beide Himmelspole und den Zenit. Erreicht ein Gestirn ihn, kulminiert es. Die Sonne überschreitet den Meridian zum wahren Mittag. Für Astrofotos ist der Meridian wichtig, weil viele parallaktische Montierungen dort umschwenken müssen.

Siehe auch: Kulmination · Zenit · Himmelspol

Messier-Katalog

Beobachtenauch: Messier-Objekte, M-Katalog

Kurz gesagt: Eine Liste von 110 hellen Nebeln, Sternhaufen und Galaxien, nummeriert mit M1 bis M110.

Wie im Alltag: Wie eine Bestenliste für Einsteiger am Nachthimmel.

Genauer: Der französische Astronom Charles Messier wollte im 18. Jahrhundert Kometen finden und notierte nebelige Flecken, die er nicht mit Kometen verwechseln wollte. Heute ist der Katalog eine beliebte Zielliste, weil fast alle Objekte schon mit kleinen Teleskopen erreichbar sind. Bekannte Beispiele sind der Orionnebel M42 und die Andromedagalaxie M31.

Siehe auch: NGC / IC-Katalog · Deep-Sky-Objekt

Meteor

Sonnensystem

Kurz gesagt: Die kurze Leuchtspur am Himmel, wenn ein kleiner Brocken aus dem All in der Erdatmosphäre verglüht.

Wie im Alltag: Der Meteor ist nicht der Stein selbst, sondern das Leuchten, ähnlich wie Funken beim Schleifen von Metall.

Genauer: Meteoroiden treten mit Geschwindigkeiten von etwa 11 bis 72 km/s in die Atmosphäre ein. Dabei erhitzen sie die Luft so stark, dass sie leuchtet. Die meisten verglühen in etwa 80 bis 120 km Höhe vollständig.

Siehe auch: Sternschnuppe · Meteoroid · Feuerkugel (Bolide) · Meteorstrom

Meteorit

Sonnensystem

Kurz gesagt: Ein Stein- oder Metallbrocken aus dem All, der den Flug durch die Atmosphäre übersteht und auf der Erde landet.

Wie im Alltag: Ein Meteorit ist ein Paket aus dem Weltall, das man tatsächlich in die Hand nehmen kann.

Genauer: Man unterscheidet grob Steinmeteorite, Eisenmeteorite und Stein-Eisen-Meteorite. Die meisten stammen von Asteroiden, einige wenige vom Mond oder vom Mars. Viele sind etwa 4,6 Milliarden Jahre alt und damit Zeugen aus der Entstehungszeit des Sonnensystems.

Siehe auch: Meteoroid · Meteor · Asteroid · Feuerkugel (Bolide)

Meteoroid

Sonnensystem

Kurz gesagt: Ein kleiner Stein- oder Staubbrocken, der durch den Weltraum fliegt, solange er noch nicht in die Erdatmosphäre eingetreten ist.

Wie im Alltag: Meteoroid, Meteor, Meteorit sind wie drei Lebensphasen desselben Steinchens: unterwegs, beim Verglühen und nach der Landung.

Genauer: Meteoroiden sind kleiner als Asteroiden, die Grenze liegt laut IAU bei etwa einem Meter. Die meisten sind nur so groß wie Sandkörner und stammen von Kometen oder aus Zusammenstößen von Asteroiden.

Siehe auch: Meteor · Meteorit · Asteroid · Komet

Meteorstrom

Sonnensystemauch: Meteorschauer, Sternschnuppenschauer

Kurz gesagt: Eine Zeit im Jahr, in der besonders viele Sternschnuppen fallen, weil die Erde durch die Staubspur eines Kometen fliegt.

Wie im Alltag: Wie eine Autofahrt durch einen Mückenschwarm: In dieser Strecke prallen viel mehr Insekten an die Windschutzscheibe.

Genauer: Kometen verlieren auf ihrer Bahn Staub, der sich entlang der Bahn verteilt. Kreuzt die Erde diese Spur, gibt es jedes Jahr zur gleichen Zeit einen Meteorstrom. Bekannte Beispiele sind die Perseiden im August und die Geminiden im Dezember. Die Ströme sind nach dem Sternbild benannt, aus dem die Sternschnuppen zu kommen scheinen.

Siehe auch: Radiant · Sternschnuppe · Komet · Sternbild

Mikrowellen

Licht & Strahlungauch: Mikrowellenstrahlung

Kurz gesagt: Elektromagnetische Strahlung zwischen Radiowellen und Infrarot, mit Wellenlängen etwa im Millimeter- bis Zentimeterbereich.

Wie im Alltag: Dieselbe Strahlungsart wie im Küchengerät, aus dem All kommt sie aber extrem schwach an.

Genauer: In der Astronomie sind Mikrowellen vor allem wegen der kosmischen Hintergrundstrahlung berühmt, dem Nachglühen des Urknalls. Auch kalte Gas- und Staubwolken, in denen Sterne entstehen, lassen sich im Millimeterbereich gut untersuchen.

Siehe auch: Kosmische Hintergrundstrahlung · Radiowellen · Elektromagnetisches Spektrum

Milchstraße

Sternhaufen & Galaxienauch: Galaxis, Milky Way

Kurz gesagt: Unsere Heimatgalaxie – und das helle Band am Nachthimmel, das wir von innen sehen.

Wie im Alltag: Wie ein Wald, den du von innen siehst: Du erkennst nur, dass die Bäume in einer Richtung dichter stehen.

Genauer: Die Milchstraße ist eine Balkenspiralgalaxie mit einem Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren und schätzungsweise 100 bis 400 Milliarden Sternen. Die Sonne liegt etwa 26.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt und braucht für einen Umlauf rund 230 Millionen Jahre. Weil wir in der Scheibe sitzen, sehen wir sie als Band über den Himmel. Am hellsten ist sie im Sommer Richtung Schütze, wo das Zentrum liegt.

Siehe auch: Galaxie · Balkenspiralgalaxie · Galaktisches Zentrum · Spiralarm · Lokale Gruppe

Mira-Stern

Sterneauch: Mira-Veränderlicher

Kurz gesagt: Ein pulsierender Roter Riese, der über Monate stark heller und dunkler wird.

Genauer: Mira-Sterne haben Perioden von rund 80 bis 1.000 Tagen. Ihre Helligkeit schwankt dabei sehr stark, im sichtbaren Licht um mehr als 2,5 Größenklassen. Namensgeber ist Mira im Walfisch: Im Maximum ist er mit bloßem Auge gut sichtbar, im Minimum nur im Teleskop.

Siehe auch: Veränderlicher Stern · Roter Riese · Magnitude

Molekül

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Ein Teilchen aus zwei oder mehr fest miteinander verbundenen Atomen, zum Beispiel Wasser oder Kohlenmonoxid.

Wie im Alltag: Wenn Atome Buchstaben sind, sind Moleküle die Wörter.

Genauer: In kalten, dichten Wolken zwischen den Sternen bilden sich viele Moleküle, am häufigsten Wasserstoffmoleküle aus zwei Wasserstoffatomen. Im All wurden schon über 300 verschiedene Molekülarten nachgewiesen, darunter auch einfache organische Verbindungen.

Siehe auch: Atom · Molekülwolke · Interstellares Medium

Molekülwolke

Nebel, Gas & Staubauch: Molekularwolke, Riesenmolekülwolke

Kurz gesagt: Eine sehr kalte, dichte Gas- und Staubwolke, in der neue Sterne entstehen.

Wie im Alltag: Wie ein Vorratsschrank voller Zutaten für neue Sterne.

Genauer: In Molekülwolken ist es so kalt (nur etwa 10 bis 20 Kelvin, also rund minus 260 °C), dass sich Wasserstoffatome zu Molekülen verbinden. Große Wolken haben bis zu Millionen Sonnenmassen. Der Staub darin schluckt sichtbares Licht, deshalb erscheinen sie oft als dunkle Flecken. Die nächste große Sternentstehungsregion mit solchen Wolken liegt im Orion.

Siehe auch: Sternentstehung · Dunkelnebel · Molekül · Interstellarer Staub · Sternwiege

Mond

Sonnensystemauch: Erdmond, Luna

Kurz gesagt: Ein natürlicher Himmelskörper, der einen Planeten, Zwergplaneten oder Asteroiden umkreist. Unser Mond ist der einzige natürliche Begleiter der Erde.

Wie im Alltag: Der Mond ist ein treuer Begleiter, der immer in der Nähe der Erde bleibt, so wie ein Hund an der Leine um seinen Menschen läuft.

Genauer: Der Erdmond ist im Mittel rund 384.400 km entfernt und hat etwa ein Viertel des Erddurchmessers. Er zeigt uns immer dieselbe Seite, weil er sich in derselben Zeit einmal um sich selbst dreht, in der er die Erde umrundet. Im Sonnensystem sind Hunderte Monde bekannt, die meisten bei Jupiter und Saturn.

Siehe auch: Trabant · Mondphase · Libration · Gezeitenkraft · Planet

Mondfinsternis

Ereignisseauch: Lunare Finsternis

Kurz gesagt: Der Vollmond wandert durch den Schatten der Erde und verdunkelt sich. Überall dort, wo der Mond gerade am Himmel steht, ist sie zu sehen.

Genauer: Taucht der Mond ganz in den Kernschatten ein, ist die Finsternis total; nur teilweise heißt partiell. Streift er nur den Halbschatten, ist die Verdunkelung kaum zu bemerken. Eine Mondfinsternis kannst du ohne jeden Augenschutz beobachten.

Siehe auch: Blutmond · Vollmond · Bahnneigung · Sonnenfinsternis

Mondphase

Ereignisseauch: Mondgestalt, Lunation

Kurz gesagt: Die wechselnde Lichtgestalt des Mondes, von Neumond über Vollmond zurück zu Neumond. Ein Zyklus dauert etwa 29,5 Tage.

Wie im Alltag: Wie ein Ball, den eine Lampe von der Seite anstrahlt, während du um ihn herumgehst.

Genauer: Der Mond leuchtet nicht selbst, die Sonne beleuchtet immer eine Hälfte von ihm. Je nach Stellung von Sonne, Erde und Mond sehen wir mehr oder weniger von dieser hellen Hälfte. Mit dem Erdschatten hat das nichts zu tun – der spielt nur bei Mondfinsternissen eine Rolle.

Die acht Mondphasen in einer Reihe von Neumond über zunehmende Sichel, erstes Viertel und Vollmond bis zur abnehmenden Sichel, wie man sie von der Nordhalbkugel sieht

Siehe auch: Neumond · Vollmond · Zunehmender / Abnehmender Mond · Sichel · Umlaufzeit

Monochromkamera

Astrofotografieauch: Mono-Kamera, Monochrom

Kurz gesagt: Eine Schwarz-Weiß-Kamera, bei der jedes Pixel alles Licht nutzt; Farben entstehen durch Filter nacheinander.

Wie im Alltag: Wie drei Schwarz-Weiß-Fotos durch rote, grüne und blaue Brillen, die man später zu Farbe zusammensetzt.

Genauer: Bei Farbkameras sitzt vor jedem Pixel ein kleiner Farbfilter, sodass jedes Pixel nur einen Teil des Lichts sieht. Monochromkameras haben diese Filtermatrix nicht und sind dadurch empfindlicher und schärfer. Gerade mit Schmalbandfiltern bringen sie viel Signal, brauchen aber ein Filterrad und mehr Aufnahmezeit.

Siehe auch: Schmalbandfilter · Hubble-Palette (SHO) · Astrokamera

Montierung

Beobachtenauch: Mount

Kurz gesagt: Das Gestell, das das Teleskop trägt und bewegt.

Wie im Alltag: Wie das Stativ und der Schwenkkopf bei einer Videokamera.

Genauer: Eine gute Montierung ist mindestens so wichtig wie die Optik: Wackelt sie, hilft das beste Teleskop nichts. Man unterscheidet azimutale Montierungen (hoch-runter, links-rechts) und parallaktische Montierungen, die einer Achse der Erdachse folgen. Motorisierte Montierungen können Objekte automatisch finden und nachführen.

Siehe auch: Azimutale Montierung · Parallaktische (äquatoriale) Montierung · GoTo · Nachführung

Mosaik

Astrofotografieauch: Panorama, Mosaic

Kurz gesagt: Ein großes Astrofoto, das aus mehreren nebeneinanderliegenden Bildfeldern zusammengesetzt wird.

Wie im Alltag: Wie ein Panoramafoto, das du aus mehreren Einzelbildern zusammensetzt.

Genauer: Manche Objekte sind größer als das Bildfeld, etwa die Andromedagalaxie oder große Nebelgebiete. Man fotografiert dann mehrere Felder mit etwas Überlappung und fügt sie später zusammen. Wichtig sind gleiche Belichtung und eine gute Gradientenentfernung, damit keine Nähte sichtbar werden.

Siehe auch: Plate Solving · Gradient

N

9 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit N

Nachführung

Astrofotografieauch: Tracking

Kurz gesagt: Das Mitdrehen von Kamera oder Teleskop mit dem Himmel, damit Sterne punktförmig bleiben.

Wie im Alltag: Wie wenn du beim Fotografieren eines fahrenden Autos die Kamera mitschwenkst.

Genauer: Die Erde dreht sich einmal in knapp 24 Stunden, deshalb wandert der Sternenhimmel scheinbar langsam weiter. Ohne Ausgleich werden Sterne bei längerer Belichtung zu Strichen. Eine motorisierte Montierung oder ein Star Tracker gleicht die Bewegung aus und ermöglicht Belichtungen von Minuten statt Sekunden.

Siehe auch: Star Tracker · Guiding (Autoguiding) · Parallaktische (äquatoriale) Montierung · Rotation

Nadir

Himmel & Bewegungauch: Fußpunkt

Kurz gesagt: Der Gegenpunkt zum Zenit: genau senkrecht unter deinen Füßen, auf der anderen Seite der Erde.

Genauer: Der Nadir liegt 90° unter dem Horizont und ist daher nie sichtbar. Wichtig ist er etwa bei der Ausrichtung von Satelliten, die senkrecht nach unten auf die Erde blicken.

Siehe auch: Zenit · Himmelskugel

Nebel

Nebel, Gas & Staubauch: Nebula

Kurz gesagt: Eine Wolke aus Gas und Staub im Weltall, die leuchtet, Licht spiegelt oder Licht verschluckt.

Wie im Alltag: Wie Nebel über einer Wiese – nur Lichtjahre groß und hauchdünn.

Genauer: Früher nannte man alles „Nebel“, was im Teleskop verwaschen aussah – auch Galaxien wie den Andromedanebel. Heute meint man damit Wolken im interstellaren Raum. Je nachdem, wie sie mit Licht umgehen, unterscheidet man Emissions-, Reflexions- und Dunkelnebel. Dazu kommen Planetarische Nebel und Supernova-Überreste vom Lebensende der Sterne.

Siehe auch: Emissionsnebel · Reflexionsnebel · Dunkelnebel · Planetarischer Nebel · Interstellares Medium

Neumond

Ereignisse

Kurz gesagt: Der Mond steht zwischen Erde und Sonne und zeigt uns seine dunkle Seite. Er ist dann praktisch unsichtbar.

Genauer: Bei Neumond geht der Mond etwa mit der Sonne auf und unter. Die Nächte um Neumond sind am dunkelsten und daher ideal, um Galaxien und Nebel zu beobachten oder zu fotografieren. Nur bei Neumond kann es eine Sonnenfinsternis geben.

Siehe auch: Mondphase · Vollmond · Sonnenfinsternis · Sichel

Neutronenstern

Sterne

Kurz gesagt: Der extrem dichte Rest eines explodierten massereichen Sterns – nur etwa so groß wie eine Stadt.

Wie im Alltag: Ein Stück Neutronenstern in Zuckerwürfelgröße würde rund so viel wiegen wie alle Menschen zusammen.

Genauer: Ein Neutronenstern entsteht, wenn der Kern eines schweren Sterns bei einer Supernova in sich zusammenstürzt. Er hat meist etwa 1,4 Sonnenmassen, aber nur rund 20 km Durchmesser. Die Materie ist so dicht gepackt, dass sie vor allem aus Neutronen besteht. Viele Neutronensterne drehen sich sehr schnell und haben starke Magnetfelder.

Siehe auch: Pulsar · Magnetar · Supernova · Kilonova · Schwarzes Loch

Newton-Teleskop

Beobachtenauch: Newton, Newton-Reflektor

Kurz gesagt: Die einfachste Form des Spiegelteleskops: Hauptspiegel unten, kleiner schräger Spiegel oben, Einblick seitlich.

Wie im Alltag: Wie ein Periskop, nur dass das Licht zuerst unten aufgefangen und dann zur Seite gelenkt wird.

Genauer: Isaac Newton baute 1668 das erste funktionierende Spiegelteleskop dieser Art. Der gewölbte Hauptspiegel wirft das Licht zurück nach oben, ein flacher Fangspiegel lenkt es seitlich aus dem Tubus zum Okular oder zur Kamera. Newtons bieten viel Öffnung fürs Geld und sind deshalb bei Einsteigern und für Deep-Sky-Beobachtung beliebt. Am Bildrand zeigen sie oft Koma, die man mit einem Korrektor beseitigt.

Siehe auch: Reflektor (Spiegelteleskop) · Koma (Optik) · Montierung

NGC / IC-Katalog

Beobachtenauch: NGC, IC, New General Catalogue, Index Catalogue

Kurz gesagt: Zwei große Kataloge mit tausenden Nebeln, Sternhaufen und Galaxien; daher Namen wie NGC 7000.

Wie im Alltag: Wie ein dickes Telefonbuch des Himmels, während der Messier-Katalog nur das Adressbuch der Bekanntesten ist.

Genauer: NGC steht für „New General Catalogue“ und wurde 1888 von John Louis Emil Dreyer veröffentlicht; er enthält 7.840 Objekte. Die Ergänzungen heißen „Index Catalogue“ (IC) mit zusammen über 5.000 weiteren Einträgen. Viele Messier-Objekte haben auch eine NGC-Nummer, zum Beispiel ist M31 gleich NGC 224.

Siehe auch: Messier-Katalog · Deep-Sky-Objekt

Nordlicht

Sonnensystemauch: Aurora borealis, Südlicht

Kurz gesagt: Ein Polarlicht auf der Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel heißt es Südlicht.

Genauer: Der Fachbegriff lautet Aurora borealis, das Südlicht heißt Aurora australis. Typische Nordlicht-Gebiete sind Nordskandinavien, Island, Kanada und Alaska. In Mitteleuropa sind Nordlichter selten, bei kräftigen Sonnenstürmen aber möglich. Kameras zeigen die Farben oft deutlicher als das Auge.

Siehe auch: Polarlicht · Magnetosphäre · Sonnenzyklus

Nova

Sterneauch: Novae

Kurz gesagt: Ein plötzlicher Helligkeitsausbruch auf einem Weißen Zwerg – der Stern selbst überlebt.

Wie im Alltag: Wie ein Funkenflug, nicht wie eine Explosion des ganzen Hauses.

Genauer: In einem engen Doppelsternsystem saugt ein Weißer Zwerg Gas von seinem Begleiter ab. Sammelt sich genug Wasserstoff auf seiner Oberfläche, zündet eine Kernfusion explosionsartig. Der Stern wird dabei für einige Tage bis Wochen tausend- bis hunderttausendfach heller. Das Wort kommt vom lateinischen „stella nova“, neuer Stern, weil er früher scheinbar aus dem Nichts auftauchte.

Siehe auch: Weißer Zwerg · Doppelstern · Supernova · Veränderlicher Stern

O

6 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit O

Observatorium

Raumfahrt & Forschungauch: Forschungssternwarte

Kurz gesagt: Eine Einrichtung zur wissenschaftlichen Himmelsbeobachtung, oft mit großen Teleskopen auf Bergen.

Wie im Alltag: Wie ein Forschungslabor, dessen Arbeitsplatz der Nachthimmel ist.

Genauer: Große Observatorien stehen an Orten mit trockener, ruhiger Luft und wenig Lichtverschmutzung, etwa in der Atacama-Wüste in Chile oder auf Hawaii und den Kanaren. Neben optischen Teleskopen gibt es Radio-, Röntgen- und Weltraumobservatorien. Im Deutschen werden „Observatorium“ und „Sternwarte“ oft gleich verwendet.

Siehe auch: Sternwarte · Radioteleskop · Weltraumteleskop

Offener Sternhaufen

Sternhaufen & Galaxienauch: Galaktischer Sternhaufen

Kurz gesagt: Eine lockere Gruppe aus einigen Dutzend bis einigen Tausend jungen Sternen.

Wie im Alltag: Wie eine Schulklasse auf dem Pausenhof, die sich mit der Zeit verteilt.

Genauer: Offene Sternhaufen liegen in der Scheibe der Milchstraße und sind meist nur einige Millionen bis einige hundert Millionen Jahre alt. Sie sind so locker gebunden, dass sie sich mit der Zeit auflösen. Das bekannteste Beispiel sind die Plejaden (M 45, „Siebengestirn“) im Stier in rund 440 Lichtjahren Entfernung. Auch die Hyaden und der Doppelhaufen im Perseus gehören dazu.

Siehe auch: Sternhaufen · Kugelsternhaufen · Sternassoziation · Reflexionsnebel

Öffnung

Beobachtenauch: Apertur, Objektivdurchmesser

Kurz gesagt: Der Durchmesser der Linse oder des Hauptspiegels – die wichtigste Zahl an einem Teleskop.

Wie im Alltag: Wie die Größe eines Eimers im Regen: Je größer, desto mehr fängt er auf.

Genauer: Die Lichtmenge wächst mit der Fläche, also mit dem Quadrat des Durchmessers: Ein Teleskop mit doppelter Öffnung sammelt viermal so viel Licht. Größere Öffnung zeigt schwächere Objekte und trennt feinere Details. Angegeben wird sie meist in Millimetern, bei amerikanischen Geräten auch in Zoll.

Siehe auch: Lichtstärke · Teleskop · Grenzgröße

Okular

Beobachtenauch: Eyepiece

Kurz gesagt: Die kleine Linseneinheit, durch die du ins Teleskop schaust; sie bestimmt die Vergrößerung.

Wie im Alltag: Wie die Lupe, mit der du dir das Bild anschaust, das das Teleskop entworfen hat.

Genauer: Okulare werden gewechselt, um unterschiedliche Vergrößerungen und Bildfelder zu bekommen. Kurze Brennweite heißt starke Vergrößerung. Wichtig sind außerdem das scheinbare Gesichtsfeld (wie „weit“ der Blick wirkt) und der Augenabstand, besonders für Brillenträger. Bei Smart-Teleskopen gibt es kein Okular, dort übernimmt der Bildschirm diese Rolle.

Siehe auch: Vergrößerung · Teleskop

Oortsche Wolke

Sonnensystemauch: Oort-Wolke, Oortsche Kometenwolke

Kurz gesagt: Eine vermutete, kugelförmige Hülle aus Billionen eisiger Körper ganz am äußersten Rand des Sonnensystems.

Wie im Alltag: Wie eine riesige, unsichtbare Seifenblase aus Eisbrocken, die das ganze Sonnensystem umhüllt.

Genauer: Die Oortsche Wolke wurde nie direkt beobachtet. Man schließt auf sie, weil langperiodische Kometen aus allen Richtungen zu uns kommen. Sie könnte sich von etwa 2.000 bis über 100.000 Astronomische Einheiten erstrecken, also bis etwa zur halben Strecke zum nächsten Stern.

Siehe auch: Komet · Kuipergürtel · Sonnensystem

Opposition

Ereignisseauch: Gegenschein (Planet)

Kurz gesagt: Ein Planet steht der Sonne genau gegenüber. Dann ist er die ganze Nacht sichtbar und besonders hell.

Genauer: In Opposition geht ein äußerer Planet wie Mars, Jupiter oder Saturn bei Sonnenuntergang auf und steht um Mitternacht im Süden. Er ist der Erde dann besonders nah. Für Planetenbeobachtungen ist das die beste Zeit. Merkur und Venus können nie in Opposition kommen.

Siehe auch: Konjunktion · Größte Elongation · Kulmination

P

19 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit P

Parallaktische (äquatoriale) Montierung

Beobachtenauch: Äquatoriale Montierung, EQ-Montierung, Deutsche Montierung

Kurz gesagt: Eine Montierung, deren Hauptachse parallel zur Erdachse steht, damit eine einzige Drehung den Sternen folgt.

Wie im Alltag: Wie wenn du dich mit derselben Geschwindigkeit drehst wie ein Karussell – dann steht alles still.

Genauer: Ist die Stundenachse genau auf den Himmelspol ausgerichtet, gleicht ein Motor die Erddrehung mit einer Bewegung aus. Das Bild dreht sich dann nicht, was lange Belichtungen ermöglicht. Dafür muss man die Montierung vor jeder Nacht einnorden. Für Deep-Sky-Fotografie mit längeren Brennweiten ist sie der Standard.

Siehe auch: Einnorden (Polausrichtung) · Nachführung · Himmelspol · Montierung

Parallaxe

Entfernung & Helligkeitauch: Sternparallaxe, jährliche Parallaxe

Kurz gesagt: Die scheinbare Verschiebung eines nahen Sterns vor dem Hintergrund, wenn die Erde um die Sonne läuft. Daraus berechnet man seine Entfernung.

Wie im Alltag: Halte einen Daumen hoch und schließ abwechselnd ein Auge: Der Daumen springt vor dem Hintergrund hin und her.

Genauer: Im Abstand eines halben Jahres sieht man einen Stern von zwei Punkten der Erdbahn aus. Je näher er ist, desto größer der Winkel. Die Winkel sind winzig, selbst beim nächsten Stern unter einer Bogensekunde. Die ESA-Raumsonde Gaia hat so die Positionen und Entfernungen von über einer Milliarde Sternen vermessen.

Siehe auch: Parsec · Bogensekunde · Eigenbewegung

Parsec

Entfernung & Helligkeitauch: pc, Parsek

Kurz gesagt: Ein Entfernungsmaß der Profis: 1 Parsec sind etwa 3,26 Lichtjahre oder rund 31 Billionen Kilometer.

Genauer: Der Name kommt von „Parallaxe“ und „Sekunde“: Aus einem Parsec Entfernung erscheint der Erdbahnradius (1 AE) unter einem Winkel von einer Bogensekunde. Daraus folgen etwa 3,086 × 10^16 m. In der Fachliteratur werden Entfernungen von Sternen und Galaxien meist in Parsec angegeben.

Siehe auch: Parallaxe · Bogensekunde · Lichtjahr · Kiloparsec · Megaparsec

Perigäum

Himmel & Bewegungauch: Erdnähe

Kurz gesagt: Der erdnächste Punkt auf der Bahn des Mondes oder eines Satelliten.

Genauer: Der Mond kommt der Erde im Perigäum bis auf etwa 356.000 bis 370.000 km nahe, je nach Umlauf. Fällt ein Vollmond in die Nähe des Perigäums, spricht man umgangssprachlich vom Supermond.

Siehe auch: Apogäum · Supermond · Perihel

Perihel

Himmel & Bewegungauch: Sonnennähe

Kurz gesagt: Der Punkt einer Bahn um die Sonne, an dem der Körper ihr am nächsten kommt.

Genauer: Die Erde erreicht ihr Perihel jedes Jahr Anfang Januar mit gut 147 Millionen km Abstand. Dass bei uns dann Winter ist, zeigt: Die Jahreszeiten entstehen durch die schräge Erdachse, nicht durch den Abstand zur Sonne.

Siehe auch: Aphel · Ellipse · Umlaufbahn · Perigäum

Photon

Licht & Strahlungauch: Lichtteilchen, Lichtquant

Kurz gesagt: Das kleinste Lichtteilchen, ein einzelnes Energiepäckchen elektromagnetischer Strahlung.

Wie im Alltag: Wenn Licht ein Regen ist, sind Photonen die einzelnen Tropfen.

Genauer: Ein Photon hat keine Ruhemasse und bewegt sich immer mit Lichtgeschwindigkeit. Seine Energie hängt von der Wellenlänge ab: Blaue Photonen tragen mehr Energie als rote, Gamma-Photonen am meisten. Ein Kamerasensor zählt im Grunde einfallende Photonen, deshalb sammeln lange Belichtungen mehr Signal.

Siehe auch: Licht · Wellenlänge · Belichtungszeit · Rauschen

Photosphäre

Sonnensystemauch: Sonnenoberfläche

Kurz gesagt: Die sichtbare „Oberfläche“ der Sonne, von der fast das ganze Licht kommt, das wir sehen.

Wie im Alltag: Wie die Oberfläche einer dichten Nebelwand: Man sieht nur bis dorthin, nicht tiefer hinein.

Genauer: Die Photosphäre ist keine feste Oberfläche, sondern eine einige Hundert Kilometer dicke Gasschicht, durch die das Licht nach außen entweichen kann. Ihre Temperatur liegt bei etwa 5.500 Grad Celsius. Hier sind Sonnenflecken und eine körnige Struktur zu sehen, die Granulation.

Siehe auch: Chromosphäre · Korona · Sonnenfleck · Sonne

Planet

Sonnensystemauch: Wandelstern

Kurz gesagt: Ein großer Himmelskörper, der die Sonne umkreist, durch seine eigene Schwerkraft rund ist und seine Bahn von anderen Körpern freigeräumt hat.

Wie im Alltag: Planeten sind die großen Brocken, die auf ihrer Umlaufbahn die Straße für sich allein haben.

Genauer: Seit 2006 gilt die Planeten-Definition der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Danach hat unser Sonnensystem acht Planeten: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Planeten leuchten nicht selbst, sondern spiegeln das Sonnenlicht. Deshalb funkeln sie am Himmel meist weniger als Sterne.

Siehe auch: Gesteinsplanet · Gasplanet · Eisriese · Zwergplanet · Exoplanet

Planetarischer Nebel

Nebel, Gas & Staubauch: PN

Kurz gesagt: Die leuchtende, abgestoßene Gashülle eines sterbenden sonnenähnlichen Sterns.

Wie im Alltag: Wie ein Rauchring, den ein Stern zum Abschied in den Raum bläst.

Genauer: Mit Planeten hat er nichts zu tun: Im kleinen Teleskop sahen manche wie Planetenscheibchen aus, daher der Name. Am Ende seines Lebens stößt ein Roter Riese seine Hülle ab, der heiße Kern bringt sie zum Leuchten. Zurück bleibt ein Weißer Zwerg. Die Nebel leuchten nur einige zehntausend Jahre. Bekannt sind der Ringnebel (M 57) und der Hantelnebel (M 27).

Siehe auch: Roter Riese · Weißer Zwerg · Emissionsnebel · Sternentwicklung

Planetarium

Beobachten

Kurz gesagt: Ein Raum mit Kuppel, in dem der Sternenhimmel auf die Decke projiziert wird.

Wie im Alltag: Wie ein Kino, bei dem die Leinwand der ganze Himmel über dir ist.

Genauer: Ein Projektor oder heute oft mehrere digitale Projektoren zeigen den Himmel zu jeder Zeit und von jedem Ort aus. Das erste Projektionsplanetarium wurde von Zeiss gebaut und 1923 im Deutschen Museum in München vorgeführt. Planetarien sind gute Orte, um Sternbilder zu lernen, wenn draußen Wolken sind.

Siehe auch: Sternwarte · Sternbild

Plasma

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Ein so heißes oder stark angeregtes Gas, dass sich Elektronen von den Atomen gelöst haben. Oft „vierter Aggregatzustand“ genannt.

Wie im Alltag: Blitze und das Leuchten in einer Neonröhre sind Plasma, das du auf der Erde sehen kannst.

Genauer: Der größte Teil der sichtbaren Materie im Universum liegt als Plasma vor, zum Beispiel in Sternen, im Sonnenwind und in leuchtenden Nebeln. Weil Plasma elektrisch geladen ist, wird es von Magnetfeldern geformt. Das sieht man etwa an Protuberanzen und Polarlichtern.

Siehe auch: Ion · Ionisation · Sonnenwind · Protuberanz

Plate Solving

Astrofotografieauch: Astrometrie, Plate Solve

Kurz gesagt: Eine Software erkennt anhand der Sternmuster auf einem Foto genau, wohin die Kamera zeigt.

Wie im Alltag: Wie ein Ortungsdienst, der dein Foto mit einer Karte vergleicht und dir sagt, wo du stehst.

Genauer: Die Software vergleicht die Abstände und Muster der Sterne mit einem Sternkatalog und berechnet daraus Himmelskoordinaten, Bildfeld und Drehung. So kann die Montierung präzise nachjustieren und ein Objekt genau in die Bildmitte holen. Smart-Teleskope nutzen das für ihre automatische Ausrichtung.

Siehe auch: GoTo · Rektaszension · Deklination · Mosaik

Polarlicht

Sonnensystemauch: Aurora, Aurora borealis, Aurora australis

Kurz gesagt: Leuchtende Vorhänge, Bänder oder Bögen am Nachthimmel, wenn geladene Teilchen von der Sonne auf die obere Erdatmosphäre treffen.

Wie im Alltag: Ähnlich wie in einer Leuchtstoffröhre, in der Gas zum Leuchten angeregt wird, nur in riesigem Maßstab.

Genauer: Das Erdmagnetfeld lenkt die Teilchen vor allem zu den Polgebieten. Dort regen sie in etwa 100 bis 300 km Höhe Sauerstoff- und Stickstoffatome an. Sauerstoff leuchtet grün und in größerer Höhe rot, Stickstoff bläulich bis violett. Bei starken Sonnenstürmen sind Polarlichter auch in Deutschland zu sehen, oft zuerst als rötlicher Schimmer im Norden.

Siehe auch: Nordlicht · Magnetosphäre · Koronaler Massenauswurf · Sonnenwind · Emissionslinie

Polarstern

Himmel & Bewegungauch: Polaris, Nordstern, Alpha Ursae Minoris

Kurz gesagt: Der helle Stern ganz nah am Himmelsnordpol. Er steht scheinbar still und zeigt dir immer die Nordrichtung.

Genauer: Der Polarstern (Polaris) ist der hellste Stern im Kleinen Wagen und etwa 2. Größe hell. Seine Entfernung ist noch umstritten, die meisten Messungen liegen bei gut 430 bis 450 Lichtjahren. Durch die Präzession ist er nicht für immer Polarstern; in einigen tausend Jahren übernehmen andere Sterne die Rolle.

Siehe auch: Himmelspol · Präzession · Zirkumpolarstern · Asterismus

Präzession

Himmel & Bewegungauch: Präzession der Erdachse

Kurz gesagt: Die Erdachse taumelt langsam wie ein Kreisel. Für eine Runde braucht sie rund 26.000 Jahre.

Wie im Alltag: Wie ein Kinderkreisel, dessen Achse eine Kreisbahn beschreibt.

Genauer: Ursache sind Sonne und Mond, die an der leicht abgeplatteten Erde ziehen. Dadurch wandern die Himmelspole und der Frühlingspunkt langsam über den Himmel. Sternkoordinaten gelten deshalb immer für ein Bezugsjahr, heute meist J2000.

Siehe auch: Polarstern · Himmelspol · Tierkreis · Rektaszension

Protoplanetare Scheibe

Nebel, Gas & Staubauch: Proplyd, Planetenentstehungsscheibe

Kurz gesagt: Eine flache Scheibe aus Gas und Staub um einen jungen Stern, aus der Planeten entstehen.

Wie im Alltag: Wie Teig auf einer sich drehenden Pizzaplatte, aus dem sich Klümpchen bilden.

Genauer: Beim Entstehen eines Sterns bleibt ein Teil des Materials in einer rotierenden Scheibe zurück. Staubkörner kleben zusammen, werden größer und wachsen schließlich zu Planeten. Teleskope wie ALMA haben Scheiben mit Lücken und Ringen gezeigt, in denen vermutlich Planeten entstehen. So ist vor rund 4,6 Milliarden Jahren auch unser Sonnensystem entstanden.

Siehe auch: Akkretionsscheibe · Protostern · T-Tauri-Stern · Exoplanet · Sonnensystem

Protostern

Sterneauch: Vorstern

Kurz gesagt: Ein Stern im Entstehen, der noch Gas aus seiner Umgebung aufsammelt.

Wie im Alltag: Wie ein Baby, das noch in der Hülle steckt.

Genauer: Ein Protostern bildet sich, wenn ein dichter Bereich einer Molekülwolke unter seiner eigenen Schwerkraft zusammenfällt. Er wird dabei heiß, aber die Kernfusion hat noch nicht dauerhaft begonnen. Meist steckt er tief in Staub und ist daher nur im Infrarot zu sehen. Um ihn herum dreht sich oft eine Scheibe, aus der er weiter Material bekommt.

Siehe auch: Sternentstehung · Molekülwolke · T-Tauri-Stern · Akkretionsscheibe

Protuberanz

Sonnensystemauch: Filament

Kurz gesagt: Eine riesige Wolke oder ein Bogen aus leuchtendem Gas, der über den Rand der Sonne hinausragt.

Wie im Alltag: Wie eine leuchtende Flammenzunge, die aus der Sonne in den Weltraum greift.

Genauer: Protuberanzen bestehen aus kühlerem, dichterem Plasma, das von Magnetfeldern über der Sonnenoberfläche gehalten wird. Sie können viel größer als die Erde werden und tage- bis monatelang bestehen. Mit einem H-Alpha-Sonnenteleskop oder bei einer totalen Sonnenfinsternis werden sie sichtbar.

Siehe auch: Korona · Chromosphäre · H-Alpha · Plasma · Sonnenfinsternis

Pulsar

Sterne

Kurz gesagt: Ein schnell rotierender Neutronenstern, dessen Strahlung wie ein Leuchtturm regelmäßig über die Erde streicht.

Wie im Alltag: Wie das Licht eines Leuchtturms, das man nur sieht, wenn der Strahl gerade auf einen zeigt.

Genauer: Ein Pulsar sendet entlang seiner Magnetpole gebündelte Strahlung aus. Dreht er sich, empfangen wir sehr regelmäßige Pulse – manche im Sekundentakt, andere hunderte Male pro Sekunde. Der erste Pulsar wurde 1967 von Jocelyn Bell Burnell entdeckt. Ein bekanntes Beispiel sitzt im Krebsnebel (M 1).

Siehe auch: Neutronenstern · Magnetar · Supernova-Überrest · Radiowellen

Q

1 Begriff

Astronomie-Glossar: Begriffe mit Q

Quasar

Sternhaufen & Galaxienauch: QSO

Kurz gesagt: Der extrem helle Kern einer fernen Galaxie, angetrieben von einem fressenden Schwarzen Loch.

Wie im Alltag: Wie ein Leuchtturm, der so hell ist, dass man die Küste dahinter nicht mehr sieht.

Genauer: Quasare können hunderte- bis tausendfach heller leuchten als alle Sterne ihrer Galaxie zusammen. Im Teleskop sehen sie punktförmig aus wie Sterne, daher der Name (von „quasi-stellar“). Die meisten sind Milliarden Lichtjahre entfernt – wir sehen sie also, wie sie im jungen Universum waren. Der hellste, 3C 273, ist schon mit einem größeren Amateurteleskop zu finden.

Siehe auch: Aktive Galaxie · Blazar · Schwarzes Loch · Rotverschiebung

R

17 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit R

Radiant

Sonnensystemauch: Ausstrahlungspunkt

Kurz gesagt: Der Punkt am Himmel, aus dem die Sternschnuppen eines Meteorstroms scheinbar herauskommen.

Wie im Alltag: Wie bei einer Autofahrt durch dichtes Schneegestöber: Alle Flocken scheinen aus einem Punkt vor dir zu kommen.

Genauer: In Wirklichkeit fliegen die Teilchen parallel zueinander. Der Radiant entsteht durch die Perspektive, ähnlich wie Schienen, die in der Ferne zusammenzulaufen scheinen. Die Sternschnuppen erscheinen trotzdem überall am Himmel; du musst also nicht direkt auf den Radianten schauen.

Siehe auch: Meteorstrom · Sternschnuppe · Sternbild

Radioteleskop

Raumfahrt & Forschungauch: Radioantenne

Kurz gesagt: Eine große Antenne, meist eine Schüssel, die Radiowellen aus dem All empfängt.

Wie im Alltag: Wie eine riesige Satellitenschüssel, die nicht Fernsehen, sondern Sterne und Galaxien „hört“.

Genauer: Viele Vorgänge im Universum strahlen Radiowellen ab, etwa kaltes Wasserstoffgas, Pulsare und aktive Galaxienkerne. Weil Radiowellen sehr lang sind, braucht man große Antennen oder viele zusammengeschaltete Schüsseln. Das Radioteleskop Effelsberg in der Eifel hat eine Schüssel mit 100 Metern Durchmesser und gehört zu den größten voll beweglichen Radioteleskopen der Welt.

Siehe auch: Radiowellen · Pulsar · Observatorium

Radiowellen

Licht & Strahlungauch: Radiostrahlung

Kurz gesagt: Elektromagnetische Strahlung mit sehr langen Wellen, von Millimetern bis zu vielen Metern. Viele Himmelsobjekte senden sie aus.

Wie im Alltag: Dieselbe Strahlung wie bei deinem Autoradio, nur senden hier Sterne, Gaswolken und Galaxien.

Genauer: Radiowellen kommen durch die Atmosphäre und sogar durch Wolken hindurch, deshalb kann man auch tagsüber und bei schlechtem Wetter beobachten. Kalter Wasserstoff im All sendet bei 21 Zentimetern Wellenlänge, damit wurde die Spiralstruktur der Milchstraße kartiert. Auch Pulsare und Quasare wurden mit Radioteleskopen entdeckt.

Siehe auch: Radioteleskop · Mikrowellen · Pulsar · Quasar · Wasserstoff

Raumsonde

Raumfahrt & Forschungauch: Sonde, Space Probe

Kurz gesagt: Ein unbemanntes Raumfahrzeug, das zu anderen Himmelskörpern fliegt und sie erforscht.

Wie im Alltag: Wie ein ferngesteuerter Kundschafter, der Fotos und Messwerte nach Hause schickt.

Genauer: Raumsonden fliegen an Planeten, Monden, Asteroiden oder Kometen vorbei, umkreisen sie oder landen sogar. Sie funken ihre Daten über riesige Antennen zur Erde. Die Sonde Voyager 1, 1977 gestartet, ist heute das am weitesten von der Erde entfernte von Menschen gebaute Objekt.

Siehe auch: Satellit · Sonnensystem · Weltraumteleskop

Rauschen

Astrofotografieauch: Bildrauschen, Noise

Kurz gesagt: Zufällige Körnung und Farbflecken im Bild, besonders in dunklen Bereichen.

Wie im Alltag: Wie das Rauschen eines Radios zwischen zwei Sendern.

Genauer: Rauschen hat mehrere Ursachen: die zufällige Ankunft der Lichtteilchen selbst, die Wärme des Sensors und die Elektronik beim Auslesen. Gegen Wärmerauschen helfen Kühlung und Dark Frames. Am wirksamsten ist aber mehr Gesamtbelichtung: Werden viele Bilder gestackt, wächst das Signal schneller als das Rauschen.

Siehe auch: Stacking · Dark Frame · Gekühlte Kamera · ISO

RAW

Astrofotografieauch: Rohdaten, FITS

Kurz gesagt: Ein Dateiformat mit den unbearbeiteten Sensordaten, ideal für die spätere Bearbeitung.

Wie im Alltag: Wie ein Teig, den du noch formen kannst, während ein JPG schon fertig gebacken ist.

Genauer: RAW-Dateien enthalten alle vom Sensor gemessenen Helligkeitsstufen ohne Schärfung, Rauschfilter oder starke Kompression. Für Stacking und Stretching ist das wichtig, weil schwache Signale sonst verloren gehen. Astrokameras speichern meist im FITS-Format, das denselben Zweck erfüllt.

Siehe auch: Stacking · Stretching · Histogramm

Reflektor (Spiegelteleskop)

Beobachtenauch: Spiegelteleskop, Reflektor

Kurz gesagt: Ein Teleskop, das Licht mit einem gewölbten Spiegel statt mit einer Linse sammelt.

Wie im Alltag: Wie eine Satellitenschüssel, die Signale auf einen Punkt lenkt – nur mit Licht.

Genauer: Ein Spiegel bricht das Licht nicht, deshalb gibt es keine Farbsäume. Große Spiegel lassen sich günstiger herstellen als große Linsen, darum sind fast alle großen Forschungsteleskope Spiegelteleskope. Nachteile: Das Rohr ist oft offen, die Spiegel müssen ab und zu justiert werden und brauchen Zeit, um sich an die Nachttemperatur anzupassen.

Siehe auch: Newton-Teleskop · Schmidt-Cassegrain · Refraktor · Teleskop

Reflexionsnebel

Nebel, Gas & Staub

Kurz gesagt: Eine Staubwolke, die das Licht naher Sterne zurückwirft und meist bläulich schimmert.

Wie im Alltag: Wie Nebel im Scheinwerferlicht eines Autos.

Genauer: Der Staub leuchtet nicht selbst, sondern streut das Sternlicht. Blaues Licht wird dabei stärker gestreut als rotes – aus demselben Grund, aus dem unser Himmel blau ist. Die Sterne sind nicht heiß genug, um das Gas selbst zum Leuchten zu bringen. Ein bekanntes Beispiel ist der Schleier um die Plejaden (M 45).

Siehe auch: Nebel · Interstellarer Staub · Emissionsnebel · Offener Sternhaufen

Refraktor

Beobachtenauch: Linsenteleskop, Linsenfernrohr

Kurz gesagt: Ein Linsenteleskop: Vorne sitzt eine Linse, die das Licht bündelt.

Wie im Alltag: Wie eine riesige Lupe am Ende eines Rohres.

Genauer: Refraktoren haben ein geschlossenes Rohr, brauchen kaum Justage und liefern ein kontrastreiches Bild ohne Fangspiegel im Strahlengang. Einfache Linsen erzeugen Farbsäume, weil sie Farben unterschiedlich stark brechen; bessere Geräte gleichen das mit mehreren Linsen und Spezialglas aus. Für Astrofotografie mit kleinen Brennweiten sind sie sehr beliebt.

Siehe auch: Apochromat · Chromatische Aberration · Reflektor (Spiegelteleskop) · Teleskop

Rektaszension

Himmel & Bewegungauch: RA, α

Kurz gesagt: Die „Längengrad“-Angabe am Himmel. Sie wird in Stunden, Minuten und Sekunden gemessen, von 0 bis 24 Stunden.

Wie im Alltag: Wie der Längengrad auf dem Globus, nur an den Himmel übertragen.

Genauer: Gezählt wird ostwärts vom Frühlingspunkt aus, an dem die Sonne zur Frühlings-Tagundnachtgleiche steht. Eine Stunde entspricht 15°. Zusammen mit der Deklination ergibt sie die Position eines Objekts im äquatorialen Koordinatensystem, wie sie in Sternkarten und Teleskopsteuerungen steht.

Siehe auch: Deklination · Koordinatensystem · Tagundnachtgleiche

Riesenstern

Sterneauch: Riese

Kurz gesagt: Ein Stern, der sich am Ende seines Lebens stark aufgebläht hat.

Genauer: Hat ein Stern im Kern den Wasserstoff verbraucht, ändert sich sein Aufbau: Der Kern schrumpft, die Hülle dehnt sich gewaltig aus. Der Stern wird dadurch viel größer und heller, seine Oberfläche aber oft kühler. Je nach Größe spricht man von Riesen, Überriesen und Hyperriesen.

Siehe auch: Roter Riese · Überriese · Hyperriese · Sternentwicklung

Ringsystem

Sonnensystemauch: Planetenring, Saturnringe

Kurz gesagt: Flache Ringe aus unzähligen Eis- und Gesteinsbrocken, die einen Planeten umkreisen. Am bekanntesten sind die Ringe des Saturn.

Wie im Alltag: Wie eine Schallplatte aus Milliarden einzelner Schneebälle, die alle um den Planeten kreisen.

Genauer: Alle vier großen äußeren Planeten haben Ringe, doch nur die des Saturn sind im kleinen Teleskop leicht zu sehen. Sie sind Hunderttausende Kilometer breit, aber meist nur rund zehn Meter bis höchstens etwa einen Kilometer dick. Die Teilchen reichen von Staubkorn- bis Hausgröße.

Siehe auch: Gasplanet · Eisriese · Planet

Röntgenstrahlung

Licht & Strahlungauch: X-Strahlung, X-ray

Kurz gesagt: Sehr energiereiche, kurzwellige Strahlung. Im All stammt sie von extrem heißen oder heftigen Vorgängen.

Wie im Alltag: Dieselbe Strahlungsart wie beim Arzt, nur dass im All Sterne und Schwarze Löcher das Gerät sind.

Genauer: Röntgenstrahlung entsteht etwa in Millionen Grad heißem Gas in Galaxienhaufen, in der Sonnenkorona, bei Neutronensternen und in der Umgebung Schwarzer Löcher. Die Erdatmosphäre schluckt sie vollständig, daher gelingt Röntgenastronomie nur mit Satelliten.

Siehe auch: Gammastrahlung · Schwarzes Loch · Korona · Elektromagnetisches Spektrum

Rotation

Himmel & Bewegungauch: Eigendrehung

Kurz gesagt: Die Drehung eines Himmelskörpers um seine eigene Achse. Die Erdrotation sorgt für Tag und Nacht.

Genauer: Die Erde dreht sich relativ zu den Sternen in etwa 23 Stunden 56 Minuten einmal (Sterntag), relativ zur Sonne in 24 Stunden. Deshalb geht jeder Stern jeden Tag knapp 4 Minuten früher auf. Der Mond dreht sich genauso schnell, wie er die Erde umläuft, und zeigt uns daher immer dieselbe Seite.

Siehe auch: Umlaufzeit · Aufgang und Untergang · Libration

Roter Riese

Sterne

Kurz gesagt: Ein alter, aufgeblähter Stern mit kühler, rötlich leuchtender Oberfläche.

Wie im Alltag: Wie ein Ballon, der immer größer wird, während die Haut dünner und kühler wird.

Genauer: In diese Phase kommen Sterne mit etwa 0,3 bis 8 Sonnenmassen. Ihr Durchmesser kann auf das Hundertfache anwachsen. Auch die Sonne wird in rund 5 Milliarden Jahren zum Roten Riesen und dabei vermutlich Merkur und Venus verschlucken. Ein bekannter Roter Riese am Himmel ist Aldebaran im Stier.

Siehe auch: Riesenstern · Weißer Zwerg · Sternentwicklung · Planetarischer Nebel

Roter Zwerg

Sterneauch: M-Zwerg

Kurz gesagt: Ein kleiner, kühler, rötlicher Stern – die häufigste Sternart in der Milchstraße.

Wie im Alltag: Wie eine Kerze, die ganz sparsam brennt und dafür fast ewig hält.

Genauer: Rote Zwerge haben nur etwa 8 bis 50 % der Sonnenmasse und leuchten sehr schwach. Weil sie ihren Brennstoff extrem langsam verbrauchen, können sie Billionen Jahre alt werden – länger, als das Universum bisher existiert. Etwa drei Viertel aller Sterne in unserer Umgebung sind Rote Zwerge, keiner davon ist mit bloßem Auge sichtbar. Der nächste Stern nach der Sonne, Proxima Centauri, ist einer.

Siehe auch: Zwergstern · Spektralklasse · Hauptreihenstern

Rotverschiebung

Licht & Strahlungauch: z

Kurz gesagt: Die Verschiebung des Lichts zu längeren, also röteren Wellenlängen, wenn sich ein Objekt von uns entfernt oder der Raum sich ausdehnt.

Wie im Alltag: Wie bei einem Krankenwagen, dessen Sirene tiefer klingt, sobald er sich von dir entfernt.

Genauer: Bei fernen Galaxien kommt die Rotverschiebung vor allem daher, dass sich das Universum ausdehnt und dabei die Lichtwellen mitgedehnt werden. Je weiter eine Galaxie entfernt ist, desto stärker ist ihr Licht rotverschoben. Astronomen geben sie mit dem Buchstaben z an.

Siehe auch: Blauverschiebung · Doppler-Effekt · Hubble-Konstante · Spektrallinie · Urknall

S

53 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit S

Satellit

Raumfahrt & Forschungauch: Künstlicher Satellit

Kurz gesagt: Ein Objekt, das einen Planeten umkreist; meist sind künstliche Raumflugkörper gemeint.

Wie im Alltag: Wie ein Ball an einer unsichtbaren Schnur, der immer um dich herumfliegt.

Genauer: Der erste künstliche Satellit war Sputnik 1, gestartet am 4. Oktober 1957. Heute umkreisen viele tausend aktive Satelliten die Erde für Navigation, Kommunikation, Wetter und Forschung. Auch natürliche Monde sind im Grunde Satelliten. Nach Sonnenuntergang sieht man Satelliten oft als langsam wandernde Lichtpunkte.

Siehe auch: Satellitenspur · Starlink · ISS · Mond · Umlaufbahn

Satellitenspur

Raumfahrt & Forschungauch: Satellitenstreifen

Kurz gesagt: Ein heller Strich auf einem Astrofoto, den ein vorbeiziehender Satellit hinterlassen hat.

Wie im Alltag: Wie der Kondensstreifen eines Flugzeugs auf einem Himmelsfoto.

Genauer: Satelliten reflektieren Sonnenlicht und werden so in der Dämmerung und den ersten Nachtstunden sichtbar. Auf Langzeitbelichtungen erscheinen sie als gerade Linien. Beim Stacking vieler Bilder lassen sich die Spuren mit statistischen Verfahren herausrechnen, weil sie nur in einzelnen Bildern vorkommen.

Siehe auch: Satellit · Starlink · Stacking

Sauerstoff (O-III)

Licht & Strahlungauch: OIII, O III, [O III]

Kurz gesagt: Zweifach ionisierter Sauerstoff. Er leuchtet blaugrün und ist neben H-Alpha die wichtigste Linie für Nebelfotos.

Wie im Alltag: Das zarte Türkis in vielen Nebelaufnahmen ist meist O-III-Licht.

Genauer: O-III sendet vor allem bei 500,7 Nanometern und 495,9 Nanometern. Dieses Licht entsteht nur in sehr dünnem Gas, das von heißen Sternen stark angeregt wird, typisch für planetarische Nebel und Supernova-Überreste. In der Hubble-Palette wird O-III meist blau dargestellt.

Siehe auch: Emissionslinie · Schmalbandfilter · HOO · Planetarischer Nebel · Ion

Scheinbare Helligkeit

Entfernung & Helligkeitauch: scheinbare Größe, m

Kurz gesagt: Wie hell ein Stern von der Erde aus wirkt – egal, wie hell er wirklich ist und wie weit er entfernt ist.

Wie im Alltag: Eine Kerze direkt vor dir wirkt heller als ein Flutlicht in 10 Kilometern Entfernung.

Genauer: Die scheinbare Helligkeit wird in Magnituden angegeben; kleinere Zahlen heißen heller. Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, hat etwa −1,5 mag, die Venus erreicht bis etwa −4,6 mag. Die Zahl sagt nichts darüber, ob ein Stern nah und schwach oder fern und mächtig ist.

Siehe auch: Magnitude · Absolute Helligkeit · Grenzgröße

Schmalbandfilter

Astrofotografieauch: Narrowband-Filter, Duo-Band-Filter, Dualband-Filter

Kurz gesagt: Ein Filter, der nur das Licht ganz bestimmter leuchtender Gase durchlässt, etwa Wasserstoff oder Sauerstoff.

Wie im Alltag: Wie ein Radio, das nur einen einzigen Sender empfängt und alles andere ausblendet.

Genauer: Emissionsnebel leuchten in schmalen Linien, zum Beispiel H-Alpha (656 nm), O-III (501 nm) und S-II (672 nm). Ein Schmalbandfilter lässt nur einen kleinen Bereich um eine solche Linie durch und blockt Lichtverschmutzung und Mondlicht weitgehend. Duo-Band-Filter, wie Peter ihn am DWARF 3 nutzt, lassen zwei Linien gleichzeitig durch, meist H-Alpha und O-III.

Siehe auch: H-Alpha · Sauerstoff (O-III) · HOO · Hubble-Palette (SHO) · Lichtverschmutzungsfilter

Schmidt-Cassegrain

Beobachtenauch: SC, SCT

Kurz gesagt: Ein kompaktes Teleskop mit Spiegeln und einer dünnen Korrekturplatte vorne; das Licht wird im Rohr zweimal gefaltet.

Wie im Alltag: Wie ein Teleskop, das man zusammengeklappt hat: lange Brennweite in einem kurzen Rohr.

Genauer: Das Licht geht durch eine Korrekturplatte, trifft auf den Hauptspiegel, läuft zurück zu einem kleinen Spiegel und dann durch ein Loch im Hauptspiegel nach hinten zum Okular. So entsteht eine lange Brennweite in einem handlichen Gerät. Schmidt-Cassegrains eignen sich gut für Mond und Planeten und sind oft mit GoTo-Montierungen kombiniert.

Siehe auch: Reflektor (Spiegelteleskop) · GoTo · Vergrößerung

Schwarzes Loch

Sterne

Kurz gesagt: Ein Bereich, in dem die Schwerkraft so stark ist, dass nicht einmal Licht entkommen kann.

Wie im Alltag: Wie ein Wasserfall, gegen den kein Schwimmer mehr anschwimmen kann, sobald er die Kante überschritten hat.

Genauer: Stellare Schwarze Löcher entstehen, wenn sehr massereiche Sterne am Ende ihres Lebens in sich zusammenstürzen. Im Zentrum fast jeder großen Galaxie sitzt außerdem ein supermassereiches Schwarzes Loch mit Millionen bis Milliarden Sonnenmassen. Das in der Milchstraße heißt Sagittarius A* und hat rund 4 Millionen Sonnenmassen. 2019 und 2022 veröffentlichte das Event Horizon Telescope die ersten Bilder vom Schatten Schwarzer Löcher.

Siehe auch: Ereignishorizont · Akkretionsscheibe · Galaktisches Zentrum · Quasar · Neutronenstern

Schwefel (S-II)

Licht & Strahlungauch: SII, S II, [S II]

Kurz gesagt: Einfach ionisierter Schwefel. Er leuchtet tiefrot und ist die dritte klassische Schmalband-Linie in der Astrofotografie.

Genauer: S-II strahlt vor allem bei 671,6 und 673,1 Nanometern, also noch etwas röter als H-Alpha. Meist ist die Linie deutlich schwächer als H-Alpha und braucht lange Belichtungen. In der Hubble-Palette wird S-II rot dargestellt, H-Alpha grün und O-III blau.

Siehe auch: Schmalbandfilter · H-Alpha · Emissionslinie

Schwerkraft

Himmel & Bewegungauch: Gravitation

Kurz gesagt: Die Anziehung zwischen allen Massen. Sie hält dich auf dem Boden, den Mond bei der Erde und die Erde bei der Sonne.

Genauer: Je mehr Masse, desto stärker die Anziehung; je größer der Abstand, desto schwächer. Isaac Newton beschrieb sie im 17. Jahrhundert, Albert Einstein deutete sie 1915 als Krümmung von Raum und Zeit. Auf großen Skalen formt die Schwerkraft Sterne, Galaxien und das ganze kosmische Netz.

Siehe auch: Umlaufbahn · Gezeitenkraft · Gravitationslinse

Seeing (Luftunruhe)

Beobachtenauch: Luftunruhe, Szintillation

Kurz gesagt: Das Flimmern der Luft, das Sterne funkeln lässt und feine Details im Teleskop verschmiert.

Wie im Alltag: Wie die flirrende Luft über heißem Asphalt im Sommer.

Genauer: Luftschichten mit unterschiedlicher Temperatur brechen das Licht verschieden und wandern ständig. Bei schlechtem Seeing tanzen und wabern Sterne, bei gutem stehen sie ruhig. Es wird oft in Bogensekunden angegeben: Je kleiner der Wert, desto schärfer können Bilder werden. Seeing betrifft vor allem hohe Vergrößerungen bei Mond und Planeten.

Siehe auch: Transparenz · Bogensekunde · Vergrößerung

Sichel

Ereignisseauch: Mondsichel

Kurz gesagt: Die schmale, gebogene Lichtgestalt des Mondes kurz vor oder nach Neumond.

Genauer: Eine junge Mondsichel steht abends tief im Westen, eine alte morgens tief im Osten. Oft siehst du dann auch den Rest der Mondscheibe schwach leuchten – das ist der Erdschein. Auch Venus zeigt im Teleskop Sichelgestalt.

Siehe auch: Mondphase · Erdschein · Zunehmender / Abnehmender Mond

Sichtbares Licht

Licht & Strahlungauch: Optisches Licht

Kurz gesagt: Der kleine Teil des elektromagnetischen Spektrums, den unser Auge wahrnimmt: die Regenbogenfarben von Violett bis Rot.

Wie im Alltag: Ein Regenbogen zeigt dir das ganze sichtbare Licht, schön aufgefächert nach Farben.

Genauer: Sichtbares Licht reicht etwa von 380 Nanometern (Violett) bis 780 Nanometern (Rot). Dass unsere Augen genau diesen Bereich sehen, passt dazu, dass die Sonne hier besonders hell strahlt und die Atmosphäre ihn gut durchlässt. Normale Kamerasensoren erfassen ungefähr denselben Bereich.

Siehe auch: Licht · Wellenlänge · Spektrum · Ultraviolettes Licht · Infrarot

Sonne

Sterneauch: Sol

Kurz gesagt: Unser Stern: ein ganz gewöhnlicher gelblicher Stern im Zentrum des Sonnensystems.

Wie im Alltag: Würde die Sonne so groß sein wie ein Fußball, wäre die Erde etwa so groß wie ein Stecknadelkopf.

Genauer: Die Sonne ist etwa 4,6 Milliarden Jahre alt und ein Hauptreihenstern der Spektralklasse G2. Ihr Durchmesser beträgt rund 1,39 Millionen km, das ist etwa das 109-Fache der Erde. Ihr Licht braucht im Mittel etwa 8 Minuten und 20 Sekunden bis zu uns. Sie enthält über 99,8 % der Masse des Sonnensystems.

Siehe auch: Stern · Hauptreihenstern · Spektralklasse · Sonnenwind · Sonnensystem

Sonnen-Eruption (Flare)

Sonnensystemauch: Flare, Sonneneruption

Kurz gesagt: Ein plötzlicher, extrem heller Strahlungsausbruch auf der Sonne, bei dem in Minuten riesige Energiemengen frei werden.

Wie im Alltag: Wie ein Gummiband, das man immer stärker verdreht, bis es mit einem Schlag zurückschnellt.

Genauer: Flares entstehen, wenn sich verdrehte Magnetfelder in aktiven Regionen der Sonne plötzlich neu ordnen. Sie senden Strahlung von Radiowellen bis Röntgenstrahlung aus. Starke Flares können Funkverbindungen auf der Erde stören. Eingeteilt werden sie nach ihrer Röntgenhelligkeit in Klassen, die stärkste ist die X-Klasse.

Siehe auch: Koronaler Massenauswurf · Sonnenfleck · Röntgenstrahlung · Sonnenzyklus

Sonnenfackel

Sonnensystemauch: Fackel, Facula

Kurz gesagt: Ein heller Bereich auf der Sonnenoberfläche, oft in der Nähe von Sonnenflecken, am besten am Sonnenrand zu sehen.

Genauer: Sonnenfackeln sind etwas heißer und heller als ihre Umgebung und entstehen ebenfalls durch Magnetfelder. Am Sonnenrand fallen sie besonders auf, weil die Sonnenscheibe dort dunkler wirkt. Nicht verwechseln mit einem Flare (Sonnen-Eruption), der im Englischen ähnlich klingt.

Siehe auch: Sonnenfleck · Photosphäre · Sonnen-Eruption (Flare)

Sonnenfinsternis

Ereignisseauch: Solare Finsternis

Kurz gesagt: Der Neumond schiebt sich vor die Sonne und verdeckt sie ganz oder teilweise. Nur mit geeignetem Augenschutz beobachten!

Genauer: Dass Sonne und Mond gleich groß wirken, ist ein Zufall: Die Sonne ist rund 400-mal größer, aber auch rund 400-mal weiter weg. Der Kernschatten des Mondes trifft die Erde nur in einem schmalen Streifen. Eine totale Phase dauert höchstens etwa siebeneinhalb Minuten. Ohne Sonnenfilter drohen bleibende Augenschäden.

Siehe auch: Totale / Partielle / Ringförmige Finsternis · Diamantring · Neumond · Korona

Sonnenfleck

Sonnensystem

Kurz gesagt: Ein dunkler Fleck auf der Sonnenoberfläche, der kühler ist als seine Umgebung und durch starke Magnetfelder entsteht.

Wie im Alltag: Ein Sonnenfleck ist nicht schwarz, er wirkt nur dunkel, so wie eine Kerzenflamme vor einer hellen Lampe dunkel erscheint.

Genauer: Sonnenflecken sind etwa 1.500 bis 2.000 Grad kühler als die rund 5.500 Grad heiße Umgebung. Große Flecken können mehrfach so groß sein wie die Erde. Ihre Zahl schwankt im etwa elfjährigen Sonnenzyklus. Achtung: Die Sonne niemals ohne geprüften Sonnenfilter beobachten!

Siehe auch: Sonnenzyklus · Photosphäre · Sonnenfackel · Sonne

Sonnensystem

Sonnensystem

Kurz gesagt: Die Sonne und alles, was von ihrer Schwerkraft festgehalten wird: Planeten, Monde, Asteroiden, Kometen, Staub und Gas.

Wie im Alltag: Wie eine Familie, in der die Sonne das Familienoberhaupt ist und alle anderen um sie herumlaufen.

Genauer: Die Sonne vereint rund 99,8 Prozent der gesamten Masse des Sonnensystems. Acht Planeten umkreisen sie, dazu mehrere Zwergplaneten, Hunderte Monde und Millionen kleinerer Körper. Das Sonnensystem entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren aus einer rotierenden Gas- und Staubwolke.

Siehe auch: Sonne · Planet · Zwergplanet · Asteroidengürtel · Kuipergürtel · Oortsche Wolke

Sonnenwende

Ereignisseauch: Solstitium, Sommersonnenwende, Wintersonnenwende

Kurz gesagt: Die beiden Tage im Jahr, an denen die Sonne mittags am höchsten bzw. am tiefsten steht: um den 21. Juni und um den 21. Dezember.

Genauer: Zur Sommersonnenwende ist auf der Nordhalbkugel der längste Tag, zur Wintersonnenwende der kürzeste. Danach „wendet“ sich der Lauf der Sonne. Das genaue Datum kann je nach Jahr um einen Tag schwanken.

Siehe auch: Tagundnachtgleiche · Ekliptik · Dämmerung

Sonnenwind

Sterne

Kurz gesagt: Der Strom geladener Teilchen, der ständig von der Sonne ins Sonnensystem strömt.

Genauer: Der Sonnenwind besteht vor allem aus Protonen und Elektronen. Er ist meist mit rund 400 km/s unterwegs, in schnellen Strömen bis etwa 800 km/s. Trifft er auf das Magnetfeld der Erde, kann er Polarlichter auslösen. Er formt auch die Schweife von Kometen.

Siehe auch: Sternwind · Sonne · Polarlicht · Magnetosphäre · Kometenschweif

Sonnenzyklus

Sonnensystemauch: Aktivitätszyklus, Elfjahreszyklus

Kurz gesagt: Der etwa elfjährige Rhythmus, in dem die Aktivität der Sonne zu- und wieder abnimmt.

Wie im Alltag: Wie Ebbe und Flut, nur dass ein Durchgang rund elf Jahre dauert.

Genauer: Im Maximum gibt es viele Sonnenflecken, Flares und koronale Massenauswürfe und damit auch mehr Polarlichter. Im Minimum ist die Sonne oft wochenlang fleckenfrei. Seit Ende 2019 läuft der Sonnenzyklus 25; sein Maximum wurde laut NASA und NOAA im Herbst 2024 erreicht.

Siehe auch: Sonnenfleck · Sonnen-Eruption (Flare) · Polarlicht · Koronaler Massenauswurf

Spektralklasse

Sterneauch: Spektraltyp, OBAFGKM

Kurz gesagt: Einteilung der Sterne nach Farbe und Temperatur mit den Buchstaben O, B, A, F, G, K, M.

Wie im Alltag: Wie die Farben einer Herdplatte: Rot ist kühler, Blauweiß ist heißer.

Genauer: O-Sterne sind blau und am heißesten, über 30.000 Kelvin. M-Sterne sind rot und am kühlsten, unter etwa 3.900 Kelvin. Die Sonne gehört zur Klasse G mit rund 5.800 Kelvin Oberflächentemperatur. Jede Klasse wird noch mit Ziffern von 0 bis 9 feiner unterteilt, die Sonne ist G2. Ein bekannter Merksatz lautet „Oh Be A Fine Girl/Guy, Kiss Me“.

Siehe auch: Hertzsprung-Russell-Diagramm · Spektrum · Spektrallinie · Sonne

Spektrallinie

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Eine helle oder dunkle Linie an einer ganz bestimmten Stelle im Spektrum, die zu einem bestimmten Stoff gehört.

Wie im Alltag: Wie ein Strichcode im Supermarkt: Am Muster der Striche erkennt man, um welches Produkt, hier welchen Stoff, es sich handelt.

Genauer: Atome können nur ganz bestimmte Energiemengen aufnehmen oder abgeben. Deshalb erzeugen sie Licht nur bei genau festgelegten Wellenlängen. Wasserstoff hat zum Beispiel eine kräftige rote Linie bei 656,3 Nanometern, die H-Alpha-Linie.

Siehe auch: Absorptionslinie · Emissionslinie · Spektrum · H-Alpha · Atom

Spektroskopie

Licht & Strahlungauch: Spektralanalyse

Kurz gesagt: Die Untersuchung des Lichts, indem man es in seine Wellenlängen zerlegt. So erfährt man Zusammensetzung, Temperatur und Bewegung von Himmelskörpern.

Wie im Alltag: Wie eine Blutprobe für Sterne: Man muss nicht hinfliegen, das Licht reicht für die Analyse.

Genauer: Mit der Spektroskopie wurde zum Beispiel das Element Helium zuerst im Sonnenlicht entdeckt, bevor man es auf der Erde fand. Über die Verschiebung von Spektrallinien misst man, wie schnell sich Sterne oder Galaxien auf uns zu oder von uns weg bewegen. Auch Amateure können mit einfachen Gittern Sternspektren aufnehmen.

Siehe auch: Spektrum · Spektrallinie · Rotverschiebung · Doppler-Effekt · Helium

Spektrum

Licht & Strahlung

Kurz gesagt: Licht, das nach Wellenlängen aufgefächert ist, also nach seinen Farben. Ein Spektrum verrät, woraus ein Himmelskörper besteht.

Wie im Alltag: Wie ein Fingerabdruck: Jeder Stoff hinterlässt im Spektrum sein eigenes, unverwechselbares Muster.

Genauer: Ein Prisma oder ein Gitter zerlegt Licht in seine Farben. Ein heißer, dichter Körper erzeugt ein durchgehendes Farbband. Dünnes Gas zeigt einzelne helle Linien, und kühleres Gas vor einer Lichtquelle schneidet dunkle Linien hinein. Aus diesen Mustern lesen Astronomen Stoffe, Temperatur und Bewegung ab.

Siehe auch: Spektrallinie · Spektroskopie · Absorptionslinie · Emissionslinie

Spiralarm

Sternhaufen & Galaxien

Kurz gesagt: Ein heller, gebogener Arm einer Spiralgalaxie, in dem besonders viele Sterne entstehen.

Wie im Alltag: Wie ein Stau auf der Autobahn: Die Autos fahren durch, aber der Stau bleibt an seiner Stelle.

Genauer: Spiralarme sind keine festen Gebilde. Nach heutiger Vorstellung sind es vor allem Verdichtungswellen, durch die Sterne und Gas hindurchwandern. Dort wird Gas zusammengedrückt und es entstehen neue, helle Sterne. Die Sonne liegt in einem kleineren Arm der Milchstraße, dem Orion-Arm.

Siehe auch: Spiralgalaxie · Milchstraße · H-II-Region · Sternentstehung

Spiralgalaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: Spiralnebel

Kurz gesagt: Eine flache, scheibenförmige Galaxie mit leuchtenden Spiralarmen.

Wie im Alltag: Wie ein Feuerrad oder Milch, die du im Kaffee umrührst.

Genauer: Spiralgalaxien haben einen hellen Kern (Bulge), eine flache, rotierende Scheibe mit Armen und einen dünnen Halo drumherum. In den Armen entstehen besonders viele neue Sterne, darum leuchten sie bläulich und zeigen rote H-II-Regionen. Bekannte Beispiele sind die Andromedagalaxie (M 31) und die Whirlpool-Galaxie (M 51).

Siehe auch: Balkenspiralgalaxie · Spiralarm · Bulge · Galaxie · Milchstraße

Stacking

Astrofotografieauch: Stapeln, Stacken

Kurz gesagt: Das Übereinanderlegen und Verrechnen vieler Einzelbilder zu einem rauscharmen Gesamtbild.

Wie im Alltag: Wie wenn viele Menschen dasselbe Wort flüstern – zusammen versteht man es deutlich.

Genauer: Die Software richtet alle Bilder an den Sternen aus und mittelt sie. Das echte Signal ist in jedem Bild gleich, das Rauschen zufällig; deshalb wird das Ergebnis mit jedem Bild glatter. Vereinfacht: Viermal so viele Bilder halbieren das Rauschen. Störungen wie Satellitenspuren lassen sich dabei herausfiltern.

Siehe auch: Light Frame · Integrationszeit · Rauschen · Satellitenspur

Star Tracker

Astrofotografieauch: Reisemontierung, Tracker

Kurz gesagt: Eine kleine, tragbare Nachführung für Kamera und Objektiv.

Wie im Alltag: Wie ein motorisierter Stativkopf, der sich ganz langsam mit dem Himmel dreht.

Genauer: Ein Star Tracker wird auf ein Fotostativ gesetzt und auf den Himmelspol ausgerichtet. Er trägt eine Kamera mit Weitwinkel- oder leichtem Teleobjektiv und erlaubt deutlich längere Belichtungen. Er ist leicht genug für Reisen und ein häufiger erster Schritt zur Deep-Sky-Fotografie.

Siehe auch: Nachführung · Einnorden (Polausrichtung) · Weitwinkel-Astrofotografie

Raumfahrt & Forschungauch: Starlink-Satelliten, Satellitenkette

Kurz gesagt: Ein Netz aus tausenden Internet-Satelliten der Firma SpaceX in niedriger Erdumlaufbahn.

Wie im Alltag: Wie eine Perlenkette aus Lichtpunkten, die kurz nach dem Start über den Himmel zieht.

Genauer: Die ersten Starlink-Satelliten wurden 2019 gestartet, seitdem wächst die Zahl stetig. Kurz nach dem Start fliegen sie hintereinander als auffällige Kette über den Himmel. Für Astronomen sind sie ein Problem, weil sie Spuren auf Aufnahmen hinterlassen und Radioteleskope stören können; SpaceX hat Maßnahmen ergriffen, um die Helligkeit zu verringern.

Siehe auch: Satellit · Satellitenspur · Radioteleskop

Stellarer Fleck

Sterneauch: Sternfleck, Sternflecken

Kurz gesagt: Ein kühlerer, dunklerer Bereich auf der Oberfläche eines Sterns.

Genauer: Sternflecken entstehen wie Sonnenflecken durch starke Magnetfelder, die den Wärmetransport an die Oberfläche bremsen. Auf aktiven Sternen können sie große Teile der Oberfläche bedecken. Weil sich der Stern dreht, schwankt dadurch seine Helligkeit leicht. So lässt sich sogar bestimmen, wie schnell sich ferne Sterne drehen.

Siehe auch: Sonnenfleck · Veränderlicher Stern · Rotation

Stern

Sterne

Kurz gesagt: Eine riesige, heiße Kugel aus Gas, die durch Kernfusion in ihrem Inneren selbst leuchtet.

Wie im Alltag: Wie ein Kraftwerk, das sich über Milliarden Jahre selbst mit Brennstoff versorgt.

Genauer: Ein Stern hält sich im Gleichgewicht: Die eigene Schwerkraft drückt ihn zusammen, der Druck der heißen Gase im Inneren hält dagegen. Im Kern verschmelzen Atomkerne, meist Wasserstoff zu Helium, und setzen dabei Energie frei. Sterne unterscheiden sich vor allem durch ihre Masse – sie bestimmt Farbe, Helligkeit und Lebensdauer.

Siehe auch: Sonne · Kernfusion · Sternentwicklung · Sternmasse

Sternassoziation

Sternhaufen & Galaxienauch: OB-Assoziation, Bewegungshaufen

Kurz gesagt: Eine sehr lockere Gruppe junger Sterne mit gemeinsamer Herkunft, die schon auseinanderdriftet.

Wie im Alltag: Wie Gäste, die nach einer Feier in alle Richtungen nach Hause gehen.

Genauer: Anders als ein Sternhaufen ist eine Assoziation nicht mehr durch die Schwerkraft gebunden. Ihre Sterne bewegen sich aber noch in ähnliche Richtungen, daran erkennt man die gemeinsame Herkunft. Viele der hellen, blauen Sterne im Orion und im Skorpion gehören zu solchen Gruppen.

Siehe auch: Sternhaufen · Offener Sternhaufen · Eigenbewegung · Sternentstehungsgebiet

Sternbild

Himmel & Bewegungauch: Konstellation

Kurz gesagt: Ein festgelegter Himmelsbereich mit einer typischen Sterngruppe. Der ganze Himmel ist in 88 Sternbilder aufgeteilt.

Wie im Alltag: Wie Bundesländer auf einer Landkarte: Jeder Punkt gehört genau zu einem.

Genauer: Die IAU hat 1922 die 88 Sternbilder festgelegt und um 1930 ihre Grenzen genau gezogen. Die Sterne eines Sternbilds stehen meist nicht beieinander, sondern liegen nur zufällig in derselben Richtung. Viele Namen stammen aus der griechischen Antike.

Siehe auch: Asterismus · Tierkreis · Himmelskugel

Sternenpark

Beobachtenauch: Dark Sky Park, Sternenreservat

Kurz gesagt: Ein Gebiet mit besonders dunklem Himmel, das offiziell geschützt wird.

Wie im Alltag: Wie ein Naturschutzgebiet – nur dass hier die Dunkelheit geschützt wird.

Genauer: Die Organisation DarkSky International vergibt Auszeichnungen an Orte, die ihren Nachthimmel schützen, zum Beispiel durch Regeln für Außenbeleuchtung. In Deutschland gehören unter anderem das Westhavelland und die Rhön dazu. Solche Orte eignen sich gut für Beobachtungsnächte und Astrofotos.

Siehe auch: Lichtverschmutzung · Bortle-Skala

Sternentstehung

Sterneauch: Sternbildung

Kurz gesagt: Der Vorgang, bei dem aus einer kalten Gas- und Staubwolke ein neuer Stern wird.

Wie im Alltag: Wie Regentropfen, die sich in einer Wolke sammeln, bis sie schwer genug sind, um zu fallen.

Genauer: In kalten, dichten Molekülwolken ziehen sich Verdichtungen durch ihre eigene Schwerkraft zusammen. Dabei heizen sie sich auf und werden zu Protosternen. Ist der Kern heiß genug, zündet die Kernfusion – ein Stern ist geboren. Der Vorgang dauert je nach Masse einige hunderttausend bis mehrere zehn Millionen Jahre. Oft entstehen dabei viele Sterne gleichzeitig.

Siehe auch: Molekülwolke · Protostern · Sternentstehungsgebiet · Sternwiege · Protoplanetare Scheibe

Sternentstehungsgebiet

Nebel, Gas & Staubauch: Sternbildungsregion

Kurz gesagt: Ein Bereich einer Galaxie, in dem gerade viele neue Sterne entstehen.

Genauer: In solchen Gebieten findet man alles nebeneinander: dunkle Molekülwolken, leuchtende H-II-Regionen, junge Sternhaufen und Protosterne. Die heißesten jungen Sterne formen mit Strahlung und Wind die Umgebung. Das nächste große Sternentstehungsgebiet ist der Orionnebel in rund 1.300 Lichtjahren Entfernung.

Siehe auch: Sternwiege · Sternentstehung · Molekülwolke · H-II-Region · Offener Sternhaufen

Sternentwicklung

Sterneauch: Sternevolution

Kurz gesagt: Der Lebenslauf eines Sterns von der Geburt bis zum Ende als Weißer Zwerg, Neutronenstern oder Schwarzes Loch.

Genauer: Wie ein Stern lebt und stirbt, entscheidet vor allem seine Masse. Leichte Sterne brennen sparsam und enden als Weiße Zwerge. Sehr schwere Sterne leben nur wenige Millionen Jahre und explodieren als Supernova. Weil Sterne so lange leben, erschließt man ihre Entwicklung aus vielen Sternen in verschiedenen Lebensphasen.

Schaubild zum Lebensweg der Sterne: Aus einem Gasnebel entsteht ein Stern; sonnenähnliche Sterne werden zum Roten Riesen, Planetarischen Nebel und Weißen Zwerg, massereiche Sterne zum Roten Überriesen, explodieren als Supernova und enden als Neutronenstern oder Schwarzes Loch

Siehe auch: Sternentstehung · Hauptreihenstern · Roter Riese · Weißer Zwerg · Supernova · Sternmasse

Sternhaufen

Sternhaufen & Galaxien

Kurz gesagt: Eine Gruppe von Sternen, die gemeinsam entstanden sind und durch die Schwerkraft zusammengehalten werden.

Wie im Alltag: Wie Geschwister aus einer Familie: gleich alt und aus demselben Stoff.

Genauer: Weil alle Sterne eines Haufens etwa gleich alt und gleich weit entfernt sind, sind Sternhaufen für die Forschung ideale Vergleichsgruppen. Man unterscheidet lockere, junge offene Sternhaufen und dichte, uralte Kugelsternhaufen. Viele sind schon im Fernglas schöne Objekte.

Siehe auch: Offener Sternhaufen · Kugelsternhaufen · Sternassoziation

Sternmasse

Sterneauch: Sonnenmasse

Kurz gesagt: Wie viel Materie ein Stern enthält – die wichtigste Eigenschaft für sein ganzes Leben.

Genauer: Sternmassen werden meist in Sonnenmassen angegeben. Die kleinsten Sterne haben etwa 0,08 Sonnenmassen, die größten über 100. Je schwerer ein Stern ist, desto heißer, heller und kurzlebiger ist er. Gemessen wird die Masse am genauesten bei Doppelsternen über ihre Umlaufbahnen.

Siehe auch: Sternentwicklung · Doppelstern · Leuchtkraft · Brauner Zwerg

Sternschnuppe

Sonnensystem

Kurz gesagt: Der Alltagsname für einen Meteor: ein winziger Brocken aus dem All, der in der Atmosphäre verglüht. Mit Sternen hat das nichts zu tun.

Wie im Alltag: Ein Staubkorn, das so schnell ist, dass es die Luft zum Leuchten bringt.

Genauer: Die meisten Sternschnuppen werden von Teilchen ausgelöst, die kleiner als ein Reiskorn sind. In einer klaren, dunklen Nacht kannst du ohne Meteorstrom einige pro Stunde sehen, bei starken Strömen wie den Perseiden im August deutlich mehr.

Siehe auch: Meteor · Meteorstrom · Radiant · Feuerkugel (Bolide)

Sternwarte

Beobachtenauch: Volkssternwarte

Kurz gesagt: Ein Gebäude mit Teleskopen zur Himmelsbeobachtung, oft mit drehbarer Kuppel.

Wie im Alltag: Wie ein Aussichtsturm, nur mit Blick nach oben statt in die Landschaft.

Genauer: Volkssternwarten werden oft von Vereinen betrieben und bieten öffentliche Beobachtungsabende an. Forschungssternwarten stehen dagegen meist auf hohen Bergen mit trockener, ruhiger Luft. Die Kuppel schützt das Teleskop und lässt sich öffnen und drehen, um jede Himmelsrichtung zu erreichen.

Siehe auch: Observatorium · Planetarium · Teleskop

Sternwiege

Nebel, Gas & Staubauch: Kinderstube der Sterne

Kurz gesagt: Bildhafter Name für eine Gas- und Staubwolke, in der Sterne geboren werden.

Wie im Alltag: Wie eine Kinderstube für Sterne.

Genauer: Der Begriff wird meist für eindrucksvolle Sternentstehungsgebiete benutzt, etwa den Orionnebel, den Adlernebel oder den Carinanebel. Fachlich ist dasselbe gemeint wie ein Sternentstehungsgebiet. Viele der schönsten Astrofotos zeigen solche Sternwiegen.

Siehe auch: Sternentstehungsgebiet · Sternentstehung · Emissionsnebel

Sternwind

Sterneauch: Stellarer Wind

Kurz gesagt: Ein ständiger Strom aus Gasteilchen, den ein Stern ins All abgibt.

Wie im Alltag: Wie Dampf, der ununterbrochen von einem heißen Kochtopf aufsteigt.

Genauer: Jeder Stern verliert über seinen Wind Masse. Bei der Sonne heißt er Sonnenwind und ist vergleichsweise schwach. Heiße, massereiche Sterne und Riesensterne haben dagegen sehr starke Winde, die große Blasen in das umgebende Gas blasen. In Bildern von Nebeln sieht man solche Strukturen oft als Bögen und Hohlräume.

Siehe auch: Sonnenwind · Wolf-Rayet-Stern · Interstellares Medium · Stoßfront

Stoßfront

Nebel, Gas & Staubauch: Schockfront, Bugstoßwelle

Kurz gesagt: Eine scharfe Grenze, an der schnelles Gas auf langsameres prallt und sich verdichtet.

Wie im Alltag: Wie der Überschallknall eines Flugzeugs – eine Welle, die sich vor dem Objekt aufbaut.

Genauer: Bewegt sich Gas schneller als der Schall in seiner Umgebung, staut es sich in einer dünnen Front. Dort wird es zusammengepresst und heiß und beginnt zu leuchten. Solche Fronten sieht man bei Supernova-Überresten, um Sterne mit starkem Wind und bei Herbig-Haro-Objekten. Sie können auch Gaswolken zusammendrücken und so Sternentstehung auslösen.

Siehe auch: Supernova-Überrest · Sternwind · Herbig-Haro-Objekt · Sternentstehung

Strahlungsdruck

Licht & Strahlungauch: Lichtdruck

Kurz gesagt: Der winzige Druck, den Licht auf alles ausübt, worauf es trifft.

Wie im Alltag: Wie ein ganz sanfter Wind aus Licht, der kleine Staubteilchen wegschieben kann.

Genauer: Photonen haben zwar keine Masse, aber Impuls, und geben beim Auftreffen einen kleinen Stoß ab. Bei Kometen drückt der Strahlungsdruck des Sonnenlichts den Staub zum gekrümmten Staubschweif. In sehr hellen, massereichen Sternen wirkt er sogar der Schwerkraft entgegen. Raumfahrtingenieure nutzen ihn für Sonnensegel.

Siehe auch: Kometenschweif · Photon · Sternwind

Stretching

Astrofotografieauch: Strecken, Histogramm-Streckung

Kurz gesagt: Das starke Aufhellen der dunklen Bildbereiche, damit schwache Nebel sichtbar werden.

Wie im Alltag: Wie das Hochdrehen der Helligkeit, nur so, dass helle Sterne nicht ausbrennen.

Genauer: Ein gestacktes Rohbild wirkt fast schwarz, weil die Nebelsignale nur knapp über dem Hintergrund liegen. Beim Stretching wird die Helligkeitskurve so verbogen, dass dunkle Werte stark und helle kaum angehoben werden. Zu starkes Stretching verstärkt Rauschen und Gradienten.

Siehe auch: Histogramm · Gradient · Rauschen

Strichspuren (Star Trails)

Astrofotografieauch: Star Trails, Sternspuren

Kurz gesagt: Fotos, auf denen Sterne als Bögen erscheinen, weil sich die Erde während der Aufnahme gedreht hat.

Wie im Alltag: Wie Lichtspuren von Autos auf einem Langzeitfoto einer Straße.

Genauer: Man nimmt ohne Nachführung viele Einzelbilder hintereinander auf und legt sie anschließend übereinander. Richtet man die Kamera zum Polarstern, entstehen Kreise um den Himmelspol. Je länger die Gesamtzeit, desto länger die Bögen; in einer Stunde dreht sich der Himmel um 15 Grad.

Siehe auch: Polarstern · Himmelspol · Weitwinkel-Astrofotografie

Sucher

Beobachtenauch: Sucherfernrohr, Leuchtpunktsucher, Red Dot

Kurz gesagt: Ein kleines Zielfernrohr oder Leuchtpunktvisier am Teleskop, das beim Anpeilen hilft.

Wie im Alltag: Wie das Visier an einem Gewehr oder Kimme und Korn.

Genauer: Das Hauptteleskop zeigt nur einen winzigen Himmelsausschnitt, darin findet man ein Objekt kaum. Der Sucher hat ein großes Bildfeld und wird vorher am Tag oder an einem hellen Stern parallel zum Teleskop ausgerichtet. Smart-Teleskope haben oft eine zweite Weitwinkelkamera, die dieselbe Aufgabe übernimmt.

Siehe auch: Teleskop · GoTo

Superhaufen

Sternhaufen & Galaxienauch: Supercluster

Kurz gesagt: Eine riesige Gruppe aus vielen Galaxienhaufen und -gruppen.

Genauer: Superhaufen erstrecken sich über hunderte Millionen Lichtjahre und sind meist nicht als Ganzes durch die Schwerkraft gebunden. Sie bilden die Knoten und Fäden des kosmischen Netzes. Die Milchstraße gehört zum Laniakea-Superhaufen, der 2014 beschrieben wurde und rund 500 Millionen Lichtjahre groß ist.

Siehe auch: Galaxienhaufen · Kosmisches Netz · Lokale Gruppe

Supermond

Ereignisseauch: Perigäums-Vollmond

Kurz gesagt: Ein umgangssprachlicher Name für einen Vollmond, der in der Nähe des erdnächsten Bahnpunkts steht und daher etwas größer und heller wirkt.

Genauer: Ein Supermond erscheint gegenüber einem Vollmond in Erdferne etwa 14 Prozent größer und rund 30 Prozent heller. Mit bloßem Auge fällt das kaum auf. Dass der Mond am Horizont riesig wirkt, ist dagegen eine Täuschung unseres Gehirns.

Siehe auch: Perigäum · Vollmond · Apogäum

Supernova

Sterneauch: SN

Kurz gesagt: Die gewaltige Explosion eines Sterns, die kurzzeitig heller sein kann als eine ganze Galaxie.

Genauer: Es gibt zwei Hauptwege: Ein sehr massereicher Stern (ab etwa 8 Sonnenmassen) bricht am Ende seines Lebens in sich zusammen, oder ein Weißer Zwerg wird durch Materie eines Begleiters zu schwer und zerreißt. Dabei entstehen und verteilen sich schwere Elemente, aus denen später neue Sterne und Planeten werden. Zurück bleiben ein Neutronenstern, ein Schwarzes Loch oder gar nichts. Die letzte mit bloßem Auge sichtbare Supernova in der Milchstraße wurde 1604 beobachtet.

Siehe auch: Supernova-Überrest · Neutronenstern · Schwarzes Loch · Nova · Überriese

Supernova-Überrest

Nebel, Gas & Staubauch: SNR, Supernovaüberrest

Kurz gesagt: Die sich ausdehnende Trümmerwolke einer Sternexplosion.

Wie im Alltag: Wie die Druckwelle und die Splitter nach einem Feuerwerk – nur über Jahrtausende.

Genauer: Bei einer Supernova wird Material mit tausenden Kilometern pro Sekunde ins All geschleudert. Es trifft auf das umgebende Gas und bildet leuchtende Fäden und Stoßfronten. Der Krebsnebel (M 1) ist der Überrest einer Supernova, die im Jahr 1054 beobachtet wurde. Der Cirrusnebel im Schwan ist ein viel älterer Überrest.

Siehe auch: Supernova · Stoßfront · Pulsar · Neutronenstern

T

9 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit T

T-Tauri-Stern

Sterne

Kurz gesagt: Ein sehr junger, unruhiger Stern kurz vor seiner Hauptreihenphase.

Wie im Alltag: Wie ein Teenager: noch nicht fertig und oft launisch.

Genauer: T-Tauri-Sterne sind wenige Millionen Jahre alt und haben bis etwa 2 Sonnenmassen. Ihre Helligkeit schwankt, weil sie noch Material aus einer umgebenden Scheibe aufnehmen und starke Flecken und Ausbrüche haben. Sie sind nach dem Stern T Tauri im Sternbild Stier benannt.

Siehe auch: Protostern · Protoplanetare Scheibe · Veränderlicher Stern · Sternentstehung

Tagundnachtgleiche

Ereignisseauch: Äquinoktium, Frühlingspunkt

Kurz gesagt: Die beiden Tage im Frühling und Herbst, an denen Tag und Nacht ungefähr gleich lang sind: um den 20. März und um den 23. September.

Genauer: Dann steht die Sonne genau auf dem Himmelsäquator, geht im Osten auf und im Westen unter. Im März beginnt astronomisch der Frühling, im September der Herbst. Wegen der Lichtbrechung in der Luft ist der Tag an diesem Datum tatsächlich ein paar Minuten länger als die Nacht.

Siehe auch: Sonnenwende · Himmelsäquator · Rektaszension

Taukappe

Astrofotografieauch: Tauschutzkappe, Dew Shield

Kurz gesagt: Eine Röhre vor der Optik, die Tau und Streulicht abhält.

Wie im Alltag: Wie eine Gegenlichtblende am Objektiv – nur extra lang.

Genauer: In klaren Nächten kühlt die Frontlinse durch Abstrahlung zum kalten Himmel ab und kann unter den Taupunkt fallen. Die Taukappe verringert diese Abstrahlung und verzögert so das Beschlagen. Zusätzlich hält sie seitliches Licht von Lampen oder Mond ab.

Siehe auch: Dew Heater · Teleskop

Teleskop

Beobachtenauch: Fernrohr

Kurz gesagt: Ein Gerät, das mehr Licht sammelt als dein Auge und ferne Objekte heller und größer zeigt.

Wie im Alltag: Wie ein großer Trichter, der Regentropfen auffängt – nur eben für Licht.

Genauer: Das Wichtigste an einem Teleskop ist nicht die Vergrößerung, sondern die Öffnung: Je größer Linse oder Spiegel, desto mehr Licht kommt an und desto feinere Details sind möglich. Es gibt zwei große Bauarten, Linsenteleskope (Refraktoren) und Spiegelteleskope (Reflektoren), dazu Mischformen. Smart-Teleskope wie das DWARF 3 vereinen kleines Objektiv, Kamera und Steuerung in einem Gerät.

Siehe auch: Refraktor · Reflektor (Spiegelteleskop) · Öffnung · Vergrößerung

Tierkreis

Himmel & Bewegungauch: Zodiak, Tierkreissternbilder

Kurz gesagt: Die Sternbilder entlang der Ekliptik, durch die Sonne, Mond und Planeten wandern.

Genauer: Traditionell zählt man zwölf Tierkreissternbilder. Nach den offiziellen Sternbildgrenzen der IAU durchquert die Sonne aber auch den Schlangenträger. Durch die Präzession stimmen die astrologischen Zeichen heute nicht mehr mit den Sternbildern überein. Astronomie und Astrologie sind zwei verschiedene Dinge.

Siehe auch: Ekliptik · Sternbild · Präzession

Totale / Partielle / Ringförmige Finsternis

Ereignisseauch: totale Sonnenfinsternis, ringförmige Sonnenfinsternis, partielle Finsternis

Kurz gesagt: Die drei Arten einer Sonnenfinsternis: Sonne ganz verdeckt, nur teilweise verdeckt oder als heller Ring um den Mond.

Genauer: Total ist sie nur im schmalen Streifen des Kernschattens; dann wird es mitten am Tag dämmrig und die Korona leuchtet. Partiell siehst du sie im breiten Gebiet daneben. Ringförmig wird sie, wenn der Mond in Erdferne steht und zu klein erscheint – ein „Feuerring“ bleibt sichtbar. Auch Mondfinsternisse können total oder partiell sein.

Siehe auch: Sonnenfinsternis · Mondfinsternis · Apogäum · Diamantring

Trabant

Sonnensystemauch: Natürlicher Satellit

Kurz gesagt: Ein anderes Wort für einen Mond, also einen Begleiter, der einen größeren Himmelskörper umkreist.

Wie im Alltag: Das Wort kommt vom alten Begriff für einen Leibwächter, der seinem Herrn ständig folgt.

Genauer: „Trabant“ und „Satellit“ meinen ursprünglich dasselbe: einen Körper, der einen anderen umläuft. Heute sagt man „Satellit“ meist für künstliche Flugkörper und „Mond“ oder „Trabant“ für natürliche Begleiter.

Siehe auch: Mond · Satellit

Transit

Ereignisseauch: Durchgang, Vorübergang

Kurz gesagt: Ein kleiner Körper zieht vor einem großen vorbei, etwa Merkur als winziger schwarzer Punkt vor der Sonne.

Wie im Alltag: Wie eine Mücke, die vor einer Lampe vorbeifliegt.

Genauer: Von der Erde aus sind nur Merkur- und Venustransite vor der Sonne möglich. Der nächste Venustransit findet erst im Jahr 2117 statt. Mit derselben Idee werden Exoplaneten entdeckt: Zieht ein Planet vor seinem Stern vorbei, wird der Stern minimal dunkler.

Siehe auch: Bedeckung · Exoplanet

Transparenz

Beobachtenauch: Durchsicht

Kurz gesagt: Wie klar und durchsichtig die Luft ist – entscheidend, um schwache Objekte zu sehen.

Wie im Alltag: Wie der Unterschied zwischen einer frisch geputzten und einer beschlagenen Fensterscheibe.

Genauer: Dunst, Staub, Feuchtigkeit und feine Wolkenschleier schlucken Licht und hellen den Himmel auf. Gute Transparenz und gutes Seeing gehen oft nicht zusammen: Nach einer Kaltfront ist die Luft klar, aber unruhig. Für Nebel und Galaxien ist Transparenz meist wichtiger als Seeing.

Siehe auch: Seeing (Luftunruhe) · Grenzgröße · Lichtverschmutzung

U

5 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit U

Überriese

Sterneauch: Superriese

Kurz gesagt: Ein extrem großer und heller Stern mit vielen Sonnenmassen.

Genauer: Überriesen entstehen aus sehr schweren Sternen. Sie leuchten zehntausend- bis hunderttausendmal heller als die Sonne. Rote Überriesen wie Beteigeuze im Orion sind so groß, dass sie an Stelle der Sonne bis über die Marsbahn reichen würden. Ihr Leben ist kurz und endet meist in einer Supernova.

Siehe auch: Riesenstern · Hyperriese · Supernova · Leuchtkraft

Ultraviolettes Licht

Licht & Strahlungauch: UV, UV-Strahlung, Ultraviolett

Kurz gesagt: Strahlung mit etwas kürzerer Wellenlänge als violettes Licht. Für unsere Augen unsichtbar, aber energiereich.

Wie im Alltag: Es ist die Strahlung, die im Sommer den Sonnenbrand verursacht.

Genauer: UV-Licht liegt etwa zwischen 10 und 400 Nanometern. Junge, sehr heiße Sterne strahlen viel UV ab und bringen damit umliegendes Gas zum Leuchten, so entstehen Emissionsnebel. Die Ozonschicht hält einen großen Teil der UV-Strahlung ab, deshalb wird sie vor allem mit Weltraumteleskopen erforscht.

Siehe auch: Elektromagnetisches Spektrum · Emissionsnebel · Ionisation · Weltraumteleskop

Umlaufbahn

Himmel & Bewegungauch: Orbit, Bahn

Kurz gesagt: Der Weg, auf dem ein Körper einen anderen umkreist, etwa die Erde die Sonne oder der Mond die Erde.

Wie im Alltag: Wie ein Ball an einer Schnur, den du im Kreis schleuderst – nur hält hier die Schwerkraft statt der Schnur.

Genauer: Ein Körper auf einer Umlaufbahn fällt ständig auf den anderen zu, fliegt aber seitlich so schnell, dass er immer wieder vorbeifällt. Die Bahnen sind Ellipsen, wie Johannes Kepler Anfang des 17. Jahrhunderts erkannte. Der Punkt größter Nähe heißt bei der Sonne Perihel, bei der Erde Perigäum.

Siehe auch: Ellipse · Umlaufzeit · Schwerkraft · Perihel · Perigäum

Umlaufzeit

Himmel & Bewegungauch: Umlaufperiode, siderische Periode

Kurz gesagt: Die Zeit für einen vollen Umlauf auf der Bahn. Bei der Erde um die Sonne ist das ein Jahr.

Genauer: Je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto länger braucht er: Merkur rund 88 Tage, Neptun rund 165 Jahre. Beim Mond unterscheidet man den Umlauf relativ zu den Sternen (etwa 27,3 Tage) und den von Vollmond zu Vollmond (etwa 29,5 Tage).

Siehe auch: Umlaufbahn · Rotation · Mondphase

Urknall

Raumfahrt & Forschungauch: Big Bang

Kurz gesagt: Der Beginn unseres Universums vor etwa 13,8 Milliarden Jahren aus einem extrem heißen, dichten Zustand.

Wie im Alltag: Wie ein Hefeteig mit Rosinen, der aufgeht: Alle Rosinen entfernen sich voneinander, ohne dass es eine Mitte gibt.

Genauer: Der Urknall war keine Explosion an einem Ort, sondern der Beginn der Ausdehnung des Raumes selbst. Belege sind die Fluchtbewegung der Galaxien, die kosmische Hintergrundstrahlung und die Mengen an Wasserstoff und Helium im All. Das Alter von rund 13,8 Milliarden Jahren stammt vor allem aus Messungen der Hintergrundstrahlung mit dem Satelliten Planck.

Siehe auch: Kosmologie · Kosmische Hintergrundstrahlung · Rotverschiebung · Hubble-Konstante

V

5 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit V

Van-Allen-Gürtel

Sonnensystemauch: Strahlungsgürtel

Kurz gesagt: Zwei ringförmige Zonen um die Erde, in denen das Magnetfeld energiereiche geladene Teilchen einfängt.

Wie im Alltag: Wie zwei unsichtbare Donuts aus Strahlung, die um die Erde liegen.

Genauer: Die Gürtel wurden 1958 mit dem ersten US-Satelliten Explorer 1 entdeckt und nach James Van Allen benannt. Der innere Gürtel liegt näher an der Erde und enthält vor allem Protonen, der äußere reicht viel weiter hinaus und besteht überwiegend aus Elektronen. Ihre Grenzen sind unscharf und ändern sich mit der Sonnenaktivität. Raumsonden und Satelliten müssen gegen diese Strahlung geschützt werden.

Siehe auch: Magnetosphäre · Kosmische Strahlung · Satellit

Veränderlicher Stern

Sterneauch: Variabler Stern, Veränderlicher

Kurz gesagt: Ein Stern, dessen Helligkeit sich mit der Zeit ändert.

Genauer: Die Ursachen sind verschieden: Manche Sterne pulsieren, also blähen sich auf und schrumpfen wieder. Bei anderen verdeckt ein Begleiter das Licht, oder es kommt zu Ausbrüchen. Die Schwankungen reichen von Stunden bis zu Jahren. Hobby-Astronomen tragen mit eigenen Beobachtungen viel zur Erforschung bei.

Siehe auch: Cepheide · Mira-Stern · Bedeckungsveränderlicher · Nova · Lichtkurve

Vergrößerung

Beobachtenauch: Vergrösserung

Kurz gesagt: Wie viel größer ein Objekt im Teleskop erscheint; man rechnet Teleskop-Brennweite geteilt durch Okular-Brennweite.

Wie im Alltag: Wie Zoomen am Handy: Ab einem Punkt wird es nur größer, aber nicht schärfer.

Genauer: Beispiel: 1.000 mm Teleskop-Brennweite mit einem 10-mm-Okular ergibt 100-fach. Mehr Vergrößerung macht das Bild dunkler und zeigt auch die Luftunruhe stärker. Als Faustregel gilt das Doppelte der Öffnung in Millimetern als sinnvolle Obergrenze; in vielen Nächten lässt das Seeing deutlich weniger zu.

Siehe auch: Okular · Öffnung · Seeing (Luftunruhe)

Vignettierung

Astrofotografieauch: Randabdunklung, Randabschattung

Kurz gesagt: Eine Abdunklung der Bildränder und Ecken durch die Optik.

Wie im Alltag: Wie wenn du durch eine Röhre schaust und der Rand etwas dunkler wirkt.

Genauer: Fast jede Optik lässt am Rand weniger Licht durch als in der Mitte. Bei stark gestreckten Astrofotos fällt das sehr auf. Flat Frames erfassen die Vignettierung und gleichen sie bei der Kalibrierung aus; leichtes Abblenden verringert sie bei Fotoobjektiven.

Siehe auch: Flat Frame · Gradient

Vollmond

Ereignisse

Kurz gesagt: Die Erde steht zwischen Sonne und Mond, und wir sehen die ganze beleuchtete Mondscheibe.

Genauer: Der Vollmond geht etwa bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter. Er ist so hell, dass er schwache Sterne und Nebel überstrahlt. Für Mondfotos ist er eher flach, weil die Schatten fehlen. Nur bei Vollmond kann es eine Mondfinsternis geben.

Siehe auch: Mondphase · Neumond · Mondfinsternis · Supermond

W

8 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit W

Wasserstoff

Licht & Strahlungauch: H

Kurz gesagt: Das leichteste und häufigste Element im Universum. Sterne bestehen zum größten Teil daraus und gewinnen ihre Energie, indem sie ihn verschmelzen.

Wie im Alltag: Wasserstoff ist der Grundbaustoff des Universums, sozusagen das Mehl im kosmischen Backrezept.

Genauer: Rund drei Viertel der normalen Materie im Universum (nach Masse) sind Wasserstoff. Ein Wasserstoffatom besteht nur aus einem Proton und einem Elektron. Angeregter Wasserstoff leuchtet unter anderem in der roten H-Alpha-Linie, deshalb erscheinen viele Emissionsnebel auf Fotos rot.

Siehe auch: H-Alpha · Helium · Kernfusion · Emissionsnebel · H-II-Region

Wechselwirkende Galaxien

Sternhaufen & Galaxienauch: Kollidierende Galaxien, Galaxienkollision

Kurz gesagt: Zwei oder mehr Galaxien, die sich so nahe kommen, dass ihre Schwerkraft sie verformt.

Wie im Alltag: Wie zwei Tänzer, die sich gegenseitig aus dem Gleichgewicht ziehen.

Genauer: Bei solchen Begegnungen stoßen die einzelnen Sterne fast nie zusammen, weil der Raum zwischen ihnen riesig ist. Gas wird aber zusammengepresst, und es entstehen viele neue Sterne. Am Ende können die Galaxien zu einer verschmelzen. Bekannte Beispiele sind die Antennen-Galaxien und die Whirlpool-Galaxie M 51 mit ihrem Begleiter. Auch Milchstraße und Andromeda werden in einigen Milliarden Jahren zusammenstoßen.

Siehe auch: Gezeitenschweif · Galaxie · Elliptische Galaxie · Gezeitenkraft

Weißer Zwerg

Sterne

Kurz gesagt: Der heiße, sehr dichte Rest eines ausgebrannten Sterns wie der Sonne.

Wie im Alltag: Ein Teelöffel seines Materials würde auf der Erde mehrere Tonnen wiegen.

Genauer: Wenn ein sonnenähnlicher Stern seinen Brennstoff verbraucht hat, stößt er seine äußeren Schichten ab. Übrig bleibt der Kern: etwa so groß wie die Erde, aber mit ungefähr der Masse der Sonne. Ein Weißer Zwerg erzeugt keine neue Energie mehr und kühlt über sehr lange Zeit langsam ab. Mehr als 1,4 Sonnenmassen kann er nicht haben (Chandrasekhar-Grenze).

Siehe auch: Planetarischer Nebel · Roter Riese · Sternentwicklung · Nova · Supernova

Weitwinkel-Astrofotografie

Astrofotografieauch: Nightscape, Landschafts-Astrofotografie

Kurz gesagt: Astrofotos mit kurzer Brennweite, die viel Himmel und oft auch Landschaft zeigen.

Wie im Alltag: Wie ein Landschaftsfoto, bei dem der Sternenhimmel die Hauptrolle spielt.

Genauer: Typisch sind lichtstarke Weitwinkelobjektive an einer normalen Kamera auf einem Stativ. Beliebte Motive sind die Milchstraße über einem Baum, Polarlichter oder Strichspuren. Ohne Nachführung begrenzt die Erddrehung die Belichtungszeit; Faustregeln wie die 500er- oder NPF-Regel helfen bei der Wahl.

Siehe auch: 500er-Regel / NPF-Regel · Strichspuren (Star Trails) · Milchstraße · Blende

Wellenlänge

Licht & Strahlungauch: λ (Lambda)

Kurz gesagt: Der Abstand von einem Wellenberg zum nächsten. Sie bestimmt bei Licht die Farbe und die Art der Strahlung.

Wie im Alltag: Wie die Abstände zwischen den Wellen am Strand: mal eng beieinander, mal weit auseinander.

Genauer: Sichtbares Licht hat Wellenlängen von etwa 380 bis 780 Nanometern; ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter. Blaues Licht hat kurze, rotes Licht lange Wellen. Astrofilter werden über die Wellenlänge beschrieben, etwa H-Alpha bei 656,3 Nanometern.

Siehe auch: Frequenz · Elektromagnetisches Spektrum · H-Alpha · Schmalbandfilter

Weltraumteleskop

Raumfahrt & Forschungauch: Space Telescope

Kurz gesagt: Ein Teleskop, das im Weltraum kreist und dadurch ohne störende Lufthülle beobachtet.

Wie im Alltag: Wie Fotografieren über den Wolken statt durch ein beschlagenes Fenster.

Genauer: Die Erdatmosphäre verschmiert Bilder durch Luftunruhe und schluckt große Teile des Lichts, etwa Ultraviolett, Röntgenstrahlung und viel Infrarot. Im All fallen diese Probleme weg. Bekannte Beispiele sind Hubble für sichtbares und ultraviolettes Licht und James Webb für Infrarot.

Siehe auch: Hubble-Teleskop · James-Webb-Teleskop · Seeing (Luftunruhe) · Elektromagnetisches Spektrum

Winkelgröße

Entfernung & Helligkeitauch: scheinbare Größe, scheinbarer Durchmesser

Kurz gesagt: Wie groß ein Objekt am Himmel erscheint, gemessen als Winkel. Über echte Größe sagt das allein nichts.

Wie im Alltag: Der Vollmond ist am Himmel etwa so groß wie eine Erbse am ausgestreckten Arm.

Genauer: Sonne und Mond erscheinen beide etwa ein halbes Grad groß, obwohl die Sonne rund 400-mal größer ist – sie ist aber auch rund 400-mal weiter weg. Kleinere Winkel misst man in Bogenminuten und Bogensekunden. Für Astrofotos bestimmt die Winkelgröße, welche Brennweite passt.

Siehe auch: Bogenminute · Bogensekunde · Sonnenfinsternis

Wolf-Rayet-Stern

Sterneauch: WR-Stern

Kurz gesagt: Ein sehr heißer, massereicher Stern, der seine äußere Hülle durch extremen Wind verliert.

Genauer: Wolf-Rayet-Sterne haben ihre wasserstoffreiche Hülle bereits größtenteils abgestoßen. Ihre Oberfläche ist oft über 30.000 °C heiß, ihr Sternwind ist enorm stark. Um manche herum bildet sich ein leuchtender Nebel aus ausgestoßenem Gas, etwa der Thors-Helm-Nebel (NGC 2359). Sie stehen vermutlich kurz vor einer Supernova.

Siehe auch: Sternwind · Supernova · Emissionsnebel

Z

7 Begriffe

Astronomie-Glossar: Begriffe mit Z

Zenit

Himmel & Bewegungauch: Scheitelpunkt

Kurz gesagt: Der Punkt am Himmel genau senkrecht über deinem Kopf.

Wie im Alltag: Dort zeigt ein senkrecht nach oben gehaltener Stab hin.

Genauer: Der Zenit hat eine Höhe von 90°. Nahe dem Zenit ist die Luftschicht, durch die du schaust, am dünnsten – Sterne flackern dort weniger und erscheinen klarer. Jeder Beobachter hat seinen eigenen Zenit.

Siehe auch: Nadir · Höhe · Meridian · Horizont

Zirkumpolarstern

Himmel & Bewegungauch: zirkumpolar

Kurz gesagt: Ein Stern, der nie untergeht, weil er nah genug am Himmelspol steht. Du siehst ihn in jeder klaren Nacht.

Genauer: Ob ein Stern zirkumpolar ist, hängt von deinem Breitengrad ab. In Deutschland gehören etwa der Große Wagen und die Kassiopeia dazu. Am Nordpol wären alle sichtbaren Sterne zirkumpolar, am Äquator kein einziger.

Siehe auch: Himmelspol · Polarstern · Aufgang und Untergang

Zodiakallicht

Sonnensystemauch: Tierkreislicht

Kurz gesagt: Ein schwacher, schräger Lichtkegel am dunklen Himmel nach der Abend- oder vor der Morgendämmerung, verursacht durch Staub im Sonnensystem.

Wie im Alltag: Wie Staub, der im Sonnenstrahl durch ein Zimmer schwebt und sichtbar wird.

Genauer: Das Zodiakallicht ist Sonnenlicht, das an winzigen Staubteilchen in der Ebene der Planetenbahnen gestreut wird. Es steigt entlang der Ekliptik auf, also entlang der Tierkreis-Sternbilder. In Mitteleuropa siehst du es am besten im Frühjahr abends im Westen und im Herbst morgens im Osten, nur an sehr dunklen Orten.

Siehe auch: Gegenschein · Ekliptik · Tierkreis · Lichtverschmutzung

Zunehmender / Abnehmender Mond

Ereignisseauch: Halbmond, erstes Viertel, letztes Viertel

Kurz gesagt: Zunehmend wird der beleuchtete Teil des Mondes jeden Tag größer, abnehmend kleiner.

Wie im Alltag: Merkhilfe für die Nordhalbkugel: Sieht die Sichel aus wie der Bogen eines kleinen „a“, nimmt der Mond ab; passt ein Strich davor wie bei „z“, nimmt er zu.

Genauer: Zwischen Neumond und Vollmond nimmt der Mond zu und steht abends am Himmel. Danach nimmt er ab und ist vor allem in der zweiten Nachthälfte und am Morgen zu sehen. Bei Halbmond (erstes bzw. letztes Viertel) ist genau die Hälfte beleuchtet – dann zeigt der Schattenrand die meisten Krater-Details.

Siehe auch: Mondphase · Sichel · Neumond · Vollmond

Zwerggalaxie

Sternhaufen & Galaxienauch: Zwerg-Galaxie, Satellitengalaxie

Kurz gesagt: Eine kleine, lichtschwache Galaxie mit „nur“ einigen Millionen bis Milliarden Sternen.

Wie im Alltag: Wie ein Dorf neben einer Großstadt.

Genauer: Zwerggalaxien sind die häufigste Galaxienart, aber wegen ihrer geringen Helligkeit schwer zu finden. Viele umkreisen größere Galaxien als Begleiter. Die Milchstraße hat Dutzende davon, und manche werden von ihr langsam zerrissen und aufgenommen. Sie enthalten oft besonders viel Dunkle Materie.

Siehe auch: Galaxie · Irreguläre Galaxie · Lokale Gruppe · Dunkle Materie

Zwergplanet

Sonnensystem

Kurz gesagt: Ein runder Himmelskörper, der die Sonne umkreist, aber seine Bahn nicht von anderen Körpern freigeräumt hat. Bekanntestes Beispiel: Pluto.

Wie im Alltag: Ein Zwergplanet ist rund wie ein Planet, muss sich seine Umlaufbahn aber mit vielen anderen Brocken teilen.

Genauer: Die Kategorie wurde 2006 von der IAU eingeführt, Pluto verlor damals seinen Status als Planet. Offiziell anerkannt sind fünf Zwergplaneten: Ceres im Asteroidengürtel sowie Pluto, Eris, Haumea und Makemake weiter draußen. Fachleute vermuten, dass es im äußeren Sonnensystem noch viele weitere gibt.

Siehe auch: Planet · Kuipergürtel · Asteroidengürtel

Zwergstern

Sterneauch: Zwerg

Kurz gesagt: Sammelbegriff für normal große oder kleine Sterne – im Gegensatz zu Riesen.

Genauer: In der Astronomie heißen alle Hauptreihensterne „Zwerge“, auch die Sonne gilt als gelber Zwerg. Davon zu unterscheiden sind Rote Zwerge (kleine, kühle Sterne), Weiße Zwerge (ausgebrannte Sternreste) und Braune Zwerge (gescheiterte Sterne). Der Name sagt also mehr über die Lebensphase als über die genaue Größe aus.

Siehe auch: Roter Zwerg · Weißer Zwerg · Brauner Zwerg · Hauptreihenstern

#

1 Begriff

Astronomie-Glossar: Zahlen & Zeichen

500er-Regel / NPF-Regel

Astrofotografieauch: 500er-Regel, NPF-Regel, 600er-Regel

Kurz gesagt: Faustregeln, wie lange du ohne Nachführung belichten kannst, bevor Sterne zu Strichen werden.

Wie im Alltag: Wie eine Faustregel für die Verschlusszeit, damit ein Foto nicht verwackelt.

Genauer: Die 500er-Regel teilt 500 durch die Brennweite (auf Kleinbild umgerechnet): Bei 20 mm ergibt das rund 25 Sekunden. Für heutige, hochauflösende Sensoren ist sie oft zu großzügig. Die genauere NPF-Regel berücksichtigt zusätzlich Blende und Pixelgröße und liefert deshalb meist kürzere Zeiten. Viele Foto-Apps berechnen sie automatisch.

Siehe auch: Weitwinkel-Astrofotografie · Belichtungszeit · Strichspuren (Star Trails)

Fragen & Antworten

Häufige Fragen zum Astronomie-Glossar

Ein Glossar ist ein Wörterbuch zu einem Fachgebiet. Hier findest du Begriffe rund um Sterne, Nebel, Galaxien, das Sonnensystem, das Beobachten und die Astrofotografie, jeweils einfach erklärt und mit einem Vergleich aus dem Alltag.

Tippe oben in der Leiste von A bis Z auf den Anfangsbuchstaben. Am Computer hilft außerdem die Suche im Browser (Strg + F, am Mac Cmd + F). Über „Siehe auch“ springst du direkt zu verwandten Begriffen.

Ja. Jeder Begriff hat einen eigenen Sprungpunkt. Hänge dazu einfach ein # und den Begriff in Kleinbuchstaben an die Adresse an, zum Beispiel https://www.peterlauritis.de/astro-glossar/#lichtjahr.

Die Astronomie ist eine Naturwissenschaft: Sie misst und erforscht Sterne, Planeten und das Weltall. Die Astrologie deutet dagegen die Stellung der Gestirne für Vorhersagen über Menschen. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis.

Ein guter Einstieg sind Belichtungszeit, Nachführung, Stacking, Lichtverschmutzung und Seeing. Wie das in der Praxis aussieht, zeige ich dir in meinen Beiträgen unter Astrofotos.

Ja. Ich ergänze das Glossar nach und nach um weitere Begriffe und eigene Grafiken. Neue Wörter, die in meinen Astrofoto-Beiträgen vorkommen, landen ebenfalls hier.

Viele dieser Begriffe begegnen dir in meinen eigenen Aufnahmen aus Speckswinkel. Schau dir dazu meine Kategorie Astrofotos an.